Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension] / Löb
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 433 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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433 Natürlich geht der Bedeutungswandel eines Begriffes nicht restlos in einem historischen Schema auf; Gefühle und Gedanken, die erst später zum klaren Ausdruck kommen, sind oft schon früher latent vorhanden und umgekehrt erhält sich das frühere noch in einem späteren und späten Stadium. Unter diesem Gesichtspunkt wird wohl manche Feststellung des Verfassers fraglich und es scheint deshalb z. B. kein vollgültiger Beweis zu sein, wenn die nachdavidische Abfassung des 51. Ps. auch damit begründet wird, daß die darin herrschende Vorstellung vom Geist Gottes eine Tiefe offenbare, die zu Davids Zeit nicht hat vorhanden sein können. Bei einem Zweifel und Ein- Spruch gegen diese These handelt es sich nicht um Apologie, sondern um eine prinzipielle Auffassung geschichtlicher Bestimmung und Zuordnung. Von einem gewissen allgemeinen nicht unaktuellen Interesse und zugleich Zeugnis für die besonnene und vornehme Haltung, mit der sich derVerf. den Problemen nähert, dürften die Ausführungen gegen den hyperkritischen Zweifel an der Tradition sein. Die ganze nordische Exege tenschule, so betont er, erkennt die Bedeutung von Moses’ persönlichem Gotteserlebnis an, ,,und sieht darin eine notwendige Bedingung für den zündenden und zusammenschweißenden Durchbruch des jahvistischen Gottesglaubens bei den Wüstenstämmen und dessen Kraft, diese auch weiterhin zusammenzuhalten und zu entflammen.“ Diese Auffassung steht nach dem Verfasser im Zusammenhang mit der starken nordischen Auffassung von der Bedeutung der Persönlichkeit besonders auf religiösem Gebiet (S. 137). ״Es ist unmöglich, das tiefste und am meisten charakteristische in Israels Jhv. zu erklären, wenn man von primitiv religiösen Vorstellungen ausgeht. Und die Entwicklung der Gottesvorstellung des Prophetismus kann nur als eine sukzessive Entwicklung von etwas schon Vorhandenem zufriedenstellend erklärt werden. Am einfachsten und sichersten ist es daher, der An- Weisung zu folgen, die Israels Tradition einhellig gibt und in Moses’ persönlichem Gotteserlebnis den Ursprung Jhvs im mosaischen Israel! zu suchen. Von dem Augenblick an, da Jhv. von Moses erlebt wurde, war er der mosaische Jhv. mit dessen eigenem Wesen, das dann von den Propheten immer mehr religiös-ethisch vertieft wird.“ — Löb. Gustaf Dalman, Aramäische Dialektproben. Unter dem Gesichtspunkte neutestamentlicher Studien neu herausgegeben. Zweite erweiterte Auflage. Mit deutsch-englischem Wörterverzeichnis. Leipzig, Hinrichs 1927, XI 72 S. Diese neue Auflage der ,,Dialektproben“ enthält auf S. 1—31 die Texte, die bereits in der ersten Auflage abgedruckt waren; es folgen dann S. 33—36 neue Texte midraschiseher Herkunft, 36—38 Sprichwörter und Redensarten sowie die Widmungsinschrift von Kapernaum und 39—40 einige Stellen der christlich-palästinischen Evangelienübersetzung. Diese Neuaufnahmen hängen damit zusammen, daß Dalman nunmehr seine ״Proben“ noch nachdrücklicher als früher in den Dienst der Beschäftigung mit der Sprache Jesu stellt. Vielleicht entschließt sich der Verfasser in einer späteren Auflage auch einige samaritanisclie Texte abzudrucken, es wären dann alle aramäischen Dialekte Palästinas in seiner Auswahl vertreten. Jos. Horovitz. Die Idee der Liebe. Leone Ebreo. Zwei Abhandlungen zur Philosophie der Renaissance von Heinz Pflaum. Verlag von J. C. B. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen, 1926. Es sind zwei Abhandlungen, von denen die erste als Rahmen für die zweite dient. In glanzvoller Weise und mit sicherem Treffblick weiß Verfasser die einzelnen verschlungenen Momente der Liebesidee, die aus den ganz heterogenen Quellen des antiken Denkens in das weite, alles aufnehmende Beet der Renaissance einmündeten, ans Licht zu ziehen. Die Denkmaterialien waren da, und es bedurfte bloß eines synthetischen Geistes, um die mosaikartig nebeneinander daliegenden Momente in einen allgemeinen, das ganze Universum durchziehenden Lebensprinzip zu gestalten. Diese Synthese vollzog Leo Ebreo, und bahnte damit den Weg für die Naturphilosophie des 16. Jahrhunderts. Somit treten wir in die zweite Abhandlung über Leo Ebreo ein. Verf. betont, daß er sich die Aufgabe gestellt hat, Leo aus dem engen Kreise der italienischen ״Trattatisti d’amore“ des Cinquecento loszulösen, um ihm in der buntbewegten Gedankenströmung der Renaissancephilosophie einen hervorragenden Platz einzuräumen. Und wir» geben gerne zu, daß es Monatsschrift, 72. Jahrgang. 28