Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension] / Klein, Samuel
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 437 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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437 Br. Bernhard Wachstein: מפיתה ההספדים הנמצאים והנזכרים בספרי בית־־אוצר־־־ הספרים דקהל וינא. Zur Bibliographie der Gedächtnis- und Trauervorträge in der hebräischen Literatur. II. Folge, Wien 1927. Verlag ,,Menorah“, Wien II, Heinestr. 16. 53 S. hebr. + XV S. deutsch, 88. Das erste Heft dieser sehr interessanten Bibliographie ist in dieser Monatsschrift, 1923, S. 148, angezeigt worden. Das dort Gesagte gilt im allgemeinen auch für die gegenwärtige zweite Folge, die auch mehrere Ergänzungen zum ersten Heft bietet. Wie schon dort hervorgehoben, wurde die Bibliographie so ausgestaltet, daß über die ursprüngliche Bestimmung hinaus sie zu einer reichen Fundgrube biographischer Daten geworden ist. Ueberaus wertvoll ist das Ortsregister (XIII—XV), in welchem die neuzeitliche weite Diaspora sich widerspiegelt. Es ist nach dem lateinischen Alphabet geordnet, was jedoch zu manchen Unzukömmlichkeiten führt. So kann ich z. B. das S. 6 genannte הריי״״ץ im Register nicht finden und identifizieren. Es wäre sehr erwünscht, sämtliche in beiden Heften vorkommende Ortsnamen in der hebräschen Transkription in einem Register zu vereinigen und die heute üblichen Namensformen als Erläuterung den einzelnen Nämen beizugeben. Das wäre ein bedeutsamer Beitrag zu einem noch gänzlich fehlenden Onomastikon der jüdischen Diaspora. — 45 נ״ש ist wohl Nikolsburg. Einige kleine Berichtigungen mögen noch hier Platz finden: Der auf S. 7 genannte R. Eliezer Sussmann Sofer starb am Rüsttag des Versöhnungstages; der הספד fand an dem in der Bibliographie angegebenen Tage statt. — S. 42 באגאדע ist nicht Bogad (wie im Ortsregister angegeben), sondern Bagota. — S. 45, Zeile 6 lies: תקצ״ו, wie richtig in Z. 8. Ueber das große Erdbeben in Zefat vgl. ספר השנה של איי II, 100 ff. Eine Fortsetzung der ,,Veröffentlichungen der Bibliothek d'er Israelitischen Kultusgemeinde Wien“ ist dringend zu wünschen. S. Klein. Br. Jakob Schönberg: ,,Die traditionellen Gesänge des israelitischen Gottesdienstes in Deutschland.“ Im Selbstverlag, Fürth (Bayern), Blumenstr. 24. Eine ,,analytische Betrachtung der in Deutschland während des 19. Jahrhunderts bekannten traditionellen Synagogengesänge“ will, nach des Verf. Angabe, dieses Buch darstellen. Grundlage der Betrachtung ist die von Abraham Baer, Oberkantor in Gothenburg, konzipierte und 1877 unter dem Titel ,,Baal T’fillah“ herausgegebene Sammlung der jüdisch-gottesdienstlichen Gesänge und Rezitative; die Methode der wissenschaftlichen Untersuchung erfolgt in Anlehnung an die Ergebnisse der Jdelsohn‘schen Forschungen. Das Ziel ist ,,die Erkenntnis des Fundaments, das der jüdischen Musik offenbar zugrundeliegt.“ Dr. Schönberg will durch seine eingehenden, mit großem Scharfsinn und staunenswerter Akribie geführten Untersuchungen zu dem Ergebnis kommen, daß die meisten alt traditionellen Gesänge, und speziell die Akzentintonierungen der Bibel (T’amim, N’ginoth) pentatonischen Charakter haben. Das pentatonische Musiksystem, das älteste nachweisbare, unterscheidet sich von dem des Dur und Moll, aber auch von den griechischen Tonarten vor allem darin, daß es nicht, wie diese alle, als Hauptmerkmal den ,,Grundton“ besitzt, zu dem alle anderen Töne der Tonleiter als auf ihn bezügliche Intervalle in Abhängigkeitsverhältnis stehen. Die Töne des pentatonischen Systems haben vielmehr sämtlich tonale, und nicht melodische Bedeutung, ihr Gewicht ist umso größer, je näher ihre Intervallverwandtschaft mit dem sogenannten Zentralton ist. Demgemäß haben die pentatonischen Gesänge durchwegs einen eckigen, herben, sprechton artigen Charakter, der der jüdischen Vorliebe für Melodik und Melismen, die sich in den spättraditionellen Gesängen zeigt, entgegensteht. Der Versuch des Verf., den alttraditionellen Gesängen die Pentatonik als Grundlage zu geben, ist nur zum Teile, hier aber völlig geglückt. Vor allem bei den Akzentintonierungen der Thora am Sabbath. Sie sind ausnahms- 1*0 s im pentatonischen System unterzubringen, und wo ,,kirchentonartige und modern diatonische Einflüsse und Wendungen“, wie auch Melismen auftreten, sind sie auf Baers fehlerhafte Notierung zurückzuführen. Ich singe, seit ich mich mit Dr. Schönbergs Buch beschäftige, alle N’ginoth, auch Sarka, R’wia, Darga etc., streng pentatonisch und fühle deutlich, daß sie dadurch erst Stileinheit und Ausdruckskraft gewonnen haben; so wird es sicherlich jedem anderen Thoravorleser ergehen. Nun wird erst der Schlußton der Parschah, der in den Hauptakzenten überhaupt nicht, und sonst nur vorübergehend