Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 6
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 396 (sequence 2)
- Language
- German
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396 Auch unter den ״Zeugnissen der Nationen“ sind manche herrliche Blüten, die im Verborgenen gesteckt haben, und erst in dieser Blumenlese ans Tageslicht kamen. Z. B. ein Stimmungsbild über Kol Nidre von Nikolaus Lenau (1843). Der lyrische Dichter schlich sich einmal in die Synagoge hinein, um dieses Entsündungslied, reich an Schrecken und Gnade, zu hören. Aus einem alten Jahrgang (1863) Pester Lloyd ist die selten schöne Skizze geholt worden und in die gegenwärtige Anthologie übergegangen. Alle aus französischen und englischen Original werken stammenden Stücke sind von der Frau Rosalie Perles übersetzt, hebräische, aramäische, griechische und jüdisch-deutsche Proben von Dr. Felix Perles. Der auf dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft bekannte Gelehrte liefert u. a. dichterische Uebertragungen nach Jehuda Halevi, Ibn Gabirol, die an die klassischen Uebersetzungen von Sachs und Seligmann Heller heranreichen. Memel. Leon Scheinhaus. Vorlesungen über den Islam von Ignaz Goldziher. Zweite, umgearbeitete Auflage von F. Babinger. Mit einem Bild des Verfassers und einem Geleitwort von C. H. Becker. Heidelberg 1925, Carl Winter. XII, 406 S. Die sechs Vorlesungen, in welchen Goldziher zuerst 1910 die religiöse Entwicklung des Islam von seiner Begründung bis in das Ende des 19. Jahrhunderts hinein verfolgte, bilden die hervorragendste zusammenfassende Darstellung dieses Gebietes, die wir besitzen und haben als Gesamtleistung ebenbürtige Nachfolge nicht gefunden. In den 15 Jahren, die seit dem ersten Erscheinen der Vorlesungen verflossen, sind zahlreiche Einzelfragen neu untersucht und vorher unzugängliche Quellen veröffentlicht worden, und Goldziher selbst hat durch seinem Handexemplar einverleibte Abänderungen, Einschaltungen und Randbemerkungen die Folgerungen aus diesen Forschungen gezogen. Der Herausgeber der neuen Auflage, F. Babinger, hat sich nicht überall damit begnügt, diese Verbesserungen zu berücksichtigen, er hat an manchen Stellen stärkere Aenderungen vorgenommen und hat sich ,den Dank der Leser vor allem dadurch erworben, daß er in den Anmerkungen überall reichhaltige Verweisungen auf die inzwischen erschienene Literatur eingefügt hat. Entschieden zu weit ist Babinger in der Ausmerzung von Fremdwörtern gegangen, mindestens in solchen Fällen, in welchen er durch dieses Vorgehen das Verständnis des Textes erschwert hat. Ich bekenne, daß mir der ״widerspruchsvolle Grundsatz seiner Lehre“ (S. 72 unten) unverständlich war* bis ich aus der ersten Auflage ersah, daß ״Grundsatz“ hier für ״Charakter“ steht. Auch das ,,einzelpersönliche Gepräge“ (S. 230) scheint mir kein vollwertiger Ersatz für das ״individuelle“ der ersten Auflage und S. 222 hat die offenbar beabsichtigte Uebersetzung von ״System“ mit ״Gebäude“ zu dem Druckfehler ״Gebrauch“ geführt, der den Satz un verstündlich macht. Dagegen hätte Babinger unglücklich gebaute Sätze wie S. 107 unten oder S. 111 unten (״Der ägyptische Kadi“) nicht unverändert in die zweite Auflage übernehmen sollen, ebensowenig Unformen wie Chutjam (S. 147) oder ״maschrak al adkäs“ (S. 281). Ge־ Wonnen hat die liebersichtlichkeit des Werkes dadurch, daß B. die Anmerkungen alle zusammen an den Schluß gestellt hat und eine wertvolle Beigabe ist C. H. Beckers Geleitwort. Jos. Horovitz. Hans Jenseii: Geschichte der Schrift. Mit 303 Abbildungen. Hannover, Lafaire 1925. VII 231 S. 4°. Eine umfassende Geschichte der Schrift, welche auch die neuen Entdeckungen und die Ergebnisse der Forschungen der letzten Jahre berücksichtigt, gibt es nicht; dL bekannten Werke von Faulmann und Wuttke sind heute vollkommen veraltet. Der Verfasser des vorliegenden vorzüglich ausgestatteten und mit einem sehr reichhaltigen Illustrationsmaterial versehenen Werkes, hat keine Mühe gescheut, die außerordentlich umfangreiche und schwer übersehbare Literatur der letzten Jahrzehnte nutzbar zu machen und hat ein erschöpfendes, gründliches und angenehm zu lesendes Buch geliefert. Auf eine das Verhältnis von Schrift zu Sprache besprechende Einleitung folgen Kapitel über die Vorstufen der Schrift, Ideenschrift, Wortschrift, Silben-