Mannheim
Compact Memory

Esra · 1919-01-01 · Heft 3 · p. 87

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Esra
Volume
1 (1919-1920)
Issue
Heft 3
Article
Die weissen Kabbalisten
Date
1919-01-01
Page
87 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2828641-2828642-2828645-2828813--151-2828855
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Sie saßen um mich und ihre Stimmen priesen den Geist. Der ganz alte Mann stand wie ein Berg in der Mitte des Saales. Ganz klein lag ich auf dem Boden und umkämpfte meine Liebe. Die Menschen, die ich liebe aber kommen nicht zu mir: nicht fühlen sie meine Liebe, denn in mir ist nicht die Fähigkeit sie ihnen zu bringen* Stets werden sich meine Hände wund ringen in vergeblicher Erwartung, Beth z\j das Haus der Kabbaüsten ist meinen Tagen nun fern* Wer weiß es, ob ich es je wieder betreten werde. Schon rennt die entehrwürdigte Welt mit dem Kreischen ihrer Geschäftigkeit an die Mauern der Stadt und dieser Kabbaüsten Brüder weisen die Breschen, Täglich wird der Kreis enger- Bald werden die Letzten in die Höhlen des Gebirges steigen. Wer wird dann den Weg zu ihnen mir zeigen? Ich werde wieder irren von Berg zu Berg und nicht finden, was ich suche. Es sei denn, daß der Stern, der über dem Alten in der Kuppel stand, mich leiten wird. Dann werde ich in die Höhlen gehen zu den Letzten der Weißgekleideten und dann wird meine Liebe unter ihnen aufstehen zu Gott und meine Hände werden sich heben im großen Taumel der letzten Befreiung. ANMERKUNGEN Die Pflicht unserer Wissenschaft Vor einigen Jahren hat Bialik geschildert, wie das hebräsche Schrifttum unseren Menschen fremd wird. Diese Klag£ war begründet, denn die Lockerung organischer Zusammenhänge gehört zu den Merkmalen der Galuth. Auf einem höheren Gebiet ist eine ähnliche Beschwerde zwar verständlicher, aber nicht weniger beunruhigend: unser Volk hat keinerlei Verhältnis zu der wissenschaftlichen Erforschung seiner eigenen Vergangenheit. In seiner Masse kann das Volk diese Beziehung natürlich nicht haben, aber auch die Führer des Tages haben sie nicht, auch unsere Gebildeten haben sie nicht, auch unsere Studenten haben sie nicht. Ja sogar, ob allen Forschern selber die Aufgabe, um die es hier geht, ganz deutlich geworden ist, wird zu bezweifeln sein. Es handelt sich nicht um die Ausbrütung eines Stubenhockers, sondern um die Anwendung eines der klarsten Grundsätze unserer historischen Existenz: die Wirkung des Wissens auf das Leben, 87

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.