Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- 5 (1.5.1938)
- Date
- 1938-05-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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14. Jahrgang Verlagsort: Mannheim 2 Nummer 5 jüdische Schulzeitung Monatsschrift für Erziehung, Unterricht und Schulpolitik Organ des Reichsverbandes der jüdischen Lehrervereine (Geschäftsstelle des Verbandes: Berlin C 25, Kaiserstraße 2,9) Die „Jüdische Schulzeitung" erscheint am 1. eines jeden Monats. Postbezugspreis: 0.75 pro Quartal. Mannheim, den i. Mai 1938 . Druck und Verlag: Gebrüder Neubauer, Ludwigshafen a. Rh. Redakteur: Dr.SiegfriedBraun K öl n-S ülz, UnkelerstraQe 17 III ■III Das neue Gemeindegesetz Durch das Reichsgesetz über die Rechtsverhältnisse der jüdischen Kultusvereinigungen vom 28. März 1938 ist bestimmt, daß die jüdischen Synagogengemeinden und ihre Verbände die Stellung als Körperschaften des öffentlichen Rechts verlieren. Sie tragen fortan den Charakter rechtsfähiger Vereinendes bürgerlichen Rechts. Durch diese Maßnahme wird die. Stellung der Gemeindemitglieder zu derjenigen Synagogengemeinde, der sie angehören, nicht berührt. Ihre Verpflichtungen gegenüber ihrer Gemeinde bestehen unverändert fort. Im Rahmen der neuen Form verbindet das gleiche rechtliche und sittliche Band, die Gemeinde und ihre Mitglieder. Unverändert werden die jüdischen Kultusvereinigungen und ihre Verbände als privatrechtliche Körperschaften sich weiterhin ihrer Aufgabe der kulturellen und sozialen Betreuung ihrer Mitglieder widmen. Unverändert besteht die rechtliche und sittliche Pflicht jedes Gemeindemitgliedes, durch finanzielle Leistungen und durch Teilnahme am Gemeindeleben wirtschaftlich und moralisch der Gemeinde und den Einrichtungen der jüdischen Gemeinschaft zu dienen. Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland: Dr. Baeck. Illiiiil'Jliülüillill1 Rückschau und Husschau Von Dr. Siegfried Braun Das alte Schuljahr ist zu Ende gegangen, das neue hat begonnen. Da mag es angebracht sein, den Blick rückwärts zu wenden, noch einmal in einer großen Zusammenschau das Gewesene festzuhalten und auszublicken auf das, was kommen mag. Unser jüdischer Lehrerverband hat seine laufenden Arbeiten nach Maßgabe des Möglichen fortgeführt. Leider mußte die zu Beginn des vergangenen Jahres geplante Tagung in Berlin ausfallen. Auch in der übrigen Zeit konnten keine Zusammenkünfte stattfinden. Statt ihrer sind Rundschreiben Mittler gewesen zwischen den Verbandsmitgliedern im Reich und der Verbandsleitung in Berlin. In angemessenen Zeitabständen hat sie der Vorstand verschickt und so versucht, die Vereine auf dem Lauf enden zu halten. So mag es gekommen sein, daß man draußen in der Provinz zuweilen nicht so recht übersehen konnte, in welcher Weise der Verbarid tätig war. Und es hat nicht an kritischen Stimmen gefehlt, die sich gegen die Verbandsleitung gerichtet haben". Den Kritikern sei gesagt, daß gearbeitet wird, auch wenn nicht immer Kunde von den Ergebnissen hinausdringt. Es sei nur hingewiesen auf die ständige Zusammenarbeit der Verbahdsleitung mit den Spitzen der großen jüdischen Organisationen, insbesondere mit der Schulabteilung der Reichsvertretung und dem Landesverband. Es sei ferner hingewiesen auf die Jüdischen Lesebogen, die der Jüdische Lehrerverein in Berlin unter der Hauptleitung des Verbandsvorsitzenden Dr. Heinemami Stern herausgegeben hat. Wie sehr sie einem Bedürfnis entgegengekommen sind, das zeigt dlas Erscheinen der zweiten Auflage innerhalb Jahresfrist. Auch die im Auftrage des Reichsverbandes von Cilli Marx bearbeitete Fibel „So geht's schnell" wird in wenigen Wochen in zweiter Auflage herauskommen. Schließlich darf noch auf die soziale Hilfstätigkeit verwiesen werden, die im Rahmen des Verbandes geleistet worden ist. Die Einzelvereine im Verband haben es leichter, die gewohnten Zusammenkünfte zu halten. Die Tagungen sind im allgemeinen doch nicht mit derartig hohen Kosten verknüpft, daß sie unmöglich wären. Und so erlebten wir denn im verflossenen Jahre eine rege Vereinstätigkeit allüberall. Es ist eigentümlich, daß sie in den großen Zentren des Reiches nicht so intensiv gewesen ist wie gerade in der Provinz. Es wäre sehr zu wünschen, daß gerade in dem halben Dutzend von Großgemeinden, in denen reiche Kräfte vorhanden sind, emsiger gearbeitet würde als bisher, daß insbesondere die Beziehungen materieller und geistiger Art spürbarer würden, die zur Zentrale hin bestehen sollten und deren Vorhandensein dort sehr vermißt wird. Wer einmal eine Aufstellung überblickt, auf der die Vereinsleistungen verzeichnet sind, der muß manchmal staunen über die geringe Beitragssumme, die von manchen mitgliederreichen Vereinen aufgebracht worden ist. Hier müßte mehr Opferwilligkeit in Erscheinung treten, trotz der Verpflichtungen, die im Privatbereiche jedes Einzelnen bestehen. Der Charakter der Lehrertagungen hat sich in der letzten Zeit geändert. Es steht nicht mehr der Vortrag mit nachfolgender Aussprache im Mittelpunkt, sondern auf der einen Seite der Kurs, auf der andern die Schulpraxis. Die Lehrer lernen selber während der Tagungen, und sie lernen lehrend. So hat sich allmählich die Form der Lerntagung, des Lernlagers, der Schulungswoche und -wochen herausgebildet, wie wir sie im verflossenen Jahre zu Dutzenden erlebt haben in Berlin, München, Stuttgart, Würzburg, Düsseldorf, Hannover, Breslau, Bad Nauheim, Herrlingen, Lehnitz, Bonn, Karlsruhe, Stettin u. a. m. Die jüdischen Zeitungen haben zwar über diese Tagungen stets berichtet, indes waren die Berichte notwendig so kurz gehalten, daß. sich kein plastisches Bild vom Ablauf einer solchen Veranstaltung ergeben konnte. An anderer Stelle dieses Blattes wird daher ein Bericht veröffentlicht, der versucht, das Charakteristische eines Lernlagers darzustellen; es darf an dieser Stelle unterbleiben, weiteres zu sagen. Mit Genugtuung