Esra
- Journal
- Esra
- Volume
- 1 (1919-1920)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die erste jüdische Republik
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 160 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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den gewissermaßen stets Übersehenen hinstellt. Der ernste Sinn hinter diesem Humor ist, daß den Juden wirklich das Gefühl für den inneren Wert der Arbeit abhanden gekommen ist, wodurch ein starkes seelisches Manko in der heutigen Judenheit besteht. Mag der Humor dieser Geschichte empfindsamen zionistischen Gemütern nicht gerade recht sein, so sei ihnen zur Beruhigung gesagt, daß die kleinliche Geistzersphtterung des jüdischen Ostens wirklich ohne eirie gründliche Seelenumstellung, an der Scholem- Alechem verzweifelte, nicht in eine Gesamtbewegung zu fassen wäre. Wie eng das Leben und gar das Kinderleben im Ghetto des Ostens ist, das schildern mit wehem Lächeln die sechs Kindergeschichten, welche das Buch noch enthält. Die jüdischen Kinder, welche einen Ausflug am Lag baomer als Kampf gegen die Philister empfinden müssen, denen der Frühling des Dorfes durch die Angst vor der Osterblutbeschuldigung verdüstert wird oder die „Grünes" Gras nur als käufliche Begleiterscheinung des Schewuothfestes kennen, diese Kinder sind ein hoffnungsloses Geschlecht für das Walten eines Geistes, der nur in der Freiheit wirken könnte. Solche Gedanken lauern hinter dem Lachen Scholem-AIechems. Es klingt nie ganz hell Der jüdische Wehton, der seiner selbst spottet, doch weiß wie, klingt mit. Die Seele des Juden, Scholem-Alechem hat sie ins Silbernetz seines herrlichen Humors gefangen. Darum sind seine Geschichten ein wertvoller Besitz, der unser eigenster Besitz ist," sonst niemands. Darum ist Scholem-Alechem zu,Unrecht der jüdische Mark Twain genannt worden. Es ist Scholem-Alechem : der jüdische Gruß. Von Seele zu Seele. S. S. Neue wichtige Bücher Dr. N. M. Gelber: Die Kattowitzer Konferenz. M. Hickl-Verlag, Wien—Brünn, Dr. Siegfried Bernfeld. Das jüdische Volk und seine Jugend. Zweite Auflage. R* Löwit-Verlag, Wien, (Anläßlich der verschiedenen — recht flachen und ebenso böswilligen — Angriffe der letzten Zeit gegen Siegfried Bernfeld, ist es notwendig nachdrücklich auf dieses Werk hinzuweisen, schon weil es ein Weg ist zum Absoluten, ein Weg aus der Wüste der Oberflächlichkeiten und der Ignoranz — auch wenn über dieses oder jenes* mit Bernfeld recht herzhaft zu streiten wäre. E, FL) Martin B u b e r: Der heilige Weg. Frankfurt. Rütten und Loening-Verlag.. Herausgegeben vom Jüdischen Hochschulausschuß Wien. — Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Eugen Hoeflich, XVI. Feßtgasse 17. Druck von Thomas Weber, Wien, IV. Schäffergasse 13a.