Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 5
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 330 (sequence 2)
- Language
- German
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330 bar. Mit Recht wendet er sich dagegen, das Volk als eine ursprüngliche Gegebenheit anzusehen. Warum aber die israelitische Religion außerhalb der Sippen- und Stammesverbände entstanden sein muß, ist nicht ersichtlich. Daß unter dem Einfluß eines religiösen Führers oder unter dem Eindruck großer geschichtlicher Erlebnisse sich eine bereits vorhandene Gemeinschaft einem neuen Glauben zuwendet, ist religionsgeschichtlich etwas sehr häufig An zutreffendes. Bei der Entstehung der israelitischen Religion spricht zudem manches dafür, daß der neue Gott mit dem bereits früher verehrten gleichgesetzt wurde. Die künstliche Konstruktion Gasparis von der ursprünglichen Bildung der israelitischen Glaubensgemeinde hat weder innere Wahrscheinlichkeit, noch ist sie durch die Quellen beglaubigt, aus denen Gaspari nur durch sehr willkürliche Interpretation ein Zeugnis für seine Anschauungen herauslesen kann. Nimmt man eine Auswanderung aus Aegypten an, so liegt kein Grund vor, sich die Auswanderer oder Flüchtlinge nicht als eine Stammes- .artige Gemeinschaft zu denken, die sich als solche in der Wüste mit anderen Gruppen verschmolzen haben mag. Wir sehen davon ab, auch die anderen Thesen des Verfassers, insbesondere :seine Auffassung von der Stellung der israelitischen Religion zum. Kriege, einer genaueren Besprechung zu unterziehen. Manche überspitzten Behauptungen Webers weist er glücklich zurück, und unsere oben versuchte Kritik Webers berührt sich mehrfach mit der seinen. Seine eigenen Konstruktionen aber sind auch hier nicht zwingend, und auch in den exegetischen Einzelheiten :ist vieles gesucht und unwahrscheinlich. Dem steht indessen eine Reihe guter und fruchtbarer Beobachtungen gegenüber, und ein kritischer Leser wird den Untersuchungen Gasparis viele fördernde und wertvolle Anregungen entnehmen können. Julius Guttmann. *The Chronicle of Ahlmaaz, translated with an introduction and notes by Marcus Salz inan, Ph. D. (Columbia University Oriental Studies, Vol. XVIII) New York, Columbia University Press, 1924. IX *f 106 + 24 SS. 8°. Unmittelbar nach ihrer ersten Veröffentlichung ist die Chronik des Achimaaz von Oria durch David Kaufmann in dieser Monatsschrift (Bd.: XL, 1896, S. 462 ff.) ausführlich besprochen worden. Kaufmann machte auf den bedeutenden historischen Wert des neuen Textes aufmerksam und gab zahlreiche wertvolle Bemerkungen und Beiträge zu seinem richtigen Verständnis. Nunmehr legt M. Salzman eine neue Bearbeitung und englische Uebersetzung zusammen mit dem hebräischen Text vor. Bedauerlicherweise hat er sich davon zurückhalten lassen, die einzige bekannte Handschrift des Textes zu vergleichen; Neubauer war nicht immer so zuverlässig in der Wiedergabe seiner Texte, daß eine Nachprüfung nicht gerechtfertigt gewesen wäre1. Freilich benutzte der neue Herausgeber die zahlreichen Verbesserungen, die von Neubauer selbst, von Bacher, von Brody und von D. Kaufmann vorgeschlagen wurden. Allein auch von Kaufmanns Aufsatz kennt er die Ausgabe in den Gesammelten Schriften Bd. III, S. 1 ff. mit ihren verschiedenen Zusätzen nicht. Ebenso sind ihm anderweitige Verbesserungen zum Text, wie z. B. bei J. Mann, History of the Jews in Egypt usw., Bd. I, 49, 252 entgangen. Der Text ist, soweit ich sehen kann, korrekt wiedergegeben, jedoch nicht ganz frei von Druckfehlern. Da es sich um eine Reimchronik handelt, hätte das auch in der äußeren Anordnung besser zum Ausdruck kommen müssen. :Zumindest das Stück S. 21 f., dessen alphabetischen Charakter Kaufmann :richtig erkannt hat, hätte nach seiner Anordnung (Ges. Schriften III, 53 ff.) ״wiedergegeben werden sollen. Die Uebersetzung (S. 60—102) ist im großen und ganzen korrekt. Leicht ist es freilich nicht, einen solchen poetischen Text getreu wiederzugeben* und der Verfasser gestattet sich manche verzeihliehe Ungenauigkeit. Mitunter hat er aber seinen Text gründlich mißverstanden. So z. B. übersetzt er S. 15 ואודיעכם בכים חביבים. בבי שלשת אהובים. שמת בפילי הצורר והחובר" S. 85 der Uebersetzung mit ,,and I teil you dear 1 Ein Beispiel: פבייאה S. 16 kann trotz Kaufmanns Beziehung auf Moses v. Pavia nicht richtig sein, da alle Oertlichkeiten der Chronik in Unter- Italien liegen. Vielleicht ist פולייה Apulien zu lesen?