Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 2
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 136 (sequence 1)
- Language
- German
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136 Methodik des jüdischen Religions-Unterrichts von Rabbiner Dr. J. Rosenberg. Verlag: Boas Nachfolger, Berlin, 1924. Wer dem Problem des isr. Religions-Unterrichtes seine Kraft widmet, wird es bedauern, daß nur wenige Werke bis jetzt vorhanden sind, die mit der Methodik dieses Unterrichts sich beschäftigen. Soweit mir bekannt, sind es nur die Werke von Maybaum (1896), Berger (1910), Stoll (1916) und von Gottschalk (Methodische Fragen des jüdischen Religions- Unterrichts: 1917). Inwiefern in den einzelnen Werken ein Fortschritt oder eine verschiedenartige Auffassung in der Behandlung der einzelnen Probleme festzustellen ist, möchte ich hier nicht näher ausführen, sondern nur die Tatsache feststellen, daß immer wieder Versuche gemacht werden, eine bestimmte Methodik des jüd. Religions-Unterrichts herauszuschälen; aber es bleibt immer beim Versuch. Verfasser des zu besprechenden Buches ist Fachmann in dieser Frage und hat dies schon in seinem Referat gezeigt, das er im Jahre 1916 auf der Generalversammlung des deutschen Rabbiner-Verbandes vorgetragen hat (Der jüdische Religions-Unterricht an den höheren Lehranstalten Preußens) und das mehr die äußeren Fragen des Religions-Unterrichts behandelte und seine Stellung innerhalb des Schulbetriebs dieser Anstalten. Aber auch hier ward schon manche methodische Frage gestreift. Die klare Uebersicht und die Hervorhebung der wichtigsten Punkte, wie sie das obige Referat zeigen, findet sich auch in diesem größeren Werke Rosenbergs. Nicht nur, daß er die Geschichte des jüdischen Erziehungswesen auf Grund von Straßburgers Geschichte der Erziehung und des Unterrichts bei den Israeliten, Stuttgart 1886, in kurzen Zügen und unter Hervorhebung der jede Periode besonders auszeichnenden Züge behandelt, er will auch in dem Gang der Geschichte zugleich die Methode sehen, wie der Religions-Unterricht selbst von Stufe zu Stufe fortschreitend allmählich dem Erziehungsideal sich nähert, das er also formuliert: ,,Der jüd. Religions-Unterricht hat die Aufgäbe, das religiöse Gefühl bei den Schülern zu wecken und zu pflegen und ihnen ein ihrem Bildungsgrad entsprechendes religiöses Wissen zu vermitteln, um sie hierdurch für die den Forderungen der Religion gemäße Lebensführung zu gewinnen und die Bildung einer religiös-sittlichen Weltanschauung bei ihnen anzubahnen, auf Grund deren sie sich befähigt und angetrieben fühlen, an allen religiösen Fragen ihrer Religionsgemeinschaft verständnisvollen und lebendigen Anteil zu nehmen.“ In der ganzen Darstellungsart und Disposition geht nun Rosenberg neue Wege, indem er (vielleicht ähnlich wie Maybaum) zunächst die Aufgabe und das Ziel der einzelnen Unterrichtsfächer behandelt (mit Stoffverteilung) und dann das Unterrichtsverfahren im allgemeinen wie in den einzelnen Lehrfächern behandelt. Zuletzt geht Rosenberg auf die Persönlichkeit des Lehrens und; die Mittel der Zucht ein und bringt dann noch einige interessante Lehrbejspiele, die uns immerhin zeigen, wie Rosenberg seine Theorien in die Praxis umgewandelt wissen will : Ausgangspunkt und Grundlage des ganzen Religions- Unterrichts ist die bi b Li sc he G es chi c h t e; sie eignet sich am besten dazu, die schlummernden religiösen Triebe zu wecken. Es brauchen nicht nur solche des I. B. Mose sein, auch in den übrigen Teilen der Hl. Schrift finden sich Erzählungen * die das kindliche Gemüt ansprechen und die an Erlebnisse der Kinder anzuknüpfen sind. Ob / diese Methode, an irgendein Erlebnis des Kindes zu Hause oder sonstwo anzuknüpfen, anzuraten ist, möchte ich bezweifeln. Das ist vielleicht bei einer kleinen Kinderzahl möglieh, dürfte, sich aber in Religionsschulen mit größeren Klassen kaum ermögliehen lassen.. Auf jeden Fall sollte bei allem doch nicht der Zusammenhang der einzelnen Geschichten aus dem Auge gelassen werden, sonst gewinnen die Geschichten zu sehr den: Charakter des gelegentlich erzählten Märchens und dieser. Eindruck dürfte auch dann, nicht mehr zu verwischen sein, wenn im dritten und vierten Schuljahr die bibl. Geschichte im Zusammenhang dargeboten , wird. Auch ich kann mich nicht dazu bestimmen lassen, mit der Schöpfungsgeschichte zu. beginnen, im Gegensatz zu Maybaum S., .64 und Kirschstein (XVI. Bericht übör die Religionsschule der jüd. Gemeinde Berlin .1871). Nur soll der ״bibl. Geschichtsunterricht für die Mittelstufe vorbereitet werden., wo. neben der gefühlsmäßigen auch die v e rstan desmäß i ge Behandlung des Stoffes treten soll und muß. Ob unter, den Begriff ״biblische Geschichte“ (S. 41) auch das Bibellesen miteinbegriffen werden darf, ist frag-