Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 7
- Article
- [Rezension] / Horovitz, Josef
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 455 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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455 Historische Grammatik der hebräischen Sprache des Alten Testaments von Hans Bauer und Pontus Leander. Erster Band: Einleitung. Schriftlehre. Laut- und Formenlehre. Mit einem Beitrag (§§ 6—9) von Paul Kahle und einem Anhang: Verbalporadigmen. Halle (Saale), Niemeyer 1922. XY, ל0ל, YI 91 S. Die Verfasser legen den Schwerpunkt ihrer Grammatik, wie schon der Titel andeutet, auf das Historisch-Vergleichende, wenn auch die Beschreibung des Tatsächlichen darüber nicht zu kurz kommt. In so konsequenter und umfassender Weise ist diese Methode bisher noch nirgends auf das Hebräische angewandt worden, wobei aber das ,,Historische“ nicht so verstanden werden darf, als hätten die Verfasser nur Sinn für historische Entwicklung; das Psychologische spielt in ihren Darlegungen und Erklärungen eine große Rolle. Die Wahrscheinlichkeit ihrer häufig von den bisherigen völlig abweichenden Erklärungen ist natürlich nicht überall die gleiche, aber alle sind sie wohldurchdacht und anregend. Schon darin, daß sie das Hebräische als eine Mischspräche charakterisieren, schlagen die Verfasser einen neuen Ton an; mit guten Gründen hat, wie mir scheint, der eine von ihnen in einer besonderen kleinen Schrift (Hans Bauer, Zur Frage der Sprachmischung im Hebräischen. Eine Erwiderung. Halle (Saale) 1924, 3ל S.) diese Auffassung verteidigt. _ Jos. Horovitz. ״Das Alte Testament im Bilde“ von Theodor Ehrenstein. Wien 1923, Kunstverl. Albert Kende. Ueber 2000 Abb., 944 S., Preis 65 Mark. Zahllos sind die Werke der Weltliteratur, die dem Geiste des erhabensten Monumentes jüdischer Kultur gewidmet sind, dessen Bedeutung nichts besser kennzeichnen kann als die Uebersetzung in alle Kultursprachen der Erde. Dem Ehrensteinschen Werke liegt gleichfalls eine Art Uebersetzung zugrunde: die Sprache der Kunst ist es, mit der der Verfasser sich an alle jene wendet, die den Geist des alten Monumentalwerkes mit ihren Sinnen erfassen wollen. Und die Methode, die er hierzu wählt, ist nicht weniger bewundernswert als der Fleiß, mit dem er diese 2000 prächtigen Bilder aus allen Epochen menschlichen Kunstschaffens und aus den bekannten sowie entlegensten Kulturstätten zusammengetragen hat. — Das Werk gliedert sich in 40 Einzelabschnitte, beginnend mit der Weltschöpfung und bis Tobias reichend. Jedes Kapitel zeigt die Illustrationen zu seinem gedanklichen und geschichtlichen Inhalt, von dem ersten Kunststammeln der ältesten christlichen Kunst angefangen, über die ungelenken Ausdrucksformen romanischer und gotischer Zeit, die feinempfundene Auffassung des Cinquecento und ekstatischen Formen des Barock usw. hinaus, bis zu den eigenartigen, vielfach an die Ausgangs- Station in byzantinischer Zeit gemahnenden Bilder des Futurismus und Expressionismus. So sehen wir überrascht, wie beliebte Erzählungen der Bibel von den Künstlern in 60 Generationen dargestellt sind und entnehmen eben daraus die Unvergänglichkeit dieser alten Gedankenwelt, die trotz ihres hohen Alters sich immer noch als kräftig genug erweist, den Geist unserer modern ״ sten Künstler anzuregen und zu veranlassen, Motive, die in 2 Jahrtausenden unzählige mal von Malern und Bildkünstlern behandelt wurden, mit eigenem Geist und Empfinden beseelt, wiederum erstehen zu lassen. — Was Michelangelo, Rembrandt u. a. hier geleistet, wie bei E. in glänzenden Wiedergaben gezeigt wird, bedarf keiner besonderen Erwähnung. Aber eine Fülle von weniger bekanntem Material ist hier gezeigt, so z. B. die unvergleichlichen Darstellungen biblischer Szenen auf den Wiener Gobelins, die wundervollen Miniaturen in den Bibeln Karls des Kahlen, Wenzels, des hl. Ludwig, im Psalter der Königin Mary, dem Asburnham-Pentateuch, der Hagada von Serajewo usw. Die Heranziehung griechisch-alexandrinischer, alter französischer, italienischer und englischer Handschriften ist gleichfalls sehr beachtlich. Nicht minder die Forschungen aus Diderons Handbuch der Malerei auf dem Berge Athos, dessen Vorschriften über Auswahl der einzelnen Sujets für kirchliche Malerei uns erst den Schlüssel für diesen Zweig der Sakralkunst in Anlehnung an das A. T. geben. War doch die bildende Kunst im tiefen Mittelalter nichts anderes als ein biblisches Lehrbuch für das des Lesens unkundige Volk, das hier, an Portalen, Deckenmalereien, Glasfenstern, Mosaiken und Fresken den biblischen Lehrstoff in Bildern aufsog. Allerdings kein eigen!- liches Lehrbuch des A. T. als solches. Denn die Bilder sollten zumeist als ,,Verheißung“ wirken gegenüber der ,,Erfüllung“, die das Neue Testament