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Jüdische Schulzeitung · 1938-07-01 · 7 (1.7.1938) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
14 (1938)
Issue
7 (1.7.1938)
Date
1938-07-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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■f^^^^^^^^^ß^ ^^^0^ X-, 14. lahrgang ||§p8^^ + Yerlagsort: Mannheim 2 Nummer 7 üdische Schulzeitung Monatsschrift für Erziehung, Unterricht und Schulpolitik Organ des Reichsverbandes der jüdischen Lehrervereine (Geschäftsstelle des Verbandes: Berlin C 25, Kaiserstraße 29) .Die „Jüdische Schulzeitung" erscheint am 1. eines jeden Monats. Postbezugspreis: 0.75 pro Quartal. Mannheim, den I. Juli 1938 Druck und Verlag: Gebrüder Neubauer, Ludwigshafen a. Rh. Redakteur: Dr.SiegfriedBraun K ö l n-S ülz, Unkelerstraße 17 Hrbeitspläne und Quellenheite Von J. B. Lcvy, Frankfurt 3. M. Als Begriff und Inhalt der jüdischen Schule vor nun fünf - Jahren eine grundlegende Aenderung erfuhren, als alle lebendig empfindenden Juden erkannten, erkennen mußten, daß die Zukunft der jüdischen Gesamtheit auf der jüdischen Schule beruht, wurde von einsichtigen Pädagogen die Forderung er- . hoben — wie Hugo Rosenthal sich damals ausdrückte — für die jüdische Schule „die ideelle Landschaft" zu schaffen als Ausdruck ihrer charakteristischen jüdischen Prägung. Wahres, volles jüdisches Bewußtsein ist eben nur aus den Quellen, aus der Urkraft aes Judentums zu schöpfen. Das förderte auch der Schreiber dieser Zeilen in seinen damaligen, in dieser Zeitung veröffentlichten Vorträgen vor der Lehrerschaft Frankfurts. Eine bekannte Berliner Schulleiterin, Selma Schiratzki, lenkte dabei ganz ausdrücklich unsere Aufmerksamkeit auf das Gebiet der dem kindlichen Erfahrungskreis (mehr oder weniger! D. V.) vertrauten Feiertage als Anknüpfungspunkt. Sie sagte: „Gerade die Feiertage, die im Ablauf des Jahres das Verhältnis der jüdischen Menschen zur Natur zum Ausdruck bringen, ihm die gewaltigen Marksteine seiner Geschichte ' vor Augen iufen und die zugleich symbolische Gestaltungen und wirkende Gestalter der Religion sind, sie sind, ganz besonders geeignet, als zentrale Ausgangspunkte Wesen und Werte des Judentums und Jude-Seins zu vermitteln." Vor mir liegt eine ganze Reihe „Arbeitspläne" und „0 u e 11 e n h e f t e", die, inzwischen von berufener Hand geschaffen, diesen Forderungen in ergiebigem Maße gerecht werden. Ih-: Schöpfer, Dr. Elieser L. Ehrmann-^Berlin, will, wie er mir schrieb, „die Feste zu einem Kernpunkt des jüdischen Unterrichts machen und zeigen, welchen reichen Niederschlag die Feste im jüdischen Volksschaffen aller Jahrhunderte hinterlassen haben, so daß sie ein Spiegelbild jüdischen Lebens aller Zeiten und Länder geben." Ehrmanns Arbeiten sind von heißer Liebe zum jüdischen Volk und seiner Kultur getragen und aus der Schularbeit, nicht nur der eigenen des Verfassers, entstanden. Ehe wir auf den Inhalt und den Aufbau dieses großen und wichtigen pädagogischen Werkes — die Schulabteilung der Reichs Vertretung hat dies wohl erkannt und gewürdigt — eingehen, sei ein kurzes Wort zu dessen Grundidee erlaubt, die dadurch wenig an Gewicht verlieren soll und wird. Kein Zweifel, unser Festzyklus beherrscht in weit stärkerem Maße das religiöse Leben des Judentums, ist Ausdruck seines Wesens mehr als es etwa die Feiertage der anderen Glaubensgemeinschaften für ,diese sind». Samson Raphael Hirsch hat einmal den