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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1922-01-01 · Heft 4 · p. Seite 317

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
66 (1922)
Issue
Heft 4
Article
[Rezension]
Date
1922-01-01
Page
Seite 317 (sequence 2)
Language
German
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317 auf ein älteres. Gesetzbuch/das gerade damals bei Gelegenheit der Tempelrenovation entdeckt worden sei. Von frommem Betrug ist hier keine Rede, sondern von dem tatsächlichen Fund dieses seit BO Jahren versteckt gebliebenen Gesetzbuches, das während der halbhundertjährigen Regierung Manasses und anderer götzendienerischen Könige nicht zur Anwendung gekommen, von dem aber nicht jede Spur der Erinnerung in interessierten Kreisen, z. B. beim Priester Hilkia, verweht gewesen. Eine ins einzelne gehende Kritik dieser Hypothese K.s müssen wir uns versagen. In einem hat er unzweifelhaft Recht: die in der üblichen kritischen Ansicht dem Hilkia und der Prophetin HuLda zur Last gelegte Mystifizierung Josias, welche voraussetzt, daß die beiden und ihre Freunde in gläubigster Hingebung an den göttlichen Gesetzgeber und um dieser willen eine schwere Fälschung verübt, ist nicht übermäßig wahrscheinlich. Und umgekehrt, wenn — wie gar nicht zu bezweifeln — Hiskia wirklich mit der Reform begonnen hat, welche das Deuteronomium fordert, was in aller Welt soll diesen frommen König hierzu bewogen haben, wenn nicht die Wirksamkeit der kultisch religiösen Forderungen, die tatsächlich vom Deuteronomium erhoben werden? — Daß dieses freilich gerade zur Zeit Hiskias abgefaßt sei, erscheint nicht als bewiesen, sondern nur, daß zu seiner Zeit, etwa ein Jahrhundert vor Josia, solche Forderungen schon bekannt waren. Sie können aber längst vor dieser Zeit geltend gemacht worden sein. Jedenfalls hat K. das Verdienst, ein ,,feststehendes“ Fundament der Wissenschaft schwankend und für eine erneute Untersuchung reif gemacht zu haben. — Für die Literarkritik kommt im Deuteronomium bekanntlich der häufige Wechsel von Singular und Plural in der Anrede in Betracht. Mit vollem Recht wird der Versuch zurückgewiesen, singularische und pluralische Paralleltexte auszusondern. Wir wissen jetzt, daß anscheinend unmotiviertes Uebergehen von dem einen Numerus zum andern sich auch in assyrischen Texten findet; und'die eigentümliche, ermahnende, häufig predigtartige Gestalt der deuteronomischen Rede drängt geradezu auf ein solches Schwanken. K.s Entscheidung in diesem Punkte entspricht der von ihm überhaupt geübten Vorsicht in Konjekturen. Diese bestärkt ihn auch in der Annahme, daß der vorliegende massoretische Text allen Uebersetzungen vorzuziehen ist. — In der Auslegung und psychologischen Motivierung der deuteronomischen Gese tze herrscht das Bestreben, sie möglichst aus der mit ihnen vorausgesetzten Höhe des sittlichen Standpunktes, weniger aus Beweggründen der Dämonenfureht und ähnlichem zu erklären; vgl.׳ besonders die Bemerkungen zu der Befreiung von der Kriegsdienstpflicht (Deuteronomium 20). In der Uebersetzung sucht K. äußerste Genauigkeit zu erreichen. Durch sie wird man für manche dabei unterlaufende Pedanterie entschädigt, die sieh besonders in den poetischen Stücken geltend macht. Daß den sprachlichen und grammatischen Problemen mit tiefer Gründlichkeit nachgegangen wird, ist bei diesem Autor selbstverständlich. Max Wiener-Stettin. ß. Kittel, Die Psalmen übers, u. erkl. von (Komm. z. A. T. brsg. v. E. Sellin, Bd. XIII) Deichert, Lpzg. 1922, 3. u. 4. Aufl. Ein Kommentarwerk über die Psalmen regt in noch höherem Maße als die Erklärung eines anderen biblischen Buches die Fragen nach dem Charakter der theologischen Wissenschaft an; denn an den Psalmen entzündet sich heute wie einst die andächtige Stimmung von Jude und Christ; und wo das eigene Leben mit seinen prinzipiellen Einstellungen und Wertsetzungen vorherrscht,

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