Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 65 (1921)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Der Kuß
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 271 (sequence 19)
- Language
- German
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Der Kuß. 271 Liebesbrunst läßt die Frau des Potiphar Josefs Kleider herzen und küssen (B. r. 87, 8 M Agada Ber. 39, 11 Buber). Sonst küßt Unterwürfigkeit der Pilger den Saum eines der Kleider des Khalifen, den sie gar nicht zu Gesicht bekommen (Benjamin 56 Asher, 95 Übers, p. 51, Grünhut p. 50, Übers. Ritter X 258). Doch erklärt Lebrecht (Benj. ed. Asher 2,391), es sei nicht ein Kleid des Khalifen, sondern ein schwarzer Samt, gewöhnlich aus einem Vorhänge der Moschee in Mekka, der ,,Ärmel des Khalifen“ hieß. Diesen küssen die Hofleute täglich, ebenso jeder Vorübergehende. Die römischen Juden küssen den Mantel des Papstes (Berliner, Rom 3, 141). Vom Küssen der Kleider weiß auch Saphir (1, 47b n) zu berichten. Ein Ring" wird geküßt, Ozar Midr. 347a b. Zum Schlüsse sei Alcharizi angeführt: Hebräisch ist euch ja verhaßt, Arabisch nur ists, was euch paßt. — Umfangend dieser Fremden Brüst*־ Habt ihr den Busen ihr geküßt — Gestohlenes Wasser ist versüßt. (Tachkemoni 1b Stern.) Am Ufer streifet der Verliebte Von Liebe wund an Schwertes Stelle. Er sieht ein Mädchen eifrig waschen Des Liebsten Mantel an der Quelle. Den küßt er, nicht dem Kleid zuliebe, Oh nein, um ihrer Augen Helle! Das ist, als ob der Trinker dulde, Daß Essig ihm den Wein vergälle. (64a.) Viel Lippen, vom Schwerte geküßt, werden fahl, Es fallen gar viele der Köpfe zumal, Als wäre ein Garten die Stätte des Wal, Die Schwerter, die Rosen sich rötend im Tal. (14a.)