Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 66 (1922)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zu I. Groß' Artikel "Rochade und Notation bei Ibn Esra" [Nachricht]
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 159 (sequence 2)
- Language
- German
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;159 David Kahana (R. Abraham Ihn Ezra, Warschau 1894, p. 144—60 und p. 95) macht sich das Vergnügen, alle von Steinschneider veröffentlichte Schachgedichte denj Ibn Ezra zuzuschreiben, außer zweien, die glücklicherweise ausdrücklich dem Solomon ben Mazeltov zugeschrieben sind. Als Beweis dient ihm die Tatsache, daß Ibn Ezra über Schach gedichtet hat und daß er in einem der von Steinschneider veröffentlichten Gedichte durch eine Um- Stellung eines Verses mit Recht das Akrostichon אברהם findet und daraufhin die Ueberschrift לי״א in לר״א verbessert. Er hält das letztere Gedicht für ein Jugendwerk und das echte Gedicht Ibn Ezras für im späteren Alter verfaßt. Herr Groß, der offenbar Kahana benutzt, da er dessen Zeilenzählung und nicht der von Steinschneider folgt, tischt uns nun Kahanas Konjekturen als neue Enttdeckung auf und spricht unbegreiflicherweise von Steinschneiders Zweifel an der Autorschaft, die von Schmidt, dem Ludi Magister, oder, wie er sagt, L. Magister, Zunz und Graetz geteilt werde. Da die letzteren vier Gelehrten das Erscheinen von Kahanas Buch nicht erlebt haben, so scheint Herr Groß wohl dies Gedicht mit dem אדני מלך verwechselt zu haben. Wie •4 oben bemerkt, hat Steinschneiders Einwand, daß die Erwähnung der Rochade entscheidend gegen Ibn Ezras Autorschaft des Prosatextes ins Gewicht falle, sich als wohlbegründet erwiesen. Herr Groß will nun auf Grund von Kahanas Konjektur, die er im eigenen Namen vorbringt, die Rochade ins zwölfte Jahrhundert zurückverlegen. Ein solcher Schluß könnte nur in Betracht kommen, wenn das betreffende Gedicht ausdrücklich Abraham Ibn Ezra zugeschrieben wäre. 5?Will Herr Groß etwa alle Gedichte mit dem Akrostikon Abraham dem Ibn Ezra zuschreiben? Im Gegenteil wird man aus dem Vorkommen der Rochade in diesem Gedicht schließen müssen, daß es aller Wahrscheinlichkeit nach, wie die Handschrift, in der es Steinschneider fand, aus dem sechzehnten Jahrhundert stammt. Alexander Marx. Hierzu schreibt uns Herr Groß:- ® David Kahanes Arbeit war mir (Herr Marx kann mir das aufs Wort glauben) bisher unbekannt, demzufolge konnte ich auch nicht seiner Zeilen- Zahlung folgen. Ich hatte übrigens den Beweis für die Autorschaft Ibn Esras durch das Akrostichon und die Konjektur des ליא in לרא gar nicht in meinem Namen, sondern in dem des Herrn Dr. Kiss vorgebracht, der mir versicherte, daß er ganz selbständig ohne Benützung Kahanes zu diesem Resultat gekommen sei. Was aber die Rochade betrifft, so halte ich trotz Marx’ Einwendungen meine Behauptung aufrecht, daß dieselbe von Ibn Esra ganz wohl gekannt sein konnte, zumal es sich hier, wie ich dies in meinem Artikel betonte; nicht um unsere (begrenzte) Rochade, sondern um die viel ältere unbegrenzte handelt. Die unbegrenzte Rochade hat sich aus dem sogenannten Königssprunge des alten Schach entwickelt. Im alten Schach könnte nämlich der König, so er noch nicht gezogen hatte, auch das ganze Brett entlang springen, einen Bauern von seiner Stelle rücken und dessen Stelle besetzen; da nun — bis auf Turm und Bauer — sämtliche Figuren im alten Schach in ein drittes Feld springen konnten, so war schon infolge der Wesens- Verwandtschaft eine Rollen Verwechslung möglich. Denn hat früher der König mit dem Bauer ,,pioniert“, so hat er später mit dem Roch (Turm) ,,rochiert“. Nur so erkläre ich mir, daß die in dem Gedichte auf den König bezüglichen