Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Nachtrag zu dem Aufsatz über W. Jerusalem (Jahrg. 68, S. 265 ff.) [Nachricht] / Müller, Ernst
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 113 (sequence 1)
- Language
- German
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113 Nachtrag zu dem Aufsatz über W. Jerusalem (Jahrg. 68, S. 265 ff.) Zu dem Aufsatz über Wilhelm Jerusalem habe ich nachzutragen, daß von der auf S. 267 Anm. 3 erwähnten Essaisammlung ״Gedanken und Denken■*6 Ende des Jahres 1924 aus dem Nachlasse eine ״Neue Folge‘6 erschienen ist, in der auch die Selbstbiographie, bezw. Selbstdarstellung der Philosophie Wilhelm Jerusalems sowie eine Bibliographie seiner sämtlichen Publikationen abgedruckt ist. Ferner hätte ich ein mir bis vor Kurzem unbekanntes pädagogisches Buch: ״Die Aufgaben des Lehrers an höheren Schulen“ zu erwähnen, das eine wesentliche Erweiterung der in Anm. 4 erwähnten Schrift bildet und in ausführlicher Weise die pädagogischen Anschauungen Jerusalems darstellt. _ Ernst Müller. Besprechungen Die Lehren des Judentums. Herausgegeben vom Verband der deutschen Juden, Band I—IV, Berlin, Schwetschke & Sohn, 1922—24. Neben die Darstellungen der jüdischen Glaubens- und Sitten: lehre tritt in dem vorliegenden Werk eine Anthologie. Sie behandelt ״das Judentum in seinem dogmatischen und ethischen Gehalt; das Zeremonialgesetz in seinen Einzelheiten liegt nicht im Bereiche dieser Darstellung“. Der erste Teil (200 Seiten) behandelt die Grundlagen der jüdischen Ethik in acht Kapiteln (Sittlichkeit als Grundforderung des Judentums, grundlegende. Sittlichkeits-Anschauungen, Reinheit der Seele, Willensfreiheit, Lohn und Strafe, Gleichheit aller Menschen, Wille zum Leben, Erkenntnis und Sittlichkeit); der zweite (327 Seiten) die sittlichen Pflichten des Einzelnen (Wahrhaftigkeit, Bescheidenheit und Dankbarkeit, Arbeit, geschlechtliche Sittlichkeit, Gerechtigkeit, Nächstenliebe, Pflichten des Familienkreises, Förderung des Gemeinwohls, Pflichten gegen das Tier); der dritte (256 Seiten) die sittliehen Pflichten der Gemeinschaft (der soziale Charakter des Judentums, Gleichheit aller׳, Recht und Rechtspflege, Familienrecht, öffentliche Wohlfahrt, Volksbildung, der soziale Sabbath, Menschlichkeit in der Kriegsführung, der ewige Friede); der vierte (184 Seiten) die Lehre von Gott (Inbegriff von Sittlichkeit, Liebe, Gerechtigkeit und Heiligkeit — Einheit — geistiges Wesen — Universalismus — Unmittelbarkeit des Verhältnisses Gottes zum Menschen — Verhältnis des Menschen zu Gott — Erwählung und Sonderaufgabe der jüdischen Gemeinschaft). Der fünfte, in Bearbeitung begriffene Teil, wird ״das Judentum unter den Religionen“ behandeln. Jedem Abschnitt geht eine Einleitung voraus,' welche die Grundgedanken zusammenfaßt, Meinungs- Verschiedenheiten innerhalb des Judentums unter Berücksichtigung des : Entwicklungsgedankens erörtert, gelegentlich auch über die Geschichte einer Einrichtung berichtet. Es folgen Zitate aus der Bibel, den Apokryphen, der jüdisch-hellenistischen Literatur, dem talmudischen Schrifttum, mittelalterliehen Schriftstellern, neuzeitlichen jüdischen Werken (sonderbarerweise ist der Einschnitt beim 16. Jahrhundert gemacht, sodaß Lipman Heller neben Geiger und Dubnow zu stehen kommt) und christlichen Gelehrten. Mehrere Register erleichtern das Nachschlagen. Das Werk ist im wesentlichen aus dem Archiv des Verbandes der deutschen Juden erwachsen, das nach Anregung des Rabbiners Josef Eschelbacher s. A., des Rabbiners Benno Jacob und des Rechtsanwalts Alfred Klee angelegt und unter Verwendung von Vor- Schlägen des Rabbiners I. Ziegler von Justizrat F. Makower im einzelnen ausgearbeitet wurde. Die Sammlung und Ordnung des Materials erfolgte unter Leitung von Simon Bernfeld, die Bearbeitung der einzelnen Teile, insbesondere die Abfassung der Einleitungen durch die Theologen Bäck, Bernfeld, Elbogen, Hochfeid s. A., Holzman, Löwenthal, Samuel, Wiener; an der Redaktion, waren außerdem die Herren Justizrat Makower und Rechtsanwalt Max J. Löwenthal beteiligt. Das Ergebnis der überaus mühevollen Arbeit von Theologen und Juristen der verschiedensten religiösen Anschauungen ist ein apologetisches Quellenwerk von größter Verwendbarkeit, — ein Werk, das vermöge seiner außerordentlichen Reichhaltigkeit und seiner äußerst bequemen An- Ordnung es auch dem mit dem jüdischen Schrifttum nicht Vertrauten ermöglicht, jedes irrige Vorurteil, das von antisemitischer Seite vorgebracht . Monatsschrift, 69. Jahrgang. 8