Satz geprägt: „Der jüdische Kalender ist der Katechismus des Judentums." Und M. Zobel schreibt diesbezüglich: „Es dürfte kaum einen anderen Menschenkreis gehen, dessen innerer Lebensrhythmus so wesentlich durch den Ablauf des Jahres, seiner Zeitabschnitte und Festperiodfn bestimmt ist, wie dies für die jüdische Gemeinschaft gilt. Die seelischen und leiblichen Triebkräfte des volks-. und traditionsverbundenen jüdischen Menschen sind mit festen zeitlichen Schranken umschlossen, allen Manifestationen jüdischen Wesens in die Ordnung der Zeiten eingereiht." — Gewiß so ist es, und dieser ins Auge springenden Offenbarung jüdischen Glaubens und Lebens muß in der jüdischen Schule ausreichend Rechnung getragen werden. Aber — so fragen wir — besteht bei einer solchen Intensität der Beackerung dieses einen Gebietes unserer Glaubensbetätigung und deren Geistes nicht die Gefahr der Uebertreibiung und der u. E. unvermeidlichen oder mindestens nahe-* liegenden Vernachlässigung der vielen anderen Gebietskreise der Judentumskunde? Gewiß, sagt'Martin Buber, der Präger dieses Begriffes, in seinem „Kampf um Israel": „Was die Väter nicht mehr überliefern, müssen die Söhne sich holen, wo es zu holen ist; sie müssen es „lernen". Indessen — so sagen wir — sie müssen nicht nur „es" lernen, d. h. das traditionelle jüdische Leben verstehen, erfassen und lieben lernen, nein, sie müssen auch „lernen", d. h. sich den Zugang zum Urgut und damit der Gemeinschaft den Erinnerungszusammenhang wiedergewinnen." Und dazu gehört mehr als die Erfassung des Geistes und des Inhalts unserer Feste und aller gehobenen Momente des jüdischen Jahres. Wir fürchten, daß der reiche/ allzu reiche Stoff, den der um die jüdische Schule hochverdiente Kollege Ehrmann der Lehrerschaft bietet, diese verführen könnte, solche Festvorbereitungen zum Schaden des umfassenden weiteren Lehrgebietes in der immerhin doch begrenzten, manchmal sogar knappen Zeit gar zu sehr auszudehnen. Ehrmann selbst scheint dieser Befürchtung begegnen zu wollen, wenn er in seinen „grundsätzlichen Bemerkungen" am Schlüsse sagt: „Die Vielfalt der im Arbeitsplan behandelten Themen bedingt einen mehrjährigen Zyklus für die Durchführung dieses Unterrichtsprogramms. Wer den Arbeitsplan und das zugehörige Quellenheft schön bei der unterrichtlichen Festvorbereitung eines Jahres erschöpfen will, verkennt die Zielsetzung. Dies ist schon rein zeitlich unmöglich; dagegen spricht auch die Verteilung der verschiedenen Themen auf die einzelnen Klassenstufen sowie die Zahl der Themen überhaupt. Der Arbeitsplan will als eine Art Handbuch angesehen werden, das ein Arbeitsprogramm, wie es sich über mehrere Jahre erstreckt, inhaltlich und methodisch für die Sdhuile aufzeigt; über den Anlaß der einmaligen Festvorbereitung hinaus will der Arbeitsplan speziell der Fortbildung des Lehrers dienen." Wir haben uns erlaubt, die letzten Worte zu unterstreichen, und der Verfasser wird unsere warnende Einschränkung begreifen. Ehrmann hat es der Lehrerschaft leicht gemacht: er hat auf alle für die Behandlung der Feiertage in Frage kommenden Stoffe hingewiesen. Er hat das ganze, in weitestem Umfange für den Unterricht zu verwendende Material (Bibel, Talmud, Midrasch, Kodizes, moderne jiddische, und hebräische Literatur, Darstellimgen, Reisebeschreibungen, Lieder, Bilder) zusammengestellt, gesichtet und nach Klassenstufen geordnet,

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