Esra
- Journal
- Esra
- Volume
- 1 (1919-1920)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Jawne und Jerusalem
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2828641-2828642-2828643-2828680--059-2828732- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
der Sieg der Geistigkeit im historischen Judentum eine Besiegung des Willenselementes. Aber für Bergmann löst sich hier ein scheinbarer Widerspruch darin, daß es sich da eben nur um jene blutleere Geistigkeit des eigentlichen Golusjudentum handle, welche, ohne Antrieb aus dem Leben und ohne Einfluß in das Leben in eine schattenhafte Existenz gebannt sei, für welche auch alles geistig-wertvolle Schaffen von Juden draußen vor sich gehe und, wie prächtig illustriert wird, nur durch die Wendung: „und die Juden" an das eigene Volkstum gebunden erscheine. In diesem Punkte ist sogar das Ostjudentum europäischer als das Westjudentum, insoferne es der selbstverständlichen Durchdringung des Nationalen mit dem Menschlich-Allgemeinen doch näher steht. Und in dem Briefe an einen Dichter findet Bergmann im Westen auch die geistigen Züge des jüdischen Nationalismus noch allzu „literarisch". Entgegen der bisherigen Form des Geistigen bilde eben gerade ein irdisch gewendetes Judentum die Bedingung auch für die Verwirklichung des jüdischen Geistes. Die gleiche Forderung ergibt sich auch von der anderen, der geistigen Seite und zwar nach beiden Richtungen. Alle zionistische Erneuerung ist nur jüdisch, wenn sie jüdischem Geiste entspringt und entspricht. In diesem Sinne stellt uns gerade die Neugestaltung eines nationalen Lebens in Palästina vor die ernstesten Fragen* So bezeichnet Bergmann das Verhältnis zu den Arabern als die Feuerprobe für den jüdischen Charakter unserer Siedlung und aus echter, das heißt: aus innerster Menschlichkeit "entsprungener Sozialismus wider den Grundtrieb des Kapitalismus könne die Grundlage wahrer Autonomie eines jüdisch Gemeinwesens bilden. Schon ehe die jetzige, politisch hoffnungsvolle Situation uns die innere Gefahr des Kapitalismus näher rückte, stellte sich Bergmann gegen den billigen Idealismus des landläufigen Zionismus, der von Palästina an sich schon eine gleichsam automatisch vorsichgehende Erneuerung auch des jüdischen Geistes erwartet Daß sich aber jüdischer Geist wieder in Wirklichkeit verwandelt, bedeutet — und hier berührt sich Bergmann nahe mit Fichte — auch die Erneuerung für ihn selbst Hier knüpft Bergmann an Martin Bub er an, in dessen .Buch: „Die jüdische Bewegung" sich ihm der Weg von der formalen Forderung zur seelischen Verinnerlichung und geistlichen Verinhaltlichung des Judentums spiegelt, aber in gewissem Sinne auch an Hermann Cohen, der allerdings völlig abstrakt, den letzten Kerngedanken des religiösen Judentums zu erfassen gesucht hat. Gerade die Berührung mit den Quellen der Verinnerlichung, wie sie in der jüdischen Mystik am lebendigsten fließen, gibt Bergmanns Gedanken auf diesem Gebiete, wie sie uns in dem Essay: „Die Heiligung des Namens" entgegentreten, wirklicheres Leben, das heißt größere Tiefe und wärmere ethische Kraft Der jüdische Gotlesbegriff löst sich hier 31