Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 1 (2.1.1937)
- Date
- 1937-01-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2825247-2825381-2825382--1153-2826824- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 4 Jüd ls:che Sc.hu 1 z e i t u;n g NunimerLjl: eine schöne Strecke fahren, es geht immer in Kurven. Viele Grüße Eure U. In Haifa liegen sehr große Kriegsschiffe. — Ich möchte auch einmal vom Bund aus dorthin fahren. Zuerst muß ich auf Hachschara und dann . . .*' Und schließlich noch ein Aufsatz eines Knaben des 4.- Jahrgangs: „Vor 40 Jahren war Palästina noch wüst. Kein Mensch wußte was von Palästina. Da kamen Chaluzim W'chaluzoth nach Palästina und pflanzten Bäumchen, die heute Araber zerbrechen und verbrennen. So arbeiten noch heute Chaluzim W'chaluzoth für den Aufbau Eres Israels. Wenn ich größer bin, will auch ich ein Chaluz sein und will kämpfein! für den Aufbau Erez Israels." Buchheim, Dortmund. Ueber Brasilien und über seine ersten jüdischen Siedler (Eine Unterrichtseinheit ans der Aus Wanderungskunde) I. Materialien zur Verarbeitung. In den Zeitraum von 1492—1520 fallen eine Reihe von Entdeckungsreisen von welthistorischer Bedeutung, aber zugleich auch von größter Wichtigkeit für die Geschichte der Juden. Ihnen, allen'lag'die Absicht zugrunde, von der Pyrenäenhalbinsel her einen Seeweg nach Indien, dem Lände unbegrenzter Reichtümer, zu finden, dessen Befahrung die Spanier und die Portugiesen unabhängig machen sollte von den um das Mittelländische Meer gelagerten, Handel und Schiffahrt treibenden Völkern. Die kühnen Entdecker stützten ihre Unternehmen auf verschiedenartige Erwägungen: die Mehrzahl von ihnen wünschte Indien auf dem Wege zu erreichen, der Um den gewaltigen, damals, noch zu einem großen Teil unbekannten Landkoloß Afrika herumführte; der am volkstümlichsten gewordene, Christoph Kolumbus, ließ .sich, wenn von seinen merkantilen Intentionen abgesehen wird, von der aus der Wissenschaft geborenen Ueberlegung leiten, infolge der Kugelgestalt der Erde müsse Indien auch erreicht werden, wenn man den von Ost nach West führenden Seeweg einschlüge. Bartolomäus Diaz, ein portugiesischer Seemann, war im Jahre 1486 als erster bis zum Kap der guten Hoffnung an der Südspitze Afrikas gekommen. Im Jahre 1497 begab sich ein zweiter Portugiese, Vasco da Gama, mit Vier kleinen Schiffen und 150 Mann Besatzung auf den gleichen Weg, und dieser Expedition glückte die Erreichung Vorderindiens innerhalb eines Zeitraums von etwa 11 Monaten. In mühe- und gefahrenreicher Fahrt wurden.mehr als 20 000 km an der afrikanischen Küste und durch den Indischen Ozean zurückgelegt, bis die indische Stadt Kalikut-erreicht wurde. Unter den nautischen Instrumenten, die Vasco da Gama benutzte, befand sich ein Winkelmesser, mit dessen Hilfe nach dem Stand der Gestirne der Standort der Schiffe bestimmt werden konnte; es war der sogenannte Astrolab, kein neues Instrument, aber ein von dem jüdischen Gelehrten und. Hofastronomen Abrah am Zak uto aus Lissabon vervollkommneter Apparat. Trotz der großen Dienste, die dieser Mann am Hofe des Königs Manuel leistete, ereilte ihn das Geschick: er mußte mit den vertriebenen Glaubensgenossen fliehen und begab sich nach Tunis. An Indiens Gestade begrüßte den . Entdecker Vasco da Gama als .erster ein jüdischer Abenteuerer und Weltreisender, der in Diensten des indischen -Königs stand:. Ga.spard da Gama. Wir finden ihn bald auf dem- Schiff eines andern portugiesischen Seefahrers als eine Art Lotse, dem man eine genaue Kenntnis der Meerestücken zutraute und der die Flottilie geleiten sollte. Es war Alvarez Cabral, den der König von Portugal im Jahre 1500 ausschickte, um den gleichen Weg zurückzulegen wie sein Vorgänger Vasco da Gama. .Er befehligte 13 Schiffe mit einer Besatzung von 1200 Mann.. Da er sich die Erfahrungen der ersten Fahrt. zunutze machte, wurde er-zum Entdecker sozusagen wider Willen. Aus der Sahara herüber dringen häufig Sandstürme westwärts