Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 67 (1923)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Urkundliche Beiträge zum Reuchlinschen Streit
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 122 (sequence 13)
- Language
- German
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VIII. 1521, August 9. Stadt Köln an Franz von Sickingen. Briefbuch 51, f. 70b 21. Dem vesten und fromen Francisco van Sickingen, unnserm besundern gudem frande. Veste und frome besunder gutter frundt. Uwer liebden schryven in gunst und furderniss des werdigen boichgelierten herrn Johan Ruchlin, beider rechten doctor, der u als derselbiger geliebten und vertrautem frunde an uns gegen unserem ingesessen Johan Pefferkorn, gedeufftem judden, gedain haben wyr sampt dem buchlin, so durch itz gemelten Pefferkorn gemacht2, untfangen und sulchs alles nach unserm verless dem selbigen Pefferkorn. vur doin halden und diese hier ingelachte antwort van yem erlangt3, und so dan bemelter Pefferkorn sich in obbemelter inverslossen antwort so hoige alles rechten erbuyt, kunen noch moigen denselbigen nyet wail dairoever myt reden wyters besweren, dan uren lieffden sunst gunst und gutgefallen zu erzeugen sullen uns alle zyt geneigt fynden dieselbige ure lieffden, die unser herre got lange zyt frolich gefrist. Datum nona augusti anno etc. XXI. 1 Verz. Mitt. H. 36/37, S. 373; vgl. Ennen, Geschichte der Stadt Köln IV, S. 163. 2 Gemeint ist ,,Eyn mitleydliche claeg“, s. oben. 3 Ist nicht mehr vorhanden. IX. Aus dem Verbrecherbuch 1510—1522, Hs. G. 204 sub S.1 1521, Oktober 4. Servais boichdrucker ist zo torn heischen ghain, darumb dat derselve Johann Pefferkorns smeheboechere gegen herrn Johann Roechlin buyssen erleyffniss unser herrn vanme raide gedruckt und derhalven ouch eyn zeit lang tornlich unthalden idoch verdragen, das man denselven uff gewoen- liehen urfreden sulchs gefenkniss erlaissen sulle. 1 Gedruckt in Mitt. H. 36/37, S. 374; vgl. Ennen, Geschichte der Stadt Köln IV, S. 163. Bürge und Bürgschaf t nach talmudischem Recht. Von Dr. Armin Abel es in Wien. I. Terminologie. Pie Terminologie des biblischen Bürgschaftsrechts — das ist das wichtigste Ergebnis unserer bisherigen Untersuchung — weist auf eine persönliche Unterwerfung des Bürgen unter die Macht des Gläubigers hin. Der Formalismus des altisraelitischen Verbürgungsaktes ist gleich dem des altgriechischen, germanischen und babylonischen durch den Handritus charakteri- \siert, der nur der leiblichen Haftung des Bürgen angepaßt gedacht werden kann. Mag der Handritus im Verlauf der Zeiten auch weggefallen sein, der Charakter der biblischen Bürgschaft hat dadurch keine wesentliche Aenderung erfahren, sie ist und bleibt; Geisels c h a f t; Geiselschaft vor allem in dem Sinne, daß der altisraelitische Bürge nicht eine Schuld, sondern lediglich eine. Haftung verspricht, für die er im Haftungsfalle — in ältester Zeit schon bei der Haftungsbegründung — mit seiner eigenen Person und später mit seinem Vermögen der Gewalt des Gläubigers verfallen ist. Nicht so günstig ist der terminologische Befund in der talmudischen Literatur. Es ist bereits in diesem Zusammenhang er-