Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension] / Scheftelowitz, Isidor
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 294 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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294 Die Apokalypsen des Esra uM des Baruch in deutscher Gestalt, hrsg. von Bruno Violet. Leipzig 1924. Der Herausgeber bietet nicht nur eine mustergültige Uebersetzung von den beiden genannten Büchern, sondern zugleich auch eine sehr scharfsinnige textkritische Analyse, die sich vornehmlich zur Aufgabe macht, den hebräischen Originaltext stellenweise zu rekonstruieren. Ueber die Textüberlieferung der Esra-Apokalypse hat Yiolet bereits i. J. 1910 sehr eingehend gehandelt. In der Einleitung des uns vorliegenden Buches liefert er hierzu noch einige wichtige Ergänzungen, ferner handelt er ausführlich über die Entstehung und Verwendung dieser beiden Apokalypsen. Im Anhänge sind bemerkenswerte VerhesserungsVorschläge von H. Greßmann und F. Perles enthalten. Zu Verschiedenen Stellen bringt Violet zahlreiche Parallelen aus dem altrabbinischen Schrifttum. Hierzu möchte ich noch einzelnes nachtragen, wodurch der Wert des trefflichen Buches nicht beeinträchtigt werden soll. Zu Esra-Apok.: I 11, 5: Zur Auffassung, daß die Heilszeit erst anbrechen wird, wenn die Zahl der Seelen voll sein wird, vgl. Scheftelowitz, Altpers. Rel. u. d. Judent. 158. II 5, 5—II 6, 3: Zu dem Vergleiche der Erde mit dem Schoße der Hutter (vgl. Hiob 121 בטן אמי) vgl. Scheftelowitz a. a. O. 100. III 2, 11 f: vgl. Scheftelowitz, Arch. Hel. W. XIV 6f.; 39 f. III 2, 18: Die Auffassung, daß Gott um Israels (,,des Erstgeborenen“) willen die Welt erschaffen hat, findet sich Tanhumä Beresit § 3. III 5, 21: Zur Jahreswoche vgl. auch Pesiqtä R. P. 36: Eine Jahreswoche wird Messias Efrajim, wenn er auf Erden erscheint, von den Menschen ״gequält werden. III 12: Die Vorstellung von den 7 Graden von Seligen, von denen der •eine höher als der andere ist, ist in Sifre Debär. § 10 belegt. III 28, 3c: Der Spruch: ,,Wie die Arbeit, so der Lohn“ deckte sich mit dem aramäischen לפום צערא אגרא Äbdt 5?6. IV 4, 7: Zu der Sitte, bei einem eingetretenen Todesfall die Leuchter -umzustürzen, vgl. Pesiqta d. R. Kah. P. 15, gemäß der die Leuchter ausgelöscht und das Bett umgestürzt wurde. IV 7, 4: ,,wie ein Ort von festen Grundmauern“ (totcoc; cnco OejLehhüv dyopajv) kann schwerlich einem hebr. במקום עז מרפדים entsprechen, sondern geht eher auf כמקום של מוסדות חזקות zurück, wobei das של im Griech. durch axö wiedergegeben worden ist. Baruch-Apok, III 7, 8: Die Vorstellung, daß beim Erscheinen des Messias wieder das Manna vom Himmel herabregnen wird, findet sich Beresit Rabbä P. 48, Sir hassir. R. c. 2, 10, Qoh. R. c. 1, 9, Pes. d. R. Kah. P. 5, Jalqut zu Ex. c. 18. Köln. J. Scheftelowitz. .€• F. Burney: The poetry of our Lord, an examination of the formal elements of hebrew poetry in the discourses of Jesus Christ. Oxford, Clarendon Press, 1925. Burney ist in Deutschland bekannt geworden durch sein 1922 erschienenes Buch: The aramaic origin of the fourth gospel. Es lag nahe, die Nachweise ׳ über den hebräisch-aramäischen Stil der Ausdrucks- und Redeweise, die B. in jenem auf das 4. Evangelium bezüglichen Buche gegeben hatte, nun auch . auf die anderen Evangelien auszudehnen. Das tut denn B. nun in dem vorliegenden Buche. Am Schluß des Vorworts steht die traurige Nachricht: ,'The author died on 15 April 1925. . B. gibt zunächst eine durch Beispiele belebte Erörterung der formalen ,Eigenheiten der hebräischen, d. h. alttestamentlichen, Poesie und behandelt .dabei nicht nur den synonymen und antithetischen Parallelismus, sondern .auch den vier- und dreihebigen Rhythmus und die Qina-Verse. Dasselbe weist er dann in den Worten Jesu auf. Es trifft sich eigenartig, daß diese Unter- Buchungen B.s ungefähr gleichzeitig mit meinem Buch ,,Der Erzählungsstil der Evangelien“ (Leipzig, Hinrichs, 1925) erschienen sind. Beide Bücher weisen unabhängig voneinander in der Hauptsache dasselbe nach: die hebräisch-aramäische Art der Ueberlieferungen von Jesus. Der Unterschied