Esra
- Journal
- Esra
- Volume
- 1 (1919-1920)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Der Bildungsgrad der Juden
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 217 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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erzählen, wie hoch <Iie Juden mit der Bildung halten Die Verehrung, mit der der alte lomantisehe Jude den Lernenden bctiachtete, der ihm das göttliche Gesetz verkörpeite, das geschiiebene und das überlieferte, diese Verehrung wurde auf das Lernen m jeder Schule übertragen; B.ldung ist Bildung, wo immer sie zu finden ist. Aber was dann, wenn das geschriebene Wort nicht die überlegene Macht ist, für die sie alle Juden zu halten scheinen? Bücher vermögen es (und tun es oft), unsere Kraft zu brechen, den lebendigen und greifbaren Erscheinungen des Lebens nahe zu kommen. Unsere Erziehung ist so geartet, daß sie den Lehrer und die Eltern eher befriedigt als den Schüler. Die ausgefallensten Geleise sind dem Lehrer gerade recht, wenn sie nur zu seinen Schulbüchern passen. Die Eltern wieder freuen sich, wenn sie zeigen können, wie gescheit ihr Tommy oder ihr Josef ist, Sie bemühen sich nicht, die Fähigkeiten dieses Tommy zu entwickeln (oder sich ihnen in den Weg zu stellen); das erfordert eine Kraft der Beobachtung, eine Kunst der Behandlung von Menschen, die sie nicht besitzen. So wirkt die Erziehung oft verdummend, weil sie keine Beziehungen zum Leben und zu den Interessen des Kindes hat. Die Dinge, die es lernt, sind nicht die besten Dinge für jedes Kind, aber selbst wenn sie es wären, so bleiben doch die Methoden des Unterrichtes widersinnig. Sie sind hervorgegangen aus dem Wunsche, für Prüfungen vorzubereiten und Prüfungen sind die Schöpfungen eines verständnislosen Finsterhngtums, das sich ans Traditionelle klammert. » Ich wünsche nicht, ultraradikal zu scheinen. Das Kind muß lernen, um seine Aufmerksamkeit zu konzentrieren : man kann es nicht treiben lassen, wie es ihm beliebt. "Aber gleichwohl, je klüger und lebhafter ein Kind ist, um so schwerer wird es ihm werden, diese neue, wundervolle Welt zu lassen, um seine Aufmerksamkeit auf Grammatik und Geometrie zu richten. Die Kraft, Versuche anzustellen, zu zerstören und wieder aufzubauen, wirklich zu schaffen, zu wirken, zu säen — das sind lebenswichtige Kräfte und nicht vielleicht die Fähigkeit, einen langen und beredsamen Vortrag zu halten oder einen glänzenden Aufsatz zu schreiben. Der Jude wird in die Welt von heute nicht passen, die die schwarzröckigen, überklugen Leute, die vom Reden leben, nicht achten mag — gleichgültig, ob er nun über Politik redet oder übers Geschäft (oder ob er andern gute Ratschläge gibt) oder vom Lernen oder von sonst etwas. Herbert Samuel zeigt den Juden ein verführerisches Ideal, wenn er eine Universität am Berge Scopus zum höchsten Ziele stempelt und hochtrabend vom Heranziehen von Weisen und Philosophen, von Gelehrten und Musikern, von Naturwissenschaftlern und Dramatikern spricht. 217