Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 67 (1923)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension] / Feuchtwang, David
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 149 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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•.149׳ :־ י -.,.'";״■י . Das Aresen des Antisemitismus von Heinrich Graf Condenhove-Kalergi Dr. jur, et phil. Leipzig 1923. Der neue Geist-Verlag. . v’ Dieses Buch erschien in erster Auflage im Jahre 1901. Nunmehr hielt der Sohn des Verfassers, ein feinsinniger Philosoph, den Zeitpunkt für gekommen, es in verkleinerter Ausgabe zu edieren. Die hochgehenden Wogen des Juden״ hasses in der Gegenwart veranlaßten ihn dazu. Die Kapitel ,,Blutanklage“ und ,,Anklage gegen den Talmud“ sind in der Neuauflage gestrichen. In’ sechs Kapiteln behandelt der Verfasser folgende Probleme: Semitentum, semitische und jüdische Rasse; Antijudaismus im Altertum; Geschichte des christlichen Antisemitismus; Juden in nicht christlichen Ländern; Anklagen gegen die Juden; Antisemitismus im allgemeinen, Judenemanzipation, Judennot, Zionismus. Wir haben es nicht mit einer dilettantischen, sondern ernsten, wissenschaftlichen Arbeit zu tun, die auf Quellen ruht, aus welchen der sehr geschickte Verfasser schöpft. Er sucht zu erweisen, daß aller Judenhaß auf religiöse ״Beweggründe zurückzuführen ist, zu welchen im Laufe der Jahrhunderte wirtschaftliche Ursachen und Rassenhaß hinzukamen. Er ist von reinstem Wahrheitsdränge erfüllt und wirft dem antiken Jüdentume, als dem Vertreter des unbedingten Monotheismus, Intoleranz gegenüber allen anderen Religionen vor. (Es würde zu weit führen, seinen Irrtum in dieser Richtung zu erweisen.) Seine gewaltigen Kenntnisse — er beherrscht 16 Sprachen und hat fast die ganze Welt bereist — befähigten ihn zu außerordentlicher Quellenkunde. Das Resultat seines Buches ist absolute Verurteilung jeder Art von Judenhaß. Gondenhove, der Sohn, versieht seines Vaters Buch mit Vorwort und Nachwort, die den Stempel der wundervollen Klarheit und Präzision tragen, welche dessen philosophische Schriften auszeichnen. ,,Antisemitismus gründet sich nicht auf ein Urteil, sondern auf ein Vor-Urteil; nicht auf Erkenntnisse, sondern auf Instinkte“; er beruht also ,,auf einem künstlichen, nicht auf einem natürlichen Instinkte; er ist erworben — nicht angeboren.“ Das religiöse Vorurteil ist hier primär, die Antipathie sekundär, das Rasse Vorurteil tertiär. ״Durch Suggestion und Verhetzung hat sich der Antisemitismus fast zu einer Massenpsychose entwickelt.“ D. Feuchtwang. Bücherschau. (Besprechungen, soweit nicht besonders gezeichnet, vom Herausgeber.) 1• Ausgaben und Uebemtzungen. Die Ethik des Judentums. Auszüge aus dem ״Buche der Frommen“ ספד החסידים des R. Jehuda hechassid. Zusammengestellt und übersetzt von Prof.-Dr. A. Sulzbaeh, Frankfurt, Sänger u. Friedberg, 86 S., geb. 2 Mark. Nach einer kurzen Einleitung wird ein großer Teil der in der Frankfurter Ausgabe von 124ל enthaltenen Sprüche in selbstgewählter Reihenfolge, unter Kapitelüberschriften zusammengefaßt,• dargeboten und ■gelegentlieh durch knappe, auf die Zeitverhältnisse hinweisende Anmerkungen erläutert; die Nummern der Frankfurter Ausgabe sind beigefügt. So verdienstlieh die Arbeit des greisen, um unsere Wissenschaft hochverdienten Gelehrten ist, so wird doch mancher bedauern, daß ־die neue Ausgabe von Wistinetzky (Berlin 1891) nicht gleichfalls-berücksichtigt wurde. Man denke nur an den — in den älteren Ausgaben m. W. nicht enthaltenen, daher bei Sulzbach und bei Zunz Zunz-Elbogen, Sittenlehrer, 1921, fehlenden ~ Spruch 1454: ״Ueber alle Völker wird Gott richten, weil sie das Gebot ,Liebe deinen Nächsten wie dich selbst6 übertreten haben; denn so heißt es: ,Weil die (die Moabiter) die Gebeine des Königs von Edom verbrannt haben (Am 21)t.“ Die Schlichtheit, mit der hier ein Nichtphilosoph (gleichviel ob Jehuda selbst oder ein Gleichgesinnter) den Universalismus der Nächstenliebe als selbstverständlich anerkennt, könnte manchen Fachphilosophen beschämen — von Phantastereien der Neueren (s. u, zu Langer, Erotik der Kabbala) ganz zu schweigen. Der Verlag Ajanoth fügt seiner Ausgabe der Erzählungen des R. Nachmail (MGWJ 1922, 245) ein stattliches, vorzüglich ausgestattetes Bändchen (212 S.) תיירת ר׳ כחם ן סברצלב ושיחותיו (mit Buchschmuck von S. Rubin) hinzu׳. Horodetzkys kurze Einleitung charakterisiert den Meister und auch R. Nathan, der dessen Aussprüche aus dem ״Aschkenasischen“ ins Hebräische