Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 66 (1922)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Protokoll der Versammlung zur Feier des 20jährigen Jubiläums der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums am 2. November 1922 [Nachricht] / Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 324 (sequence 1)
- Language
- German
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Protokoll der Versammlung zur Feier des 20 jährigen ״ Jubiläums der Gesellschalt zur Förderung der Wissenschaft des Judentums am 2. November 1922, abends 8 Uhr in der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, Berlin N., Artilleriestraße 14. Professor Sobernheim eröffnet die Sitzung um 8% Uhr. Er begrüßt die Anwesenden und dankt ihnen für ihr so zahlreiches Erscheinen. Er gedachte zuerst der Verdienste der Gründer der Gesellschaft, die sich die Aulgäbe gestellt hatten, die Wissenschaft des ־ Judentums durch wissenschaftliche Veröffentlichungen, durch Gewährung von Jahresstipendien an jüdische Gelehrte und durch Schaffung und Unterstützung von Lehrstühlen an jüdischen wissenschaftlichen Lehranstalten zu fördern. Es sind von ihnen noch am Leben die Herren: Professor Baneth-Berlin, Rabbiner Professor Dr. Bloch- Berlin, Oberkirchenrat Dr. Kroner-Stuttgart, Rabbiner Dr. Lucas-Glogau, Geh. Oberregierungsrat Dr. Mayer-Karlsruhe, Professor Dr. Schwarz-Wien, Professor D. Simonsen-Kopenhagen, Rabbiner Dr. Weisse-Beriin. Leider ist niemand von ihnen anwesend. Von den Berliner Herren ist Herr Professor Baneth durch Krankheit, Herr Rabbiner Dr. Weisse infolge einer Reise verhindert. Zu Ehren der verstorbenen Gründer erheben sich die Anwesenden von den Plätzen. Der erste Vorsitzende nach der Gründung der Gesellschaft war Professor Dr. Martin Philippson. Er erwies sich als echter Sohn seines Vaters und war der geborene Führer unserer wissenschaftlichen Bestrebungen; er war hierzu nicht bloß durch eine seltene Fülle geistiger Gaben befähigt, sondern ebenso berufen durch die Lauterkeit und Sachlichkeit seiner Gesinnung, durch Vornehmheit und Hoheit seiner Denkungsart, wie nicht minder durch eine sich durchsetzende Energie. Für uns vielleicht das wichtigste Unternehmen, das unter seiner Leitung beschlossen wurde, und das ihm sehr am Herzen lag, war der .,Grundriß der Gesamtwissenschaft des Judentums“. Die ,,Neueste Geschichte des Jüdischen Volkes“, die in 3 Bänden erschienen ist, hat er dafür geschrieben. Der erste Band dieses Werkes war vollkommen vergriffen und ist jetzt von Herrn Rabbiner Dr. Rieger-Braunschweig in neuer Bearbeitung erschienen. , \ Nach seinem Tode übernahm Rabbiner Professor Dr. Guttmann-Breslau den ersten Vorsitz, dessen Stellvertretung er seit der Gründung der Gesellschaft innehatte. Seiner opferfreudigen, unermüdlichen, schöpferischen und geistvollen Tätigkeit ist ihr innerer Aufschwung und damit auch ihr äußerer Erfolg zu danken. Nach seinem Tode, in schwierigen Zeiten, übernahm Professor Sobernheim den Vorsitz. Er ergreift gern die Gelegenheit, um seinen Mit- Arbeitern auf wissenschaftlichem Gebiete, dem greisen Vizepräsidenten Bloch^ sowie den Herren Baeck, Elbogen, Guttmann, Heinemann, Mittwoch, Rabin,. Porges und Winter herzlich für ihre Hilfe zu danken: Neben der wissenschaftlichen Tätigkeit gehöre zur wirksamen Leitung* eines Vereins in heutiger Zeit in größerem Umfange als früher Geschäftstüchtigkeit. Nur durch den bewährten Rat und die hingebende Mitarbeit des Vorstandsmitgliedes Karger, sowie die Umsicht des Verlegers der Gesellschaft, Herrn Dr. Felix Kauffmann in Frankfurt a. M., und die hingehende Arbeit der Sekretärin der Gesellschaft, Fräulein Nathan, ist es möglich, die Gesellschaft weiter zu erhalten und zu fruchtbringender Arbeit zu bringen. Er dankt sodann denjenigen, die der Gesellschaft aus Anlaß ihres Juhiläums Unterstützung gewährten: Der Auerbach-Loge, Berlin, den Herren Max Böhm-Berlin, Henry Rothschild-Frankfurt a. M., Direktor Sobernheim- Berlin, Otto mar E. Strauß-Köln a. Rh. Außerdem wurden ihr noch von verschiedenen Seiten Beihilfen zugesagt. An die einführende Rede des Vorsitzenden schloß sich ein mit großem Beifall aufgenommener Vortrag von Herrn Rabbiner Dr. Baeck über ״Die Wissenschaft vom Judentum“, der demnächst in der MGWJ. abgedruckt werden wird. Der Vorsitzende dankte Herrn Dr. Baeck für seine außerordentlich anregenden und gehaltvollen Ausführungen und schließt die Festsitzung um 10 Uhr. _ gez. Sobernheim.