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Jüdische Schulzeitung · 1928-01-15 · 1 (15.1.1928) · page 1

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
4 (1928)
Issue
1 (15.1.1928)
Date
1928-01-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Nummer 1 4.IahrLMZ Monaksschrisl für Pädagogik und Schulpolilik Herausgegcben vom „Verbände der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche" Die „Jüdische Schulzemmg" erscheint am 15. eines jedenMonats und wird allen Mitgliedern der dem „Verband der jüdischen Lehrervei eine im Deutschen Reiche" angeschiosseiien Vereine kostenlos zugestellt. — Post-Bezugspreis für R i ch t Mitglieder: Mk. 1.20 pro Quartal. Hamburg, IS. Januar 1928 Druck, Verlag und Geschäftsstelle: M. Lehmann, Hamburg, ABC-Stras;e 57. Tel.: Sammelnummer &4 Dammtor 0737 Verantwortlich für den redaktionellen Teil: M. Steinhardt. Magdeburg, für den Inseratenteil: E. L o o s, Hamburg. Anzeigenpreis 10 für die Ogcspaltcne Ronparcille-Zcile. ZnhaltdieserNuminer: Ueber Einrichtung von Lehrerbildungskursen von Bczirks-Nabbincr Dr. Zlocisti, Offenburg. Hebräisch als Konzentrationsstoff von E. E u t. Berfaminlung des Vereins jüdischer Neligions- Ichrcr Ostpreußens. Literarisches. Bei der Tchriftleitung eingcgangene Bücher. Notiz. 2 o? Ueber Einrichkung 7 Von Lehrer-Forlbil-ungsKursen. Von Bez.-Rabbiner Dr. Zlocisti, Osfenburg. ^.Fortbildungskurse — ständige Einrichtung. Auf der Jugend ruht unsere Zukunft! Das Wort hat einen selbstverständlichen Inhalt. Wenn es gleichwohl in unserer Zeit mit gesteigerter Häufigkeit und Heftigkeit betont. ja als Parole aller Parteien ausgegeben wird, so hat dies u. a. seinen Grund darin, das; cs zugleich einen Wehruf bedeutet. Es enthält die Selbstanklage, daß für die Jugend noch immer nicht genug getan wird, und die Mahnung, für sie die besten Kräfte in. Bewegung zu sehen. Erziehung und Führung der Jugend kann indessen ohne die Arbeit der Lehrer nicht gedacht, geschweige erreicht werden. Ihrem Idealismus und ihrer Bereitwilligkeit verdanken wir zu einem Teile die Verbreitung jüdischer Kenntnisse und die Erhaltung jüdisch-religiösen Lebens; ihrer Unterstützung dürfen die Führer des deutschen Judentums auch für die Zukunft sicher sein. Die Lehrer wissen aber selbst aus eigener Ueberlegung und Erfahrung heraus, daß der Erfolg all ihrer geistigen Arbeit in nicht geringem Maße bedingt ist durch bestmögliche Ausbildung und wissenschaftliche Weite. Der Besuch eines jüdischen Lehrerseminars fällt in die Jahre begrenzter Aufnahmefähigkeit, die Ausrcifung und vor allem die Erkenntnis der Schwierigkeiten des Lehramtes in die spätere Zeit. Vor allem zwingt die immer Neues gebärende Wirklichkeit zu Vertiefung innerhalb eines besonderen Wissensgebietes und zu schulischer Umstellung. So ist z. B. durch das erstarkte jüdische Selbstgefühl ausnahmslos bei allen Parteien die Liebe zur hebräischen Sprache entfacht worden; und diese muß daher wieder in größerem Ausmaß als bisher gelehrt werden; der wissenschaftliche Antisemitismus zwingt, die vergleichende Religionswissenschaft einschl. Apologetik in stärkerer Betonung! als früher in den Kreis der Unterrichtsfächer einzustellen; die Gesetzgebung hat, wenigstens in Baden, die Möglichkeit gebracht, in den Fortbildungsschulen Religion zu lehren. Wir haben nunmehr mit Schülern zu schaffen, die einen ganz neuen Typ darstellen: schulgebundene und berussgebundene zu gleicher Zeit, die zudem im Leben stehen mit dessen Licht- und Schattenseiten. Dieser Typ stellt den Lehrer hinsichtlich der Stoffauswahl wie der methodischen Behandlung und psychologischen Einfühlung vor neue Probleme. Der Lehrer, der auf der Hohe seines Amtes stehen will, wird sich stets vor die Verpflichtung gestellt wissen, seine Kenntnisse in stofflicher und methodischer Hinsicht zu erweitern und zu vertiefen; er kann, wie obige Beispiele zeigen, zu keiner Zeit geruh, sam bei dem in jungen Jahren Erlernten stehen bleiben. Die Strömung der Gegenwart hält ihn in Bewegung, und er geht, wenn er nicht zu schwimmen gelernt hat, in ihr unter, d. h. er bleibt unwirksam und ohne Erfolg. Die Notwendigkeit von Fortbildungskursen ist alb gemein anerkannt. Darum finden sie allenthalben für Profansächer wie für christliche Religion in allen Teilen Deutschlands statt und bilden eine ergiebige Quelle der Belehrung. Dazu kommen für die Lehrer an den öffentlichen Schulen die vielen allgemeinen und Fachkonfcren» zen. Die Bedeutsamkeit dieser fördernden Faktoren wird noch durch die Tatsache gesteigert, daß der Lehrer gemeinhin in den Nahmen eines Kollegiums cingeglicdcrt ist. Der Verkehr untereinander weckt die Aussprache und durch sie den Austausch wie die Erweiterung von Wissen und Erkenntnissen. Es besteht gleichsam eine automatische Fortbildung. Der jüdische Rcligionslehrer ist für sein Fach zumeist' aus sich selber gestellt, ohne Zusammenhang mit Kollegen. Die fehlende automatische Fortbildung muß durch eine amtlich eingerichtete ersetzt werden. # Steter Tropfen höhlt den Stein! Das-Ziel der Vertiefung und Schulung kann nicht durch einen einmaligen Kursus erreicht werden. Die Kurse müssen eine ständige Einrichtung werden, wirksam gestaltet durch wohlbedachten. Aufbau jedes einzelnen, wie durch systematischen Zusammenhang mit der Gesamtheit. Die Summe der Kurse bedeutet die Hochschule für die jüdisch-religionswissenschaftliche und pädagogische Fortbildung der am. ti er enden Lehrer. Zic diesem Ziele, das doch jedenfalls wie ein Ideal immer vorschweben muß. — nur Ideale fördern Großes, auch, wenn sie nicht ganz erreicht werden — führen die gelegentlichen Bezirkslehrerkonserenzen nicht. Hierfür sind sie in ihrer zeitlichen Extensität zu kurz. Sie finden ja nur an einem Tage statt imb an ihm während einiger Stunden. Bei der Verschiedenheit der Abfahrtszeiten werden nicht alle Lehrer gleich lange der Sitzung beiwohnen. Durch die Kürze des Zeitmaßes ist eine Beschränkung bezüglich der geistigen Extensität gegeben. Die Bezirlolehrerkonserenz behandelt daher ihrem eigentlichen Charakter nach in der Hauptsache schultechnische Angelegenheiten des Bezirks, dem ihre inhaltliche Intensität gilt und gelten soll. Darüber-hinausgreifend kann sie im besten Falle nur ein wissenschaftliches Thema zur Behandlung und Aussprache bxingen. . n ■ -

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