Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 68 (1924)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 261 (sequence 2)
- Language
- German
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261 Oeschichtslosigkeit willen seine eigene Zeit, sein geistliches Jahr lebt und außerhalb des Staates, der mit seinem Schwerte die Stunden der Weltgeschichte «einkerbt, eine wahre Ewigkeit der allzu weltlichen Schein-Ewigkeit entgegensetzt. S. Marek. Bficherschau. iBesprechungen, soweit nicht besonders gezeichnet, vom Herausgeber.) a. Ausgaben und Uebersetzungen. Nur als vorläufiger Hinweis stehe hier die — für jeden Kenner der liebräischen Literatur hocherfreuliche — Anzeige, daß die erste vollständige ,Ausgabe der Werke Nachman Krochmals mit ausführlicher Einleitung, Re- :gistern und Beigabe von Abbildungen, besorgt von S. Rawidowicz,. im Ajanoth-Verlag erschienen ist. Ausführliche Besprechung bleibt vor- Behalten. Die 4. Auflage der ,,Denkwürdigkeiten der Glücke! ־von Hameln“ in der bekannten Uebersetzung von Dr. A, Feilchent eld (Berlin 1923, Jüd. Verl., 8°, 334 S., geh. 5,00 M.) erscheint mit 25 Bild- Beilagen, ausgewählt und erläutert von Erich Toeplitz. Sie sollen ein Bild geben von rituellen Gebräuchen der Juden und von bekannten Persönlichkeiten jener Zeit*. Es werden Stiche aus Picart (Ceremonies et Coutumes etc.), Kirchner { Jüd. Ceremoniel, 1724), Bodenschatz, ferner von Kulk, Wagenaar, Eichler usw. .vorgeführt. Die von Herrn T. zu den Bildern gegebenen Texte lassen indessen vielfach die erwünscht erscheinende Vollständigkeit vermissen. Bei Oppen- Beim und Wertheimer vermisse ich Hinweise auf die von Feilchenfeld in Fuß- Boten gegebenen biographischen Erläuterungen. Bei Bild 1 war auf die in der ־Zeichnung köstlich wiedergegebenen Honoratioren, die, behaglich in ihrer! Bhrensitzen vor dem x41memor lehnen, zu verweisen. Ebenso in Bild 15 auf den (in meinem Synagogenwerk so« benannten) ,,Hochzeitsstein‘6, der in den "Hochzeitszeremonien eine bedeutsame Rolle spielt und sonst als Mauerschmuck unverständlich erscheint. Die vor geführten Stiche bieten viel Interessantes, ־z. T. Neues (Bild 25: Synagoge in der Heidereuterstraße, Bild 21: Grabsteine <der Großmutter und des ersten Gatten der Glückei usw.) und sind zweifellos als wertvolle und interessante Ergänzung des ausgezeichneten Werkes an- •Zusehen. Demgegenüber hätte es nicht Abbruch getan, wenn Herr T. angegeben Batte, daß er einen großen Teil des Bildstoffes dem Archiv der jüdischen Geaneinde Berlin verdankt. Dr. ing. Grotte, Franz Rosenzweig sucht unter dem Titel: ,,Sechzig Hymnen und Gedichte des Jehuda Halevi deutsch“ (Konstanz, Oskar Wölirle Verlag, 0, J., 175 S.) einige Perlen der religiösen Lyrik Jehudas — nicht etwa nachzudichten oder ,,einzudeutschen“, sondern, wie das ebenso geistvolle wie paradoxe ,,Nachwort“ betont, ,,das Deutsche umzufremden“, -also die' Eigenart des Originals gerade da, wo sie unserem Sprache mpfinden. am fernsten steht, besonders treu wiederzugeben. Daher sind Metrik, Initialen- und Reimtechnik der Urdichtungen durchweg übernommen. Und wo trotz- <lem, wie bei manchen kleineren Gedichten, dem Uebersetzer ausreichender Spielraum bleibt, machen sich die eigenartigen Vorzüge voll geltend, mit denen R. an seine schöne Aufgabe heran tritt: feinstes Empfinden für die — meist ׳epigrammatisch^ auf eine Pointe zudrängende — dichterische Form Jehudas und eine seltene sprachschöpferische Meisterschaft. Leider wird aber das Band der Technik dem Uebersetzer zur weit stärkeren Fessel als dem Dichter : man kann 23 mal auf הנני, aber nicht ohne schlimmste Gewaltsamkeiten auf ״hier bin ich“ reimen (R. Seite 39); gelegentlich kommt es dadurch zu falschen Uebersetzungen (S. 20 שרעף Gefieder). Und doch hat auch hier der Versuch •der Wiedergabe der TechnikfJehudas, die nur ganze Gedichte, keine ganz abgeschlossenen Strophen kennt, sein Recht: er läßt uns ahnen, wie wenig das Original und seine Reize durch gefällige Wiedergaben, die es sich und dem Leser leicht machen, zu erschöpfen ist. — In den Anmerkungen mischt sich die Ehrfurcht vor rätselhafter Schöne und religiösem Tiefsinn der Dichtungen mit fröhlichem Kampfgeiste zu leidenschaftlichem Einspruch gegen jeden Versuch, Form und Sinn der Dichtungen Jehudas mit philiströser Leicht-