Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 2 (15.11.1925)
- Date
- 1925-11-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Einen, Fehler begehen d i e Pädagogen, die sämtliche biblischen Erzählungen von entsprechendem Zeichnen und Modellieren