Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 67 (1923)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 145 (sequence 2)
- Language
- German
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145 ein Gestell, das zur Stütze der Brote diente, und man hat keinen Grund, davon abzuweichen. Bemerkt sei noch, daß B. (S. 32) den Becher des Heils (Ps 11613) mit Unrecht als kultische Aeußerung ansieht; es ist ein Teil des Festmahles der aus Gefahr Geretteten und hat in diesem späten Texte gewiß nur privaten Ctfarakter. Nur schwer ringt sich bei B. der Gedanke durch, daß Aeußerungen, wie: der Wein erfreut Götter und Menschen (Ri 913; s. B. Seite 53), oder, daß die Opfergabe oft ,,Brot“ der Gottheit genannt wird, nur bildlichen Sinn haben und keineswegs besagen, der Hebräer habe geglaubt, Gott esse oder trinke die Opfergabe. Schließlich kommt B. (S. 55) selbst zu der Erkenntnis, daß, im Gegenteil, der Ausdruck אשה Feueropfer und Aehnliches eine ungemeine Verfeinerung der Opferidee bedeute, wie er denn jeden Mythos bei den Hebräern ablehnt (S. 45 f.) und den einfachen Sinn der h. Schrift in Schutz nimmt gegen alle, die in dieselbe fremde Gedanken (z. B. daß Noe ein Erlöser-Dionysos war) hineintragen wollen. So kann man sich mit dem Gedänkengang des Buches im großen und ganzen einverstanden erklären; die vergleichende Religionsgeschichte macht es klar, daß sich in der Opferidee bezw. dem Opferzweck Berührungspunkte der Religion Israels und der übrigen Religionen zeigen (S. 47), daß aber die Religion Israels in all diesen Dingen ungleich höher stand als alle gleichzeitigen und selbst nachher bekannt gewordenen Religionen. Dies der hohe Sinn der ,,Offenbarung“, von der man in Israel sprach und deren Wesen auch B. nicht verkennt. Speziell das ״Trankopfer“ erscheint nach B. nirgends als Trank Gottes; es war immer nur eine Zutat zu den blutigen Opfern. Er meint, es habe in Israel eine Opposition gegen den Weingenuß bestanden; erst im Dienste des zweiten Tempels sei der Wein zum festgefügten Opferritus geworden. Busse ist in die Sache tief eingedrungen, und seine Schrift verdient volle Beachtung. Wien. Samuel Krauss. Spanier, Br. M. (Seminardirektor i. R. in Berlin), Psalmen. Eine Einführung. Berlin, C. A. Schwetschke & Sohn, 1922, 86 S. Sp. versucht, zwölf der bekanntesten.Psalmen als religiöse Kunstwerke zu erfassen -־— also jüdischen Lesern das zu bieten, was Gunkel, Stärk und Kittel für Protestanten geleistet haben. Während aber die genannten Forscher das A. T. nur als Vorstufe oder Folie des Neuen sehen können und durch beständige Seitenblicke und kritische Betrachtungen (im Gegensatz zu Herder!) die Einfühlung stören, sucht Sp. die biblische Lyrik lediglich aus sich seihst und anderen Dokumenten •altjüdischer Frömmigkeit zu verstehen. In Fragen der höheren und Textkritik stark von der protestantischen Kathedertheologie abhängig, ihre abfälligen Werturteile dagegen oft zurückweisend, übertrifft Sp. seine Vorgänger vielfach an Fähigkeit der Einfühlung in die sprachlichen, namentlieh aber die rhythmischen Reize der Bibelsprache; überdies befähigt ihn eine verdienstliche — praktische und schriftstellerische — Tätigkeit auf dem Gebiete der Kunstpädagogik, Reize, die der naive Leser höchstens dunkel empfindet, deutlich zum Bewußtsein zu bringen. Ob es letzte Reize sind, die sich einem an moderner Lyrik geschulten Geschmack erschließen, möchten wir bei einem Büchlein, das sich als Einführung gibt, nicht fragen. Unsere Jugend, die Dürer, Bach und Goethe würdigt, aber an der Schönheit der Bibel, oft —־ trotz allen guten Willens .zum Judentum — achtlos und verständnislos vorübergeht, bedarf gerade eines solchen Büchleins, das sie ״durch das Morgentor des Schönen in der Erkenntnis Land“, durch eine vorwiegend ästhetische Würdigung zur vollen Erkenntnis des Wertes der Psalmen führt. Ihr und ihren Führern sei das mit lobenswertem Geschmack ausgestattete Büchlein warm empfohlen. _ I. Heinemann. Der siebenarmige Leuchter des alten Bundes, seine Geschichte und Symbolik. Von Dr.-Ing. Julius Haase, München 1922, 8°, 32 S. Ein Sonderabdruck aus den ״Lotus-Blättern“ liegt uns vor, die im Asokthehu-Verlag in München erscheinen und Aufsätzen über Okkultismus, Astrologie, Symbolik, Kabbalah usw. ihre Spalten widmen. H. verwirft mit Recht die einzige, uns aus der Innenlaibung des Titusbogens überlieferte Form, weil zweifellos mehr dem ornamentalen Empfinden des römischen Künstlers angepaßt, als dem in den heiligen. Büchern geschriebenen Urbild Monatsschrift, 67. Jahrgang. 10