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Der jüdische Wille · 1918-06-01 · Heft 2 (Juni 1918) · page 11

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 2 (Juni 1918)
Date
1918-06-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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. # Rofinßerg, Aus unferen Anfangsjahren einzelnen V, J. St.*ern und Hasmonaeern hatte in den erften Jahren die Intensität des Konkurrenzkampfes im allgemeinen' iu dämpfen vermocht Aber nun, in die Kreife ihrer felbfigefchaflfenen Vor^ Stellungen über den Wefensunterfchied der beiden Organifationen eingefponnen, vertiefte (ich die vermeintliche Gegenfätzlichkeit immer jnehr. Der Konkurrenzkampf wurde mit einer Schärfe geführt, die den ganzen Takt und das zioniftifche Verantwortungsgefühl der beiden Leitungen erforderte, um es nicht zum offenen Bruch zwifchen den beiden Kartellen kommen zu laflen. In diefer von Konfliktftoff erfüllten Stimmung traten die Präfidien der beiden Organifationen zu einer Ausfprache zufammenf die fich eigentlich nur darauf erltrecken follte, wie den gefährlichlten Entladungen der beßehenden Spannung vorgebeugt werden follte. An diefe Ausfprache ging man beiderfeits mit fehr geringen Erwartungen. Aber am allerwenigßen hätte man erwartet/ daß lie der Au$gangspunkt von Verhandlungen 1 fein würde, die zu einer völligen Verfchmelzung der beiden, nun faß feindlichen Kartelle führen follte. In diefer Aussprache hatten beide Teile feit Jahren das erfie Mal Gelegenheit, das Wefen der anderen Organifation wieder kennen zu lernen,- und mit einem Schlag war es den Ein^ fichtigen klar, daß ein Wuß von falfchen Vorßellungen trennende Wände zwifchen uns aufgerichtet hatte. In der noch mit der größten Schärfe geführten Debatte hätte ein oberflächlich Beurteilender eine unüberbrückbare Kluft zwifchen den beiden Kartellen fefigefiellt. Aber wirklich verfiändnisvolles Eingehen auf die tiefere Urfache diefer Gegenfätzlichkeit drängte bereits in diefer Stunde den Eindruck auf, daß alle Unterfcfaiede zwifchen den beiden Parteien von der Entwicklung längß überholt waren und wir zu einer inneren Einheit gekommen waren, die nur der äußeren ZufammenfalTung bedurfte. Ich erinnere mich, daß inmitten des fcharfen Redekampfes Theodor Zlocisti, der lächelnd fich das alles mitanhörte, die Bemerkung einwarf: »Ihr kommt fchließlich doch zur Fufion«. In der Hitze des Kampfes klang das paradox. Ich felbft hatte aber den gleichen Eindruck, und in meinem Bericht über diefe Sitzung in den »Mitteilungen des K. Z. V.« wurde bereits die künftige Entwicklung der Dinge in dem Sinne angedeutet, wie fie fich vollzogen hat. Wie richtig diefer Eindruck war, erhärtet die Tatfache, daß von diefer Ausfprache über die unerträgliche Schärfe unferes Gegenfatzes bis zum Abfchluß der Fufion nicht ganz ein halbes Jahr verftrich. Eine To kurze Frift, daß in ihr wohl kaum Entwicklungen mehr vor fich . gegangen waren, die uns einander näher brachten, fondern nur Brkenntnifle über die innere Berede tigung der Fufion gewonnen werden konnten. Gewiß ftand zuerft die äußere Zweckmäßigkeit der Fufion mehr im Vordergrund, aber immer mächtiger wurde in uns das Bewußtfein von ihrer inneren Notwendigkeit.

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