Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 66 (1922)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 316 (sequence 2)
- Language
- German
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bleibt, mögen sie hyperkritisch zerstören oder retten wollen. Ein solches subjektives Sentiment ist die Begründung der Geschichtlichkeit des Joseph: der Erzähler würde einen solchen Schatz von Phantasie nicht auf diese noch dazu in fremdem Kulturkreise wirkende Gestalt verschwendet haben, wenn in ihr nicht historische Ueberlieferung zu Worte käme. Indem Pr. sich von allen mythologisierenden Extravaganzen ferne hält, gewinnt er Muße für eine feine Würdigung des religiösen und ethischen Charakters der Genesisgeschichten. Dazu wäre mancherlei Zusagen. Ob es korrekt ist, dem Erzähler von Gen 882! wegen des ׳??ליו? — ,,von Natur“, die Anschauung von der Erbsünde, als ,,bereits voll empfundenen Begriffs, der sich nicht hinweg beweisen läßt“ beizulegen, möchte man bezweifeln, da ,,Erbsünde“ in eigentlicher Bedeutung nun einmal einen Sinn erst von der paulinisehen Theologie an hat und von der durch diese vorausgesetzten metaphysischen Sündhaftigkeit hier wahrlich nicht die Rede sein kann. Damit hängt die Auffassung von Gen 1816 ff. zusammen (Abraham betet für die Sünder von Sodom); daß in diesem Stück die Anschauung stecken soll, Gesamtschuld mache auch den Unschuldigen schuldig und reiße ihn ins Verderben, wie umgekehrt die Frömmigkeit des Einzelnen das Ganze retten kann, vermag ich nicht einzusehen. Es bewegen sich hinter dieser Erzählung keine dogmatisch metaphysischen Geheimnisse, sondern die simple Auffassung, daß die Leute von Sodom samt und sonders Frevler sind. —- Am.vollkommensten erfüllt Pr. die erste und wichtigste Aufgäbe eines Kommentators, die Wort־ und Sinnerklärung des Einzelnen. Was er unter Heranziehung der verwandten Sprachen für ein tiefer dringendes Verständnis des Hebräischen leistet, sichert seinem W'erk in. der Reihe ähnlicher Arbeiten einen hervorragenden Platz. Dazu ist auch das Eingehen auf die Rhythmik und ihre Verwendung in der Genesis zu rechnen, deren Ausnutzung für die Textkritik aber bedenklich bleibt. Max Wiener-Stettin. Eduard Könige Das Deuteronomium, eingeleitet, übersetzt und erklärt. (Kommentar z. A. T., hrsg. von E. Sellin, Band III) Lpzg. A. Deichert, 1917. König wandelt, wie auch sonst in seiner Pentateuch-Auffassung, in diesem Buche eigene Wege. Besonders tritt das in der wichtigsten der Einleitungsfragen, in derjenigen nach Art und Zeit der Entstehung des Deuteronoimums, zutage. Daß das Deuteronomium, bezw. sein ursprünglicher Bestand, zur Zeit des Königs Josia gelegentlich einer Tempelrenovation ״aufgefunden“, will sagen, von prophetisch gesinnten Priestern unterschoben, als altes Gesetzbuch ausgegeben und einer von der Prophetenpartei erstrebten Kultusreform zu Grunde gelegt worden sei, dieser zumeist als ״gesichertstes“ Ergebnis kribischer Bibelforschung liingenommenen Hypothese stellt K. eine andre entgegen: das Ur-Deuteronomium ist in der Nähe des Jahres 700 entstanden, zur Zeit Hiskias, wo zum erstenmal eine ernsthafte Kultusreform und zwar in Richtung auf die Zentralisation des Opferdienstes angestrebt worden sei; Diese aber fesselt offenbar das Hauptinteresse des Deuteronomikers. Sehen wir sie :praktisch von Hiskia verwirklicht, der zuerst den Höhenkultus abgestellt hat, so spreche alles dafür, daß das Deuteronomium die Theorie zu jener Praxis ist. Entstanden sei es im Kreise der jerusalemischen Priesterschaft. Es den unbedingten Anhängern der Propheten zuzuschreiben, verbiete sich aus dem Widerspruch, der zwischen der prophetischen Verwerfung des Opfers und dem deuteronomischen Gesetz bestehe. Was aber in II Kg 22a mitgeteilt wird, daß ״das Buch des Gesetzes“ von Hilkia gefunden sei, das beziehe sich wirklich