Esra
- Journal
- Esra
- Volume
- 1 (1919-1920)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die weissen Kabbalisten
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 87 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sie saßen um mich und ihre Stimmen priesen den Geist. Der ganz alte Mann stand wie ein Berg in der Mitte des Saales. Ganz klein lag ich auf dem Boden und umkämpfte meine Liebe. Die Menschen, die ich liebe aber kommen nicht zu mir: nicht fühlen sie meine Liebe, denn in mir ist nicht die Fähigkeit sie ihnen zu bringen* Stets werden sich meine Hände wund ringen in vergeblicher Erwartung, Beth z\j das Haus der Kabbaüsten ist meinen Tagen nun fern* Wer weiß es, ob ich es je wieder betreten werde. Schon rennt die entehrwürdigte Welt mit dem Kreischen ihrer Geschäftigkeit an die Mauern der Stadt und dieser Kabbaüsten Brüder weisen die Breschen, Täglich wird der Kreis enger- Bald werden die Letzten in die Höhlen des Gebirges steigen. Wer wird dann den Weg zu ihnen mir zeigen? Ich werde wieder irren von Berg zu Berg und nicht finden, was ich suche. Es sei denn, daß der Stern, der über dem Alten in der Kuppel stand, mich leiten wird. Dann werde ich in die Höhlen gehen zu den Letzten der Weißgekleideten und dann wird meine Liebe unter ihnen aufstehen zu Gott und meine Hände werden sich heben im großen Taumel der letzten Befreiung. ANMERKUNGEN Die Pflicht unserer Wissenschaft Vor einigen Jahren hat Bialik geschildert, wie das hebräsche Schrifttum unseren Menschen fremd wird. Diese Klag£ war begründet, denn die Lockerung organischer Zusammenhänge gehört zu den Merkmalen der Galuth. Auf einem höheren Gebiet ist eine ähnliche Beschwerde zwar verständlicher, aber nicht weniger beunruhigend: unser Volk hat keinerlei Verhältnis zu der wissenschaftlichen Erforschung seiner eigenen Vergangenheit. In seiner Masse kann das Volk diese Beziehung natürlich nicht haben, aber auch die Führer des Tages haben sie nicht, auch unsere Gebildeten haben sie nicht, auch unsere Studenten haben sie nicht. Ja sogar, ob allen Forschern selber die Aufgabe, um die es hier geht, ganz deutlich geworden ist, wird zu bezweifeln sein. Es handelt sich nicht um die Ausbrütung eines Stubenhockers, sondern um die Anwendung eines der klarsten Grundsätze unserer historischen Existenz: die Wirkung des Wissens auf das Leben, 87