Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 5
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 425 (sequence 2)
- Language
- German
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425 Griechische als Umgangssprache aufgegeben und das Lateinische angenommen und in welchem Grade sie damit auf die Kirche eingewirkt haben (S. XXII bis XXXIII), ferner wie sich insbesondere diese Einwirkung in der Bibelerklärung nachweisen läßt (S. XXXIV—LXIX). Dieses, reichhaltige Kapitel wird durch ein Verzeichnis von Ausdrücken der Vetus Latina gestützt, die sich sonst nur.in jüdischen Quellen finden (S. LVIII-—LXVII). Sodann wird die Frage aufgeworfen, wie sich die jüdische Ueberlieferung über die Bibel erhalten hat, und durch Stichproben aus mittelalterlichen jüdischen Ueber- Setzungen dargetan, eine wie weitgehende Uebereinstimmung die Ueberlieferung der verschiedenen Länder aufweist und wie deutlich der Zusammenhang mit der Vulgata bzw. der Septuaginta erkennbar ist. Aber die jüdische Ueberlieferung ist nicht aus der Kirche übernommen, das zeigt einmal ihre Abhängigkeit von Aquila, andererseits die Tatsache, daß sie archaistische Sprachelemente enthält, die zu jenen Zeiten nicht mehr gebräuchlich und bis dahin in den betreffenden Ländern unbekannt waren (S. LXX—XCVII). Eine ununterbrochene jüdische Tradition der Bibelübersetzung und Bibelauslegung läßt sich in allen Sprachen feststellen, für das Arabische und das Griechische hat sie Verf. in den beiden Exkursen am Ende des Buches (S. 139 ff. und. 157 ff. ) endgültig bewiesen. Die sprachlichen und syntaktischen Seltsamkeiten der Vetus Latina, insbesondere die Bildung von neuen Worten nach griechischem Beispiel oder die direkte Uebernahme jüdischer Worte stehen völlig im Einklang mit den analogen Erscheinungen in der Septuaginta und den späteren jüdischen Uebersetzungen des Mittelalters (S. XCVIII— GXVII). Auch das oft vermerkte Arme Leute-Latein der Vetus Latina erklärt sich gut als Erbe der Juden, die mehr Berührung mit den niederen Ständen hatten und deren Sprache annahmen (S. CXIX ff.). Auf dieselben Spuren führt die Verwendung, von Eigennamen und die sonstige Transkription hebräischer Worte (S. GXXV ff.). Aus allen diesen Nachweisen werden die folgenden Schlußfolgerungen gezogen (S. GXXXIIff.): Die christliche Missionstätigkeit in Europa war in ihren Anfängen weitgehend von Juden oder getauften Juden beeinflußt, der Einfluß der jüdischen Tradition auf die Entwicklung der Kirchenlehre war sehr stark. Die lateinischen Bibelübersetzungen weisen Eigentümlichkeiten auf, die in der römischen Welt unbekannt waren, sich aber aus jüdischen Quellen gut erklären lassen. Die Vulgata ist nur eine Bearbeitung der Vetus Latina, diese aber, die mit Recht die Schöpferin der romanischen Sprachen genannt worden ist, außerordentlich stark mit jüdischen Elementen durchsetzt. Die Juden des Mittelalters haben vielfach auf Grund ihrer Bibelstudien hellenistisches Sprachgut beibehalten, sie verfügten über eine ununterbrochene Tradition und haben sie mit bewundernswerter Zähigkeit festgehalten. Auch die arabisch sprechenden Juden hatten vermöge ihrer Bibelübersetzungen einen starken Einfluß auf die Bildung der Alltagssprache ihrer Glaubensgenossen in den romanischen Ländern, freilich geht ihre Ueberlieferung wiederum zum großen Teil auf die griechische zurück. Stellt man die Frage, ob die Juden des.Mittelalters eine besondere Sprache hatten, so muß man sie dahin beantworten, daß ihre Aussprache sich im einzelnen kaum mehr feststelien läßt, daß aber ihr Wortschatz ein besonderer war und in der Hauptsache aus den BibeL Übersetzungen stammte. Sorgfältige alphabetische Verzeichnisse der Personennamen {S. 181 ff.), der behandelten lateinischen und romanischen (S. 201 ff.) sowie der griechischen (S. 221 ff.), hebräischen (S. 227 ff.) und arabischen Worte (S. 239 ff.) ergänzen die Studien. Von ihrem reichen Inhalt und ihrer Tragweite geben die obigen Mitteilungen nur eine schwache Vorstellung. Blondheims Werk wird reiche Anregung für das Studium der antiken und mittelalterlichen Bibelübersetzungen bieten, außerdem aber werden alle Berichte aus dem frühen Mittelalter über gesellschaftliehe Beziehungen, religiöse Auseinandersetzungen und Beeinflussung zwischen Juden und Christen auch einmal unter dem Gesichtspunkt der von den Juden geredeten Spracnen zu betrachten sein. I. Elbogen.