Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 2
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 132 (sequence 2)
- Language
- German
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132 an dieser gesunden Einschätzung des Geschlechtlichen nach Ansicht des Vf. nichts, wenn der Volksglaube die mit der Zeugung verbundenen Vorgänge mit Dämonen in Verbindung brachte, — wiewohl ״der absolute Monotheismus des Gesetzes jeden Dämonenglauben völlig ausschließt“ (S. 13). Aber freilich mußte nach ihm dieser Dämonenglaube bedrohlich werden, als seit dem Exil der persische Dualismus auf das Judentum Einfluß gewann (Kap. 4) und es nahelag, diese Dämonen zu dem Teufel in Beziehung zu setzen. Dieser Gefahr ist (Kap. 5) das Christentum verfallen — nicht die Religion Jesu, wohl aber Paulus und namentlieh der Katholizismus, der die Ehelosigkeit als hochheilig ans ah, ״die der alte Hebräer überhaupt nicht denken konnte“. Dagegen lenkt Luther zu den gesunden Anschauungen des A. T. wieder zurück. Dem Bibelforscher wird dies Schriftchen eines die Quellen aus zweiter Hand benutzenden Gelehrten viel zu denken geben. Die Gegenüber- Stellung der altisraelitischen und der kirchlichen Betrachtungsweise ist sicher richtig gesehen — wenn auch verzeihlicherweise nicht aus den tiefen grundsätzlichen Verschiedenheiten in der Stellung zur Welt abgeleitet: Von diesen Unterschieden aus würde man wohl zweifeln, ob Jesus in dem Sinn, um den. es sich hier handelt, als ,,lebensbejahend“ (S. 50 f.) angesehen werden darf, und ob sich in der urchristlichen und katholischen Asketik wirklich nur persischer Dualismus und priesterlicher Machthunger (S. 52 oben!) auswirkt, oder ob Weltgefühle, die auch anderswo zur Asketik geführt haben, hier die Oberhand gewinnen. Wenn also hier eine größere Weite des religionsgeschichtlichen Blickes weiterführen würde, so gibt die — bei einem Nichtfachmann durchaus verständliche ־— Gläubigkeit gegenüber Methoden und Geschichtsbild der protestantischen Bibelliteratur oft zu Bedenken Anlaß. Dies gilt von den meisten Versuchen, in der vorexilischen Literatur Spuren des Glaubens an sexuell wirkende Dämonen nachzuweisen. Wenn in den erzählenden Stücken der Bibel (Gen 18n und in Babels Worten 3135) Vorgänge umschrieben werden, die in gesetzlichen Bestimmungen (Lev 1519 ff;) deutlich genannt werden, so weiß der Verf. dafür keine andere Erklärung, als daß der priesterliche Autor des Gesetzes ,,die Dämonen nicht mehr fürchtete“! Bedenklicher ist, daß er das Schema der protestantischen Bibelwissenschaft 4— primitive Frömmigkeit vor dem Exil, Verfall im Spätjudentum, Jesus auf den Prophetismus zurüekgreifehd — seiner Betrachtung zu Grunde legt. Gerade an seinem Thema läßt sich zeigen; daß sich die guten Traditionen und Tendenzen der prophetischen FrÖmmigkeit im nachexilischen, insbesondere im mischnisch-talmudischen Judentum voll erhalten, ja nicht selten erst ihren deutlichen Ausdruck gefunden haben. Erst hier wird der Segen ,,seid fruchtbar und mehret euch“ als ein Gebot an jeden Menschen gefaßt, erst hier der unvermählte Manti ״nicht eigentlich Mensch“ genannt, während andererseits Unsittlichkeit zu den drei schwersten Sünden zählt. Und auch auf das Judentum der Folgezeit haben weder die Verirrungen der Gnosis noch die Askese des Mönchtums Einfluß gewinnen können. Wenn wir also auch als Juden manches anders sehen, so bleiben wir dem Vf. für seine wertvolle Gabe zu lebhaftem Dank verpflichtet. . . •_I. Heinemanm. Kracauer, I.: Geschichte der Juden in Frankfurt a. M. (1150—1824). Heraus1־ gegeben vom Vorstand der Israelitischen Gemeinde Frankfurt a. M. 1. Bd. Frankfurt a. M. In Kommission bei I. Kauffmann Verlag 1925. X, 453 S'.‘ Isidor Kracauer (geh. 1852, gest. als Professor am Philanthropin iii Frankfurt a. M. 1923) hat sich durch die Erforschung der Geschichte der Juden in Frankfurt a. M. große Verdienste erworben. Wir verdanken ihm folgende Aufsätze, die sich mit den Juden in Frankfurt beschäftigen: 1887: Accusation de meurtre rituel portee contre les juifs de Francfo'rt au XVIe siede. In: Revue des etudes juives. 14. — 1887: Die Konfiskation der hebräischen Schriften in Frankfurt a. M. in den Jahren 1509 und 1510. In: Zeitschrift f. d. Gesch. der Juden in Deutschland. 1. — 1887: Ein Zwangsanlehen bei der Frankfurter Judenschaft zur Zeit des 30jährigen Krieges. In: Frankfurter Zeitung. — 1887: Histoire d’un pret force demande ä iä eommunaute des juifs de Fräncfort en 1622—1623. ln: Revue des etudes