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Esra · 1919-01-01 · Heft 1 · p. Seite 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Esra
Volume
1 (1919-1920)
Issue
Heft 1
Article
Paris, Arabien und Jerusalem
Date
1919-01-01
Page
Seite 5 (sequence 4)
Language
German
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Die Gefinnung ift die Bafis aller menfehlichen Taten, nicht aber allein die Gefinnung der einen Seite, fondern gleicherweife auch die der andern. „Si vis pacem, para bellum" ift der prägnantefte Ausdruck der ungeiftigen, gefinnungslofen, ökonomifch gerichteten Welt diefer Tage. Sie wollen wir überwinden, fie und die Beftiahtät ihrer Ethik. Unfer Verhältnis zum andern Teil, zum Araber in diefem Falle, darf nicht deshalb nur friedlich fein, weil wir mit einem fremden Säbel zu raffeln verftehen oder weil unfere Schomrim fchießen können, fondern deshalb, weil wir feine Gefinnung der freundlichen Güte unferer künftigen gleich machen werden. Dazu aber fanden die Herren in Paris nicht die Methoden (vielleicht durften fie fie nicht fuchen, denn das Ausfpielen eines Volkes gegen ein anderes ift ein beliebtes Mittel europäifcher Politik). Ich fagte fchon: große Ehre den jüdifchen Friedensunter* händlern in Paris, aber ich muß fragen: wäre es nicht vorteilhafter gewefen, wenn in Paris (außer David Yellin, dem prächtigen, aber zu befcheidenen Paläftinenfer) auch orientalifche Juden unfere Paläftinafache vertreten hätten? Juden, die arabifch fprechen, die die Sitten, Wünfche und die heutige Gefinnung des Arabers in fich haben. Emir Faisul war höflich zu unfern Vertretern, fehr höflich fogar. Wer aber den Araber ein bischen kennt, wird diefer Höflichkeit nicht allzugroße Bedeutung beilegen. Wer die Äußer» lichkeiten und das Wefen des Europäers an fich hat, wird dem Araber Fremder bleiben und fei er taufendmal Jude. Jawohl, Sidi, du bift unfer jüdifcher Bruder, fagt fein Mund, aber fein Herz denkt: du Menfch in deiner europäifchen Kleidung, der'du mit mir franzöfifch fprichft oder arabifch durch den Dolmetfch, du bift dodi nichts anderes, als der fremde Konfui, der mich betrügt, pochend auf fein Gold, auf feine mechanifierte Kultur, deren Gewalt ihn ftärker macht als uns. Hätten wir in Paris Vertreter, die aus dem arabifchen Kreis kommend, (in orientalifcher Kleidung vielleicht — eindrucksvoll in ihr auch den europäifchen Konferenz* mitgüedern—) und mit orientalifchem Wefen, die fich mit dem Araber auf die Matte fetzen ohne die Überhebung des Europäers, wir wären heute dem friedlichen Ausgleich mit dem Nachbar weit näher5 die trennende Wand des Mißtrauens wäre entfernt und das wäre weit höher zu werten, als ein Kommiffionsprotokofl aus Paris. Es gibt jüdifche Führer, die der Araberfrage keine Wichtigkeit beimeffen, (Führer durch unfere Lethargie!). An diefe Politiker die 5

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