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Esra · 1919-01-01 · Heft 1 · p. Seite 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Esra
Volume
1 (1919-1920)
Issue
Heft 1
Article
Paris, Arabien und Jerusalem
Date
1919-01-01
Page
Seite 3 (sequence 2)
Language
German
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Die Fehler, die gemacht wurden, verpflichten keineswegs, in ihnen zu beharren und ich konnte auch fchon während des Krieges in Paläftina konftatieren, daß in den Kreifen des Hapoel hazair jener Geift, der national im europäifchem Sinne7 unduldfam alfo, im Begriffe war, der Ahnung eines jüdifdnen, alfo verftehenden, liebenden und trotzdem unbedingten Nationalismus zu weichen. Aus langen Unterredungen jerufalemer Abende hörte ich da und dort fchon Stimmen laut werden, die forderten, daß die Araber* frage nicht als Maditfrage, fondern als Frage der Gerechtigkeit behandelt werde* Nicht allein die gemeinfame Gegnerfchaft gegen das türkifche Beamtentum und nidit allein die Gemeinfamkeit des Hungers und die der täglichen Unfidierhcit ließen diefe Stimmen fich erheben, fondern, mir fehlen es wenigftens fo, audi das dem wirklich jüdifchen Menfchen immanente Gerechtigkeitsgefühl und die Erkenntnis des Notwendigen. Beide Anläffe find gleich wichtig. Jüdifcher Nationalismus, der jüdifcher Sozialismus ift, eine Idee, deren Urgrund das unaufhörliche Streben nach fozialer Gerechtigkeit ift, kann nicht halt machen innerhalb der Tore der jüdifchen Gemeinfchaft, er muß vielmehr aus ihnen hinaustretend, gerecht fein auch Dem, der von Edom kommt. Es ift keine Gerechtigkeit, die im Haufe wirkl und draußen Opportunität wird, kein Judentum, das in der Gemeinfchaft jüdifdi ift und im nächften Dorfe fchon die Praktiken europäifcher Politikpiraten fetzt gegen das felbfu verftändliche Recht des arabifdien Bauern auf fein Leben. Und die Erkenntnis des Notwendigen: Die Gegenwart und ihre Gefchehniffe geben dem Emfichtigen Anlaß zum Nachdenken über die Zukunft. Wir fchauen heute nach PariS} verzückten Blickes. Viele, leugnen wir es nicht, nicht mit der vornehmen Zurückhaltung des Freien, der jederzeit fich orientieren kann, fondern mit der kritiklofen Freude des Freigelaffenen. Seien wir ehrlich3 fie ift ein fdimähliches Spiel, diefe unfere zügellofe Befleiftcrung für die Tragödie diefer Menfchheit, die man in Paris aufführt und die Anficht, daß jedes Rülpfen eines Kommiffions* mitgliedcs, in dem Augenblick, da die jüdifchen Vertreter in einem Vorzimmer fitzen, hiftorifch ift, ift c'ne Vo!ksinfamie gegen unfere Gefchidite. Die Welt wird in Pans, auf Grund .einer Landkartenpartie zwifchen den Kommerzimpenaliftcn des Weftens auf* geteilt. Gott helfe uns, wir können nicht anders, als bis in die letzten Vorzimmer zu dringen, damit wir unferen Teil retten, denn unfere Not ift wahrlich groß. Wir können heute nidit anders, 3

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