Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 3 · p. Seite 121

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 3
Article
[Rezension]
Date
1925-01-01
Page
Seite 121 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2829927-2829930-2832489--46153-2832581
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

121 die Hausmenorah in Gestalt verkleinerter Synagogen-Menoroth als ״sinnlos“ und ins ״Museum der Geschmacksverirrungen (!)“ verweist, so vergißt er, daß diese Gerätform mit Einführung der Kerzenlichter zur Notwendigkeit wurde und daß erst sie das Lichtzünden seihst in bis dahin indifferenten Kreisen wieder aufleben ließen. Dr. ing. Grotte. Das jüdische Museum in Prag von Prof. Dr. S. H. Lieben. Prag, Verl. Dr. Flesch. 1924. L. gehört zu den wenigen Gelehrten, die die Geschichte des Prager Ghetto erforschten und mit ihr traditionell verbunden sind. Er ist der Urheber der sehr beachtlichen Prager Sammlung, in die er beim Abbruch zweier alter Synagogen deren schönes Inventar rettete. Auf 10 Seiten, die auch 13 gute Abb. der wertvollsten Stücke zeigen, werden Geschichte und Inhalt der Sammlung beschrieben. _ Grotte. Br. M. Vishnitzcr: The Memoirs of Ber of Boiechow (1723—1805) Oxford. Univ. Press. 1922. IX und 188 Seiten. Hebräisch 2 זכרוניח facsimile und 114 s. ר׳ דוב מבוליחוב גתפ״ג תקס״ד.) ברלין, תרפיג. Die Memoiren des Ber aus Bolechow wurden vom Schreiber dieser Zeilen entdeckt, der die Aufmerksamkeit auf dieselben in der ZfJIB. XVI, 84—91 lenkte. Inzwischen wurde auch eine andere Schrift desselben Autors aufgefunden und im Haschiloach beschrieben. Diese Zeitschrift ist mir unzugänglich. Wie es scheint, führte Ber den Familiennamen Birkenthal. In den Memoiren finden wir den Namen nicht. Dr. Vishnitzer hat sich der dankenswerten Aufgäbe, unterzogen, die Memoiren zu edieren. Er versah seine Edition mit einer lehrreichen Einleitung und einer englischen Uebersetzung. In der Einleitung bringt der Herausgeber Nachrichten über Ber aus Bolechow, die nur polnischen Historikern bekannt waren. Die Memoiren Bers sind von größter Wichtigkeit für die allgemeine, wie auch für die Kulturgeschichte der Juden in Galizien und Ungarn in der zweiten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts. Es ist wahrlich nicht gering zu bewerten, daß wir eine Quelle eröffnen für die Geschichte der Juden in einem Lande, in dem einerseits die Wiege solcher Männer, wie Nahm an Krochmal und S. J. Rapoport stand, andererseits, wo die Ahnen der Wahrheitssucher und anderer Heroen in den Dichtungen des Karl Emil Franzos zu Hause waren. Ber war ein Vorläufer der Maskilim. Er war Weinhändler von Fach, seine Lebensaufgabe war aber, das Judentum zu verteidigen. Man kann nur schwer entscheiden, ob das Judentum oder das Weingeschäft seine wichtigste Betätigung gewesen ist. Dieser polnische Jude, der in seiner Jugend eine gute jüdische Erziehung genossen, erlernte, die Sprache seines Heimatlandes, ferner deutsch und französisch. Er reiste öfters nach dem nördliehen Ungarn, worauf er häufig in seinen Memoiren zu sprechen kommt. Dieselben enthalten wertvolles Material über die innere Lage des sinkenden polnischen Königreichs, über die menschliche und unmenschliche Seite der Schlachzizen wie des Volkes, über die ökonomische Lage und gesellschaftlichen Zustände der Periode. R. Ber berichtet, daß sein Großvater im Jahre 1648, Während der Kosakenaufstände unter Chmielnicky aus Meseritz bei Bres.k- Litowsk entflohen ist und in Bolechow, am .Fuße , der Karpathen, eine!Zufluchtsstätte gefunden hat. Der Vater unseres Autors war damals etwa acht Jahre alt, er starb im Alter von 104 Jahren, im Jahre 1743. Der Vater beherrschte die polnische und ungarische Sprache und fungierte als Dolmetscher zwischen Franz Rakoczy II und dem Hjetman Adam Nicolaus Gieniawski. Ber hatte drei Brüder und eine Schwester. Der bedeutendste unter ihnen ist Arjeh Löb, der das Weingeschäft betrieb und auch im Gemeindeleben eine bedeutende Rolle spielte. Die Memoiren bestehen aus sechs Fragmenten. Meines Erachtens ist die Reihenfolge der Fragmente nicht richtig zusammengestellt. Fragment I ist richtig (hebr. pp. 24—28). Hier schließt sich Fragment III (hebr. pp. 38—56) an. Fragment I schließt nämlich mit der Ernennung des Fürsten oder Grafen Poniatowski zum Regimentar Generalni der polnischen Armee. Darauf paßt vorzüglich וכאשר כעשה רעגימכטאר יענעראלני usw. Nach Fragment III kommt gewiß Fragment VI (hebr. pp. 102—112). Allerdings muß man eine beträchtliche Lücke zwischen den zwei Fragmenten voraussetzen. Auf Fragment VI folgt dann Fragment II (pp. 29—37). Hierauf folgen Fragmente IV und V (pp. 56—78, pp. 78—101). Zwischen den einzelnen Fragmenten fehlen so viele Seiten, daß es; kein Wunder ist, wenn der Heraus•*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.