Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 6
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 397 (sequence 2)
- Language
- German
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397 schrift und endlich ein alle anderen zusammen an Umfang weit übertreffendes, über Buchstabenschrift. Dieses letztere behandelt vor allem die semitische Buchstabenschrift (die phönikische, hebräische, aramäische, palmyrenische, nabatäische, südwestsemitische), aus der sich ja alle heute noch irgendwo auf Erden verbreiteten Buchstabenschriften herleiten lassen, sei es, daß sie in letzter Linie auf das phönikische, sei es, daß sie auf das aramäische Alphabet zurückgehen. Ueberall verbindet der Verfasser mit der Darlegung der Ent- Wicklung der Schriftarten auch die Geschichte der Forschung und ermöglicht es so dem Leser, die ihn näher interessierenden Fragen weiter zu verfolgen. Nicht haltbar erscheint mir die vom Verfasser S. 41 gegebene Herleitung des deutschen ״Gauner“ aus dem Partizipium des hebräischen jänä; dieses Verbum kommt im Kal nur selten vor und ist nur im Hif'il häufig, von da aber führt keine Brücke zu dem deutschen Substantiv. S. llf hätten vielleicht auch die Kastenzeichen der Hindus Erwähnung verdient und S. 129 wäre bei der Besprechung der nabatäischen Inschriften ,,semitisch“ besser durch ״arabisch“ ersetzt worden; sowohl die Eigennamen wie einzelne Arabismen beweisen, daß die Urheber Araber waren. Jos. Horovitz. Bücherschau (soweit nichts besonderes gezeichnet, vom Herausgeber). Heinrich Adolph, Organische Grundlagen der Religion. Eine formale Untersuchung. Gießen (Töpelmann) 1924, 112 S. Mk. 2,50. — Der Schwerpunkt der Untersuchung liegt in dem Nachweis, daß die Religion weder aus dem Denken, noch aus dem Fühlen oder Wollen erwächst, sondern aus dem Leben in seiner Gesamtheit — im Gegensatz zu Wissenschaft, Sittlichkeit, Kunst, die aus sich allein in ihrer höchsten Vollendung nur einseitige Menschen hervorbringen können, während die religiösen Genien Vollmenschen im höchsten Sinne gewesen sind. Diese ״ganzheitliche Auffassung“, aus der manche erkenntnistheoretische und psychologische Folgerungen gezogen werden, scheint uns für das Judentum mit seiner offenkundigen Richtung auf Beherrschung des gesamten Lebens in Kern und Erscheinung mindestens so berechtigt wie für den Katholizismus und gar den Protestantismus. Wir wünschen den Gedanken des Vf. Beachtung und — Weiterführung von jüdischer Seite. J. L. Baruch, ראשי פרקים בתלמוד, ספד ראשית למודי התלמוד בבתי־־הספר התיכוניים ובכתות העליונות של בתי־הספר העממייס. Berlin, Verlag 1925 שחרות, VIII u. 191 S. Im Gegensatz zur Jeschiwa, die Lamdanim, d. h. vor allem Halachakenner heranziehen wollte und daher die gesamte Zeit des Lernenden in der Hauptsache für das Studium des Talmud und zumeist seiner halachischen Teile in Anspruch nahm, kann (nach dem Vorwort) die jüdische Schule der Gegenwart mit ihrem Ziele, jüdische Menschen zu bilden, dem Talmud nur beschränkte Stunden widmen und muß die zu Menschentum und Volkstum erziehenden aggadischen Stücke in den Vordergrund rücken. Die Anthologie gibt daher nach kurzer Einleitung wertvolle ethische und geschichtliche Stücke (132 S•), sodann halachische aus Babli und Jeruschalmi mit Kommentar und fast immer grammatisch richtiger (doch vgl. שטרי S. 180) Vokalisierung schwieriger Worte. Zur Einführung in das talmudisch-midraschische Schrifttum scheint das Buch recht geeignet; insbesondere sei es Sprachschulen empfohlen. Es wird auch solchen, die dem überlieferten Judentum fernstehen, und auch Frauen, denen meist die halachischen Diskussionen ferner liegen, einen Vorgeschmack von den Werten geben, die der Talmud für jeden Juden enthält. Emile Br6hier, Les idees religieuses et philosophiques de Philon d’Alexandrie. Paris, J. Vrin, 1925, XIV u. 326 S. Die Neubearbeitung entspricht keineswegs den Hoffnungen, die die erste Auflage des tüchtigen Werkes erzeugen konnte. Wie die Bibliographie zeigt, ist der größte Teil der Neuerscheinungen seit 1906 dem Vf. unbekannt geblieben; die einzige deutsche Uebersetzung, die er kennt, ist die Auswahl von Dahl (S! VII); er redet von dem ״Menschen Gottes“, dem Pneuma, der Prophetie (S. 121, 133, 187), ohne von Leisegangs Forschungen eine Ahnung zu haben, — von Einwirkungen des Poseidonios, ohne neuere Forschungen über dessen Verhältnis zu Philon