Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 71 (1927)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 148 (sequence 2)
- Language
- German
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literätur hin, die für den objektiv Denkenden von besonderem Werte sind: Es sind jedoch, gerade im Interesse strenger .Objektivität, Worte wie sie K. s. 103 ausspricht אין להכחיש את הל הדברים הללו ולומר (כמו שנוהגים ררב חכמי ישראל לשם ס3גוריה>שהם בדויים מן הלב zu korrigieren... Denn, wenn nun einmal die Vorwürfe, die sich im N. T. gegen Pharisäer finden, historisch betrachtet nicht auf die Pharisäer passen, sondern höchstens auf manche derselben, d. h., wenn man nun einmal in der gerechten und objektiven Beurteilung historischer Vorgänge soweit fortgeschritten ist,• einzüsehen, daß keine religiöse Richtung, mag sie nun die pharisäische oder irgend eine andere sein, das.,;Privilegium für sich in Anspruch nehmen kann, keine Anhänger in ihrer MittS ,zu haben, auf die Vorwürfe oder harte Worte, wie sie Pharisäern gegenüber gebraucht worden sind, passen, dann wird man auch den jüdischen Gelehrten reicht geben,, wenn sie der eigentümlichen Methode tendenziöser Schwarzmalerei von vornherein ihr Mißtrauen entgegenhalten. Der Talmud selbst verurteilt manchen Pharisäer; d ara üs dürfte man aber dann erst eine Stigmatisierung des Pharisäismus herleiten, wenn nachweisbar wäre, daß andere Richtungen und Konfessionen keine Individuen mit ähnlichen Fehlern aufzuweisen haben. K. selbst führt diesen Gedanken eine Seite später sehr deutlich aus, und es ist bloß die stilistische Wendung, die hier einer Korrektur bedarf. Unrichtig ist ferner die Gleichstellung der Innenkritik, wie sie im Talmud den Pharisäern gegenüber sich äußert (104 Ende) mit den Angriffen im N. T., die vom Geiste einer konfessionellep. Polemik getragen sind. R. Tr. Herford hat hier einen schärferen Blick verraten. Es verdient besonders hervorgehoben zu werden, daß die hebräische Buchdruckerei in Tel Aviv ein Werk, wie die jüdische Geschichte K.s, in dem recht häufig fremdsprachige Texte Vorkommen, in einer so sorgfältigen und auch technisch gelungenen Ausführung hersteilen kann. . M. Guttmann. Jakob Klatzkin, (משבת ראשונים (תמום, Berlin 1925, Verlag Eschkol. 224 S־. Der Verfasser, ein sehr geistvoller philosophisch gebildeter neuhebräischer Schriftsteller, der durchseine gedankenreichen Aufsätze (jetzt auch gesammelt erschienen n. d. T. שקיעת החיים und זוטות) und seine hebr. Uebersetzung der Ethik Spinozas bekannt ist, gibt hier eine stattliche Sammlung von Sentenzen der griechischen und römischen Philosophen, übersichtlich geordnet. Die alten vorsokratischen Denker, die Sophisten, die Kyniker, die ältere, mittlere und neuere Akademie, die Stoiker ziehen vorüber (nur für letztere führt der Verf. eine hebr. Vorarbeit an — meine Uebersetzung des׳ Markus Aurelius), schließlich auch die Neupythagoreer und Neuplatoniker. Der Verfasser besitzt die Gabe, philosophische Sätze in leichtfaßlicher Mischnaspraehe meist zutreffend auszüdrücken. Im Vorwort erklärt er freimütig, daß die Ueber- Setzungen keinen wissenschaftlichen Wert beanspruchen, sondern mehr freie W i e d e r g a b e der Gedanken in Anlehnung an andere Uebersetzungen sind. Wenn man in Betracht zieht, wie der Sinn so mancher fragmentarisch erhaltenen Aeußerungen noch der Erklärung bedarf, erscheint es bedauerlich, daß den Paraphrasen nicht wenigstens hier und da Erläuterungen beigefügt sind, um vor Mißverständnissen zu schützen. Der Verf. meint allerdings (S. 10), die Sätze der Alten seien in ihrer Einfachheit immer genügend klar und verstündlich. Von vielen Sätzen trifft dies zu, vor vielen anderen wird der hebr. Leser ratlos dastehen. Es werden jedoch die bedeutenderen Philosophen durch einige Sätze eingeführt, von Manchem wird dabei in Kürze ein plastisches Bild gegeben, wie z. B. von Heraklitos dem Dunklen (ob הסתום für 6 axoxetvoc; richtig gewählt ist?), den der Verf. überhaupt sehr eingehend behandelt (72 Sentenzen!); Die Wiedergabe ist manchmal bewundernswert, mitunter aber erscheinen Sinn und Farbe eines talmudischen Ausdrucks im speziellen Falle nicht vollkommen zu passen, so z. B. bei Aristippus (S^ 114) המדיר עצמו מן ההנאה אינו נעשה אדון לה (im Grieeh. lautet der Satz: xpcrcst oüx 0 axsxopsvoc — ich würde dafür einfach sagen: ־'.(לא הפרוש הוא הגובר על ההנאה— Das Buch ist jedenfalls sehr geeignet, allgemein gebildete hebr. Leser für die Philosophie des Altertums zu interessieren und zum Studium wissenschaftlicher Werke über dieselbe anzuregen. Es ist — wie alle Schriften des Verlages Eschkol vorzüglich ausgestattet, bei Teubner gedruckt, mit Bildern von Empedokles, Antisthenes, Diogenes, Epikur, Zenon, Seneca u. a. illustriert, eine wertvolle Bereicherung der neuhebr. Literatur. : . Wien. A. Kaminka.