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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1922-01-01 · Heft 3 · p. Seite 239

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
66 (1922)
Issue
Heft 3
Article
[Rezension]
Date
1922-01-01
Page
Seite 239 (sequence 2)
Language
German
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239 Agada rechtfertigen läßt. K. selbst sagt S. 9: ,,Die haggadische Auslegung ist frei, ungehindert, ist weder durch die Grenzen der Logik noch der Tatsachen gehemmt. Die halachische dagegen, welche es mit der Erforschung und der Feststellung des für das Leben und die Praxis maßgebenden Gesetzes zu tun hat, ist an eine anerkannte Autorität geknüpft, usw. Ihre Gebundenheit ist notwendig, weil es die größten Verwirrungen stiften würde, wenn es jedem freigestellt wäre, durch eine neue halachische Schriftauslegung ein neues Gesetz zu machen oder die Geltung eines sanktionierten Gesetzes in Frage zu stellen.“ — Demgegenüber bedarf die eine Seite früher (S. 8) gegebene Distinktion von Zeile 13 bis 25 einer eingehenderen Auseinandersetzung. Das Werk K.s ist noch nicht abgeschlossen. Wir haben bloß das erste Heft vor uns. Doch auch dies bietet eine Fülle von anregenden Ideen und Anhaltspunkten in Betreff eines der schwierigsten Probleme der talmudischen Literatur. Wir sehen mit besonderem Interesse der Fortsetzung dieses Werkes entgegen. M. Guttmann. 1. F. Hauch, Die Stellung des Urchristentums zu Arbeit und Geld. Gütersloh (Bertelsmann) 1 921, 168 S. 2. 30h. Leipoldt, Jesus und die Frauen. Leipzig (Quelle & Meyer) 1921, 170 S. Die beiden Arbeiten interessieren den jüdischen Theologen namentlich deshalb, weil sie beide erfreulicherweise die Stellungnahme des Urchristentums im Rahmen der Zeitanschauung darstellen, also auch auf die Auffassung des. rabbinischen Judentums eingehen. Namentlich Bachers Agadawerk hat als Fundgrube gedient. Und in Bezug auf das Lob der Arbeit sind die Aussprüche der Rabbinen bekanntlich so zahlreich, daß man das Bild, das H a u c k entwirft, als zutreffend anerkennen darf1. Etwas anders steht es mit der Beurteilung des Besitzes. Es ist natürlich richtig, daß mehrfach im Talmud der Reichtum gerühmt, die Armut als schweres Schicksal bedauert wird. Aber daneben steht doch der anonyme (daher bei Bacher fehlende!) Ausspruch Pirke aboth VI 4, wo ein Leben der Armut und Entsagung als ,,Weg der Thora“ bezeichnet und selig gepriesen wird, und auch die Lebensgeschichte Hillels, die offenbar als Vorbild dienen soll. Es steht also wie nach Haucks zutreffenden Darlegungen in der Bibel, in der der Besitz verschieden beurteilt wird, je nachdem er als Lohn des Fleißes und Zeichen göttlichen Segens oder als Ertrag gewissenloser Gewinngier erscheint. Nachdem H. den jüdischen Anschauungen die der Griechen und Römer gegenübergestellt, bringt er in Auseinandersetzung mit Theologen, aber auch mit Kautsky, die Anschauungen Jesu und seiner nä־chsten Nachfolger zur Darstellung. Er betont, daß Jesus unmöglich ,,die volle altisraelitische Stellung“ innehaben kann. ,,Denn diese rechnet mit einem ungestörten Weltlauf und hat ihren Nerv darin, daß sie Regeln für dieses Leben gibt.־ Jesus, der mit der 12. Stunde rechnet und Mensehen auf sie rüsten will, muß anders urteilen. . . . Aus der Stellung Jesu entsteht freilich für uns Nachlebende ein schweres Problem. Unser ganzes tägliches und wirtschaftliches Leben ist auf den ruhigen Fortgang der Weit eingestellt (68)“. Freilich kann der eschatologische Gesichtspunkt allein 1 Wie wenig überflüssig trotzdem Haucks Arbeit ist, zeigt die völlig verfehlte Vorstellung bei S t e i n mann, Sklavenlos und alte Kirche, M.־Gladbach 1922, 84.

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