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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 6 · p. Seite 634

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 6
Article
[Rezension]
Date
1928-01-01
Page
Seite 634 (sequence 2)
Language
German
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634 Koreff, in Breslau geboren als der Sohn eines dort lebenden jüdischen angesehenen Arztes, widmete sich selbst der Heilkunst und ganz besonders magnetischen Heilmethoden. Eine große Praxis gab er auf, um in preußische Staatsdienste zu treten. Hardenberg, der ihn zu seinem Leibarzt auserkoren hatte, setzte es durch, daß er gegen den Willen der medizinischen Fakultät an der Berliner Universität ordentlicher Professor wurde. Da versuchte man noch im letzten Augenblick seine Anstellung zu hintertreiben mit dem Hinweis, daß er ungetauft sei. Längst war ja das Emanzipationsedikt von 1812 durch die Yerwaltungspraxis unterhöhlt. So tat Koreff auch diesen Schritt. — Nun aber setzt die für das Assimilations Zeitalter typische jüdische Tragödie des intellektuellen Täuflings ein. Mit seiner ganzen Persönlichkeit arbeitete Koreff für die Entwicklung der preußischen Universitäten. Ganz besondere Verdienste erwarb er sich etwa um die Gründung der Universität Bonn. Aber das alles nur mit dem Resultat, daß er, der alle Verbindungen zum Judentum gelöst hatte, für die anderen, die ihn bekämpften, der ,,jüdische Parvenü44 blieb. Man intrigierte gegen ihn, verhinderte, daß er eine Klinik bekam, die ihm den größeren ärztlichen Wirkungskreis erst hätte geben können^ ließ ihn an keinen Prüfungen teilnehmen, kurz tat ihm das alles an, was preußische und deutsche Universitäten im 19. und 20. Jahrhundert unzählige Male jüdischen Gelehrten angetan haben. — Besonders kraß etwa der Fall des Prof. Hermann Cohns zu Breslau, des ,,Augencohns44 und Vaters Emil Ludwigs. So erreichte man es schließlich, daß Koreff, dieses ,,unwürdige44 Mitglied der Berliner Universität, gestürzt wurde. Koreff wandte sich nun' nach Paris und mußte sich dort mit 40 Jahren eine neue Existenz aufbauen. Hier aber galt er, der zu Hause der Jude gewesen war, als Preuße und hat als preußischer Patriot mancherlei auszustehen. Arm ist er gestorben. Das Lebensbild, das Oppeln-Bronikowski entwirft, wird vor allem durch die zahlreichen Dokumente, die zumeist bisher nicht veröffentlicht sind, unterbaut. Sie zeigen einen Menschen von ernsthaftem Willen, Fleiß und Aufopferungsfähigkeit, vor allem einen immer hilfsbereiten Arzt. Für die jüdische Wissenschaft kann, diese Dokumentensammlung der Anstoß sein, sich einmal ernsthaft mit der Psyche des intellektuellen Juden der Emanzipationsepoche zu befassen, der zur Taufe gezwungen, Minderwertigkeitskomplexe durch zu starken Ehrgeiz zu kompensieren sucht, man denke auch an Karl Marx, Heinrich Heine, Ludwig Börne u. a. Auch Lassälle, der ungetauft blieb, käme in Frage. Ganz abgesehen von den Intelligenzen, die dem Judentum verloren gingen, würde die Untersuchung auch mach der Richtung Erfolg zeitigen, welche Verbiegungen in der jüdischen Seele angerichtet wurden. Vielleicht würde eine derartige Arbeit nicht nur historisch wichtige Resultate liefern, sondern auch für die Gesundung des gegenwärtigen jüdischen Menschen mancherlei leisten. 1 Breslau. WillyCohn. Deutsches Judentum und Reclitskrisis. Philo-Verlag, Berlin 1927. Br• 0. F. Scheuer: Burschenschaft und Judenfrage. Verlag Berlin-Wien, . Berlin 1927. Unter der Sammelbezeichnung ״Deutsches‘ Judentum und Rechtskrisis“ bringt der C. V. drei Reden heraus, die auf der von ihm einberufenen Juristentagung im Mai 1927 von Landgerichtsrat Stern, Rechtsanwalt Eyck und Rechtsanwalt Weil gehalten wurden. Schon die Tatsache, daß eine solche Versammlung stattfinden mußte, zeigt, daß neben der allgemein in der politischen Presse beklagten Rechtsnot noch eine besondere jüdische Rechtsnot besteht, deren Erörterung nicht länger zu umgehen war. . Der erste und dritte Vortrag bewegen sich in mehr theoretischen Ausführungen. Stern legt in tiefgründiger Untersuchung die allgemein philosophische Grundlage des völkischen Gedankens dar und weist seine wissenschaftliche Unhaltbarkeit nach. Weil erörtert im Anschluß an eine historische Darstellung des politischen Prozesses dessen Vorbereitung und Durchführung. *Von besonderer praktischer Bedeutung aber sind die Ausführungen von Eyck. Er macht einen Streifzug durch die Rechtsmaterien, die in dem letzten Jahrzehnt überall in Deutschland den Gegenstand von Prozessen mit antisemitischem Hintergründe gebildet haben. Es handelt sich in der Hauptsache um die Beleidigung einzelner Juden und . der Juden unter einer Kollektiv-

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