übers Meer und machen die Schiffahrt zur Qual. Im Golf von Guinea wüten nicht selten gewaltige Stürme; aber auch an windstillen Zeiten fehlt es nicht; beides für die Seefahrt.von übel. Gabrai glaubte all diesen Gefahren dadurch entgehen zu können, daß er die westafrikanische Küste soweit sie im Halbkreis in den Atlantischen Ozean vorstößt, in großem Bogen umschiffte. So kam er bald in westwärts verlaufende Meeresströmungen,, die ihn weit :ab führten von der Fahrtstrecke um Afrika, und nach ein paar Wochen erreichte Cabral die Küste eines unbekannten Landes, dem er zuerst den Namen Terra de Santa Cruz, Heiliges Kreuz-Land gab, das er aber später wegen des reichen Bestandes an Farbhölzern Brasilo, d. h. Feuer nannte. So war Cabral durch unvorhersehbare Fügungen zum Entdecker Brasiliens geworden. Da das Land östlich des Meridians lag, der den spanischen von dem portugiesischen Kolonialbesitz trennte, nahm der König von Portugal Brasilien in Besitz. Mit einer verhältnismäßig kurzen Unterbrechung, von der wir noch hören werden, ist das Land bis. zum Jahre 1889 bei Portugal geblieben. Drei Jahre nach der Entdeckung Brasiliens erteilte der König von Portugal einem M.arranen ein Siedlungs- und Handelsmonopol in der jungen Kolonie, Der unternehmungslustige Kaufmann nutzte dieses Privileg dazu, weitere Marranenfamilien zur Uebersiedelung zu bewegen. Und bald gab es eine stattliche Gemeinde von Flüchtlingen, die; hier die Maske des Marranentums abwerfen und wieder freie Juden werden durften. Sie hatten einen scharfen Blick für die Möglichkeiten, die das unermeßlich große Land dem Erwerb bot. Aus Spanien, Portugal und Nordafrika ließen^sie Zuckerrohrpflanzen herüberbringen, die in Brasilien ausgezeichnet gediehen, und bald waren sie Besitzer riesengroßer Plantagen. Aber auch einheimische Pflanzen wurden geschickt genutzt, namentlich die kostbaren Farbhölzer*), die dem Lande den Namen gegeben hatten. Es entwickelte sich ein ausgedehnter Exporthandel mit Zuckerrohr und Färbhölzern, namentlich nach Holland hin, und bald waren viele der jüdischen Siedler zu Wohlstand .und Reichtum gelangt. Ihr Glück wurde jäh unterbrochen, als! zü Beginn des 17. Jahrhunderts die Inquisition auch in Brasilien Einzug hielt und den Juden das Leben zur Qual mächte! Zwei Jahrzehnte etwa dauerte diese unheilvolle. Periode;, da kamen die Holländer auf ihren Schiffen, um Brasilien, den Portugiesen zu entreißen. In den Reihen der holländischen Soldaten dienten auch Juden, und als im Jahre 1624 der Angriff begann, gewährten die jüdischen Siedler den Eroberern Hilfe und Unterstützung. Die Portugiesen unterlagen, das Land wurde holländischer Besitz. Nunmehr begann ein neuer Aufstieg der Juden, deren Umsicht, Fleiß.und Erfahrung dem holländischen Handel zugute kamen. Dauernd wanderten Europäer, darunter auch viele Juden, in das aufblühende Land ein, und bald gab es große Gemeinden In Brasilien. Die bedeutendste war Recife oder Pernambuco. Dorthin siedelten im Jabre 1642eine große Anzahl holländischer Juden über,, an ihrer Spitze der Amsterdamer Chacham Isaak Aboab de Fonseca und Moses Raphael de Aguilar, der als Vorbeter in Pernambuco wirkte. .Die. Portugiesen konnten den Verlust einer.solch reichen Kolonie nicht verschmerzen, und im Jahre 1645 begannen sie den Kampf um die Rückgewinnung des Landes. Nach wechselvollen Kämpfen geriet Brasilien im Jahre 1654 erneut in portugiesischen-Besitz. Damit war das Geschick der Juden im Lande besiegelt. Die holländische Gruppe kehrte mit ihren Führern nach Holland zurück, , die übrigen wanderten nach Mittel- und Nordamerika. Eine Schar von, Flüchtlingen ließ sich in der Hauptstadt der großen, holländischen Kolonie Nordamerikas, in Neu-Amsterdam, dem spätem New. York, nieder, , und damit wurde der Grund gelegt zu der nachmals größten jüdischen Gemeinde der Welt. S. Braun. - T" (Fortsetzung folgt! *) Bläuholz, Sandelholz, Fernambucoholz, Gelbholz. M Riebt Dein Opfer zur 10dischen Winterhilfe 1