Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 5
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 429 (sequence 2)
- Language
- German
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429 zeit oft mit viel gutem Willen aber ohne jegliche individuelle, künstlerische Kraft gezeichnete Bilder, die ästhetisch völlig unbefriedigend wirken. Frank hat die Notwendigkeit, sich bei einer Neuschöpfung an die vorhandenen, guten alten Vorbilder anzulehnen, wohl erkannt. Er hat geglaubt, sich an die für die Handschrift wohlbegründete Tradition der Soferim halten zu dürfen und hat so seine neue Type, von der das Buch viele Anwendungsproben gibt, geschaffen. Bedauerlicherweise fehlte ihm aber die künstlerische Ader, die für die glückliche Lösung einer derartigen Aufgabe unentbehrliche Voraus־ Setzung ist. ' Seine Schrift mit ihren Eckchen und Häkchen, Schlangenlinien und Verzierungen ist ein verspätetes Kind des Jugendstiles, jener Kunstrichtung, die von den Führern der deutschen Buchkultur durch bewußte Anlehnung an das Vorbild Englands kurz nach der Jahrhundertwende überwunden und abgetan wurde. Doch sie entbehrt völlig der Grazie dieses Stiles und ist in ihrer Plumpheit auch nicht einmal vom Geschmack ihrer Entstehungszeit aus als gelungen zu beurteilen. Heute, 15 Jahre nach ihrer Erstveröffentlichung, offenbart seine Abhandlung mit einer ungewollten Deutlichkeit die Notwendigkeit einer Umgestaltung der hebr. Druckschrift; denn der vorliegende Druck, vorbildlich und zweckentsprechend in seiner typographischen Gestaltung,hat den deutschen Text in der ruhigen und strengen Antiqua-Venetia gesetzt und bietet so einen für Freunde des jüdischen Buches beschämend wirkenden Kontrast zu der dagegen höchst unvorteilhaft abstechenden, unruhigen und verschnörkelten Frank-Rühl-Type. Zu einer Zeit, in der eine schlichte und vornehme Gestaltung oft selbst schon für das Gebrauchsbuch erreicht ist, in der jedes Inselbuch eine würdige Form seines geistigen Inhaltes darstellt, ist es dringende Notwendigkeit, endlich auch dem jüdischen Buche eine seinem inneren Werte entsprechende äußere Form zu geben. Die Renaissance der hebr. Type, die hierfür die erste Voraus- Setzung bildet, kann nur durch ernste Beschäftigung mit den alten, in ihrer Schönheit bisher unerreichten hebr. Druckwerken angebahnt werden. Notwendig ist allerdings auch eine intensive Versenkung in den Geist der hebr. Sprache. Die Vorschläge, die Josef Kaplan bisher an verschiedenen Stellen zur Neugestaltung der hebr. Druckschrift veröffentlicht hat, und die jetzt von Lüthi1 wieder aufgenommen worden sind, lassen diese Voraussetzung leider völlig vermissen. Unter Berufung auf angeblich existierende jüdische Gelehrte, die unpunktiertes Hebräisch nicht lesen könne, schlägt er für das Neuhebräische von ihm erfundene, mit in den Text zu setzende Vokalzeichen vor. Ohne daß er damit irgend welche aesthetische Verbesserung schafft, denn seine Vokalzeichen zerren das einheitliche Bild der Quadratschrift völlig auseinander, wird dadurch auch die historisch überlieferte, grammatisch begründete Bildform der einzelnen Worte bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Dann ist es wohl noch ein günstigerer Vorschlag, hebräisch in transskribierter Form mit den gebräuchlichen Anti qua-Alphabeten zu drucken. Derartige Vorschläge jedenfalls, wie Kaplan sie uns unterbreitet, können der hebr. Buchrenaissance nicht förderlich sein. Voraussetzung für brauchbare Lösungen des hebr. Schriftenproblems ist die Herausgabe von Sammlungen guter, alter Typen, sowie von Studien über die Entwicklung der hebr. Schrift- und Drucktypen. Es erscheint wünschenswert, daß die Soncino-Gesellschaft der Freunde des jüdischen Buches, die sich ja die Wiederbelebung jüdischer Buchkunst als eine ihrer Hauptaufgaben erwählt hat, der Schaffung ästhetisch einwandfreier hebr. Drucktypen ihre besondere Aufmerksamkeit widme. Berlin. Herrmann Meyer. 1 Lüthi, Karl J.: Hebräisch in der Schweiz. Bern 1926, Büchler&Co.