Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 66 (1922)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 242 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2829132-2829909-2829913-2831478--44988-2831576- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
242■ höher ist der glückliche Umstand einzuschätzen, daß die unter der Erde befindliche Mikweh diesem Schicksal entgi ng. Eine geradlinige Treppe, teils unüberdac-ht, teils in einem tonnengewölbten Raum untergebracht, führt4 uns in den quadratischen An- und Auskleideraum, in dessen 4 Ecken reich skulptierte Säulen eim Kreuzgewölbe stützen. Eine apsidenartige Nische dient der Reinigung vor dem Tauchbade. Dieses liegt mit seiner Sohle 7 m unter Gelände am Fuße eines innen 10% m hohen Turmes, dessen Kreuzgewölbe oben eine große Oeffnung für Licht (und wahrscheinlich auch Regenwasser) besitzt. Der mittlere Grundwasserstand ist —9,50. so daß (ebenso wie in Andernach) bei tiefem Wasserstand des Rheins wohl zeitweise recht wTenig Wasser vorhanden war. Die Belichtung des Treppen vorraumes (zugleich Warteraum) sowie des Auskleideraumes erfolgt durch kleine Fenster, die nur wenig das Gelände überragen und noch 1885 zugeschüttet waren. Bemerkenswert ist die Uebereinstimmung der Kunstformen mit den Ornamenten am Querbau des Domes, so daß Hildenbrand m. E. mit Recht als Erbauungsdatum die Zeit um 1100 festsetzt, also die Erstellung in die Zeit der judenfreundlichen Kirchenfürsten fällt. Die Anlage ist formal zwar weit hinter der jüngeren in Friedberg stehend, gleichwohl aber architektonisch mustergültig und jüdisch-kulturell ungewohnlich wertvoll. Hildenbrand nimmt die Benutzung bis 1534 an, Weisstein hingegen das verhängnisvolle Jahr des ״schwarzen Todes“ (1349). So verdienstvoll die Arbeit Hildenbrands sein mag, indem sie in volkstümlicher Weise die Allgemeinheit auf den Kunsttrieb der Juden des Mittelalters hin weist und damit eine Lanze bricht gegen das Vorurteil absoluter Kunstfeindlichkeit der Juden (vgl. Gurlitt!) — ihr Wert als Forschung ist angesichts der viel älteren Arbeit Weissteins kein großer. Auch textlich vermag sie weder den Architekten noch Kunsthistoriker zu befriedigen; es scheint, daß der Verfasser auf technischem Gebiete Laie ist, denn Worte wie ״Laibung“ bzw. ״Rundstab“ (statt ״Pfühl“) würden die Erklärungen der Architekturteile recht erleichtern. Die Verbreitung des Werkes in jüdischen Kreisen, deren Indifferentismus gegenüber den Kunstleistungen ihrer Vorfahren tief betrüblich ist, scheint durchaus erwünscht. Prof. Dr.-Ing. Grotte. Zur Geschichte der Medizin bei den Juden. 1. Die jüdischen Aerzte im Mittelalter. Ein Beitrag zur Kulturgeschichte des Mittelalters von Dr. J. M ü n z , 1922 J. Kauffmann Verlag, Frankfurt a. M. Das vorliegende Buch bildet eine teilweise umgearbeitete und bedeutend erweiterte Neuausgabe der im Jahre 1887 erschienenen Schrift desselben Verfassers: ״Ueber die jüdischen Aerzte im Mittelalter.“ Daß die Juden in Zeiten des größten Druckes und der grausamsten Verfolgung die medizinische Wissenschaft gepflegt und weitervermittelt haben, daß sie inmitten einer Kulturöde nicht nur tüchtige Praktiker, sondern sogar philosophisch denkende und forschende Aerzte unter sich zählten, wird immer ihr Ruhmestitel bleiben. Verfasser gibt eine gute Uebersicht über die jüdischen Aerzte in den einzelnen Ländern, über ihre Hauptleistungen und bespricht auch die sozialen Verhältnisse, die Standesethik, die Beziehungen freundlicher wie feindlicher Art zur christlichen bezw. islamischen Umwelt. Die beigefügten Anmerkungen beweisen die fleißige Benützung‘ der sekundären Quellen, doch wäre eine größere Vertrautheit mit der me dizinhis torischen Literatur der letzten Jahr-