Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 2
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 219 (sequence 2)
- Language
- German
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219 Diese Kleinigkeiten wollen natürlich der hohen Bedeutung der Leistung nicht Abbruch tun. Will einer über Geschichte, Archäologie, historische und moderne Geographie des heiligen Landes oder über die Verhältnisse des modernen Palästina in wirtschaftliche!*, politischer und kultureller Beziehung unterrichtet sein, so wird er dieser 8437 Nummern fassenden Bibliographie, der auch ein vorzügliches Register beigegeben ist, nicht entraten können. _ S. Klein. Horovicz, Rabbiner I.: Geschichte des Sch’thijasteines. 1927, I. Kauffmann Verlag, Frankfurt a. M. IV 425 ־ S., 88. Der Titel dieser kleinen Schrift ist offenbar unrichtig gewählt worden. Nicht die Geschichte des אבן שתיה (die wohl gar nicht geschrieben werden kann), sondern eine Anzahl Aggadot über diesen berühmten Stein am Tempelplatz werden hier vorgetragen. Das Thema ist der Beachtung wert, nur müßte es methodisch (vgl. die Aggadaforschungen Aptowitzers) bearbeitet werden. Was der Verfasser hier bietet, ist recht volkstümlich und für einen gewissen Kreis von Lesern bestimmt, die für das Gebotene Dank wissen werden. _ S. Klein. Ermanno Loevinson: Roma Israelitica. Verlag I. Kauffmann, Frankfurt a. M. Preis geb. i. L. Mk. 10.— . 1927. Der Verf. dieses Buches, ein geborener Berliner, trat später in den itaiienischen Archivdienst und wurde vor kurzem zum Direktor des berühmten Archives in Parma ernannt. Einen großen Teil seines Lebens verbrachte er in Rom, und so besitzt er teils eben durch diesen Aufenthalt teils durch eingehende Studien die Kenntnisse zu der Abfassung dieses eigenartigen Werkes. Es schwebt ihm der Gedanke vor, einen jüdischen ,,Baedeker“ zu schreiben, der den Romreisenden, gewöhnt sonst nur die allgemeinbedeutenden Erinnerungsstätten aufzusuchen, an alle die Orte führt, die in irgendeiner Beziehung zum Judentum stehen. Der Verf. wünscht, daß diesem Buche an anderen Orten ähnliche Werke erstehen, und er erhofft mit Recht davon eine Belebung des jüdischen Interesses. Wenn wir trotzdem gegen Einzelnes in dem Buche Einwendungen erheben müssen, so wollen wir doch von vornherein erklären, daß wir den Gedanken für gut halten und daß wir wünschen möchten, daß in Zukunft mindestens jeder jüdische Romreisende diesen in biegsames Leinen gekleideten Führer in seiner Tasche mit sich führe. Die Einwendungen .gehen nach zwei Richtungen. Einmal erscheint uns der Begriff ,,jüdisch“ oder vielmehr im Sinne des Verf. ״israelitisch“ zu weit gezogen. WTenn er jede Statue von Paulus und Petrus in einem jüdischen Führer aufnimmt, so läßt sich das wohl damit rechtfertigen, daß diese Männer jüdischen Blutes waren, aber es entspricht dies doch durchaus nicht dem Begriff des Judentums, wie wir ihn heute auffassen. Eine ,,Roma Israelitica“ sollte doch nur diejenigen jüdischen Erinnerungen umfassen, die für das Judentum von Bedeutung sind. Sonst müßte man ja schließlich soweit gehen, alle christlichen Erinnerungen in das Werk aufzunehmen, weil ja die Mehrzahl der Gestalten des Christentums aus jüdischem Blute stammen. Noch ein zweiter Punkt muß unbedingt beanstandet werden. Gerade der ,,Baedeker“ zeigt uns, was ein sachlich-unparteiisch geschriebener Reiseführer für eine Bedeutung hat. Dieses Buch aber wird zu einer Hymne auf den Faschismus, und man muß es der Welt schon gestatten, daß sie sich außerhalb von Italien doch ein anderes Bild von der Persönlichkeit eines Mussolini macht. Gleiches gilt von sonstigen politischen Anspielungen einschließlich der oft einseitig eingestellten Aeußerungen zum EmanzipationsZeitalter. Ueberlassen wir ruhig dem denkenden jüdischen Romwanderer, sich sein Urteil selbst zu bilden, wenn er vor die Denkmäler einer gewaltigen mehrere jahrtausendealten jüdischen Geschichte in Rom geführt wird. Die Einteilung des Buches folgt der Gliederung der Stadt. Wir wandern zuerst in den Teilen am linken Tiberufer; hier ist es vor allem das Ghetto und die Synagoge, die unser Interesse auf sich zieht. Daneben aber noch 22 verschiedene andere Gruppen von Museen, Denkmälern und Ausgrabungen. Auf dem rechten Tiberufer interessiert jüdisch besonders der Monteverde. Und schließlich im dritten Teil geht es hinein zu den Katakomben und der römischen Gampagna, dort vor allem zu dem eigenartigen Casale Giudio.