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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1927-01-01 · Heft 4 · p. Seite 237

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
71 (1927)
Issue
Heft 4
Article
Zwei Essaybände [Rezension]
Date
1927-01-01
Page
Seite 237 (sequence 2)
Language
German
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237 Die literar-historische Gattung, die seit Montaigne klassisch ist, umfaßt wie der wese ns ähnliche Aphorismus zwei extreme Möglichkeiten: die Kürze und Geschlossenheit-des Essays und des Aphorismus kann Ausdruck höchster Zusammenballung konzentrischen Denkens und formender Kraft sein, ebenso aber auch Zeichen der Geistreichelei, die nicht zu Ende denken, keine Einwände prüfen, vorschnelle Resultate setzen will. Höchste Zwangsläufigkeit des Wortes und letztes Unverpflichtetsein des Plauderns treffen sich in dieser Gattung. Bialiks Buch gehört zu der guten Art. Der größte lebende Meister der hebräischen Sprache zeigt sich liier vor allem als ihr Theoretiker und, noch mehr, als Theoretiker der Sprache überhaupt. Die Aufsätze über ״Offenbarung und Verhüllung in der Sprache6‘ und ״Geburtswehen der Sprache“, die den Baiid einleiten, und ihm den Stempel geben, fassen das Phänomen des -Wortes durchaus als magischen Tatbestand, nicht nur, was seine Entstehung, sondern auch was seine heutige Wirkung angeht. So wenig man hier mit Bialik tibereinstimmen wird, so sehr wird man verstehen, daß auch diese Mißschätzung, die er selbst freilich für Hochschätzung hält, mit seinem j üdis eben Werk zusammenhängt: das Hebräische scheint ihm eben das einzig gerettete Gut im Chaos des jüdischen Zusammenbruchs und fast das einzige Werkzeug des Wiederaufbaues. Von dieser, letzten Endes ja gleichfalls magischen, Zielsetzung stammt seine magische Sprachphilosophie ebenso wie seine Unterschätzung aller ״jüdischen Wissenschaft in fremden Sprachen“, die in dem ״Brief an die Herausgeber des Dwir“ aufsehenerregend zum Ausdruck kam und kommt. Aber aus der gleichen Quelle stammt auch jene vollendete Einfühiungsmöglichkeit in Geschichte und Wesen der hebräischen Literatur, die uns in den mittleren Aufsätzen des Bandes eine jüdische Literaturgeschichte in nuce —von derAggada über Spanien bis zur ״jüngsten Dichtung“ — geschaffen hat. Die Uebersetzung ist überall vortrefflich; bei dem von Dr. Gerhard S c h 0 1 e m übertragenen Aufsatz ״Halacha und Aggada“ meisterhaft. Ueber ״Ghettostürmer“ tut man milde, sich möglichst kurz zu fassen. Vierzehn oberflächliche biographische Skizzen, die von Zangwill bis Achad Haam und Bialik reichen, aber sich nicht einmal die Mühe irgendeiner Anordnung, und sei es der chronologischen, nehmen: als zweiter Beitrag folgt Salomon Maimon, dann Nord au, darauf Smolenskin usw. Bunte Reihe! Impressionen (manchmal gesehene), Anekdoten (oft gute) und vor allem formelhafte Antithesen (nicht immer ganz geistlose) sind die Darstellungsmittei dieser Portraits. Für Aehnlichkeit bürgen nur einige beigegebene Photographien. Frankfurt a. M. _ Ernst Simon. HirscMeld, Robert: Hilfsbuch für den Unterricht in der nachbiblisehen Geschichte. Verlag von M. Poppelauer, Berlin. Der Verfasser hat sich solcher Kürze befleißigt, daß der Schwung nicht selten darunter leidet; Der Inhalt fordert öfter zur Kritik heraus. So ist S. 29 (Einführung der Haftara) nach Eibogen, der jüdische Gottesdienst S. 175 zu berichtigen. Daß der Islam lehre, man solle sich blind dem Schicksal unterwerfen (S. 45), ist nur mit Einschränkung richtig. S. 48 ist das Wesen der Saboräer nicht glücklich gekennzeichnet. Mit dem Erscheinen der Araber in Spanien trat gewiß eine Besserung der Lage der Juden ein; daß aber ״Zeiten des Glückes für sie begannen“ (S. 54), ist doch wohl übertrieben. Die Dar- Stellung des 19. Jahrhunderts ist zu knapp; von der Geschichte der Juden in Italien, Frankreich und Rußland seit 1500 ist fast nichts zu lesen. Trotz dieser Mängel kann die Arbeit zur Einführung an Mittelschulen wohl empfohlen werden. Bei einer Neuauflage ließe sich durch Stichworte am Rande die Uebersichtlichkeit wohl erhöhen. B. M. Bücherschau (Besprechungen, soweit nicht besonders gezeichnet, vom Herausgeber). Wir begrüßen zunächst die Begründung einer jüdischen Buchgemeinde: des ״Heinebundes“ (Berlin W. 9, Linkstr. 89). Als erste Veröffentlichung erscheint: 1• Elbogen, Gestalten und Momente aus der jüdischen Geschichte, 1927, 320 S- Das Buch enthält folgende Aufsätze: Dillmann, König David; E. Auerbach, Prophet und Staatsmann; aus dem ersten Makkabäerbucli:

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