Esra
- Journal
- Esra
- Volume
- 1 (1919-1920)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Asien und Europa
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 119 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2828641-2828642-2828646-2828880--203-2828918- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
, daß es unsterblich isi und auß nuch (^ar manche? Mal in der Menschheitsgeschichte erscheinen \vird\ Und darum scheint mir diese Kode geiade für uns Juden wichtig, die wir uns eindeutig entscheiden wollen für Asien, weil es an der Zeit zu sein scheint, unsere Mission, das Herz Asien zu sein, wieder anzumelden, jenes Asien, dem Japan oder China K<<pf sein wird (Mithin das H^rz der künftigen Welt.) Dann werden wir frei und erhaben mit dem ganzen Morgenlande warten können, bis seine Stunde kommt, E. H. „ * .. Während in Asien alles unbeweglich blieb und während wir uns in den Glauben verbissen, daß es niemals und unter keinen Umständen anders sein werde, wachte Japan aus seinen Träumen auf und ließ, mit Riesenschritten ausschreitend, hinter sich die Jahrhunderte der Tatenlosigkeit, um die gegenwärtige Welt dort einzuholen, wo diese just hielt .... Eines Morgen erzitterte die ganze Welt vor Erstaunen : Japan hatte über Nacht die Mauer seiner alten Gepflogenheiten zersprengt und brach siegesgewiß hervor: Japan, ein Kind des alten Morgenlands, beanspruchte nun gleichfalls furchtlos für sich all die Errungenschaften der Neuzeit. Dies ist es, was dem übrigen Asien wieder Beherztheit verliehen hat. Japan lehrte uns, daß wir das Losungswort des Jahrhunderts, in dem wir leben, lernen müssen; denn wenn wir der Vernichtung entrinnen wollen, * müssen wir der Schildwacht der Zeit Rede stehen, Für einen Mann, der, wie ich, dem Morgenlande angehört, sind die Fragen, die sich gegenwärtig in Japan aufwerfen und das angewendete Verfahren, diese Fragen zu losen, Gegenstand äußersten Beteiligtseins. Die ganze Welt wartet, um zu sehen, wie diese große Nation des Ostens unter den Umständen und gemäß den Mitverantwortungen handeln wird, welche sie aus den Händen der Neuzeit übernimmt. Wenn dabei eine bloße Nachbildung des Abendlandes herauskommt, würde die große Hoffnung, welche Japan erweckt hat, sich nicht verwirklichen. Denn es bestehen sehr schwerwiegende Fragen, welche die abendländische Zivilisation der Welt zum Lösen aufgegeben hat und denen sie selber nicht vollkommen gewachsen ist Die Zusammenstöße zwischen den Einzelpersonen und dem Staate, zwischen der Arbeit und dem Kapital, zwischen dem Manne und der Frau; die Zusammenstöße zwischen der Gier nach materiellem Gewinste und dem geistigen Leben des Menschen, zwischen der organisierten Selbstsucht der Staaten und den erhabensten Idealen des Menschentums; die Zusammenstöße zwischen all den häßlich bösartigen Zwischenerscheinungen, welche untrennbar mit den riesenhaften Einrichtungen des Handels und des Staates verknüpft sind, und dem Naturtrieb des Menschen, der nach Schlichtheit, nach Schönheit, nach der Fülle der Muße schreit — dies alles soll und muß sich in Wohlklang auflösen. Aber wie? Nicht einmal vorstellen kann man es sich. Sie dürfen nicht, Japaner, leichten Herzens die -moderne Zivilisation einfach hinnehmen in der Einbildung, daß alle ihre 119