Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 67 (1923)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 147 (sequence 2)
- Language
- German
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147; und dieser so erst das Gefühl der Individualität und des eigenen Rechtes gewährt. Es ist höchst reizvoll zu sehen, wie an der Gestalt des vorgeführten Denkers, aber tatsächlich wohl mit der Absicht, das Problem Ghazali als interessantes Beispiel zu benutzen, der Weg der Beseelung der Religion dargestellt wird. Aber gerade dieser zweite Teil verschärft ein Bedenken, das schon im ersten auf tauchen mußte. Wir meinen die außerordentliche Unbestimmtheit des Begriffes oder vielmehr Wortes ״Subjektivismus‘‘. Dort konnte dieses Entgleitende durch ״Individualismus“, ״Phänomenalismus“, ״Idealismus“ usw. umgrenzt werden. Hier ist diese Schwierigkeit weit bedenklicher. Wir betrachten etwa die zentralen Darlegungen über den Gottesglauben. Man mag zugeben, daß die Lehre des Monotheismus in einem Gefühlsmoment gipfelt, das als solches individualistischen und nicht mehr allgemein menschlichen Charakters ist. Wenn aber dieses Erlebnis nichts anderes bedeuten soll als die vertiefte, ins Gemüt eingedrungene, deutlich und hell aufgegangene Erkenntnis (S. 219), dann ist das, auch wenn diese Erkenntnis intensiver Art ist,, nichts weniger als bloß von subjektiver Geltung. Denn der Glaube, den O. im Sinne Ghazalis für die spezifisch religiöse Funktion einsetzt, ist im Sinne des Gläubigen so objektiv, so allgemein gültig, wie nur ein Naturgesetz^ für das Bewußtsein der Wissenschaft; und O., der davon spricht, daß beim Glauben zur Gewißheit unserer Vernunft jene Stärke und Festigkeit des Gemüts hinzukommen, kann hier unter Subjektivismus nichts anderes verstehen, als die tief innerlich fortwirkende Gewißheit, die aber an sich objektive Gewißheit von einem außer uns Seienden bleibt. Wir meinen also, daß bei einer genaueren Sonderung der verschiedenen unter dem Sammelwort ,,Subjektivismus“ zusammenfließenden Kategorien manches Mißverständnis ־ beseitigen möchte, welches die reine Freude an diesem außerordentlich lehrreichen und fruchtbaren Werke trübt. x Stettin. * Max Wiener. Karl Hoffmann: Ursprung una Am angst ätigkeit des ersten päpstlichen Missionsinstituts. Missionswissenschaftliche Abhandlungen und Texte. Hgg. von Prof. Dr. J. Schmidlin. Verlag der Aschendorff sehen Verlagsbuchhandlung, Münster in Westfalen. 1923. N Auf Grund von noch im wesentlichen unveröffentlichten Materials stellt Hoffmann die Geschichte der Judenmission in Rom im 16. Jahrhundert dar. Der Verfasser ist katholischer Ordensbruder, und aus dieser Stellung erklärt sich natürlich sein Verhalten zu den behandelten Problemen. Wir wissen, daß die Judenmission eine ungeheure Fülle von Leid über die römische Judenheit gebracht hat, daß man in rücksichtslosester Weise die Menschen aus dem Ghetto herausholte, um sie in dem Kloster der Täuflinge unterzubringen. Man zwang ferner die Juden Missionspredigten beizuwohnen, und sogar die pekuniären Mittel für ihre Bekehrung mußten sie zum größten Teil selbst aufbringen. Alle diese Dinge werden übrigens von dem Verfasser auch erwähnt, aber wenn er wohl hier und da andeutet, daß die Mittel ein wenig gewaltsam waren, so freut er sich natürlicherweise über jede Seele, die dem Christentum zugeführt wurde. Er weist ferner darauf hin, daß sehr viele von denen, die sich der Missionstätigkeit zugänglich zeigten, gerade zu den schlechtesten Elementen gehörten, die sich aus ihrer Taufe ein Geschäft machten. Er muß am Schluß des Buches zugeben, daß sich im Jahresdurchschnitt nur 30 Taufen ergaben, wobei noch ein Prozentsatz für übergetretene Mohammedaner abzuziehen ist. — Der Wert des Buches liegt für uns vor allem darin, daß es uns neue Einblicke in das Leben der römischen Juden tun läßt und daß es vor allem in seinem ausgezeichneten Anmerkungsap parat auf Quellen hinweist, die wohl noch kaum der wissenschaftlichen Forschung erschlossen wurden, da es sich ja hier meist um vatikanische Archivalien handelt. So werden hebräische Lieder erwähnt, die zum Christentum bekehrte Juden zum Preise des neuen Glaubens verfaßt hatten. Die methodische Schulung des Verfassers ist ganz ausgezeichnet, die Arbeit ist, abgesehen von der im Anfang geschilderten Tendenz, ־wissenschaftlich unbedingt zuverlässig und für jede weitere Untersuchung über die römischen Juden des 16. Jahrhunderts grundlegend. — v Breslau. Willy Cohn. 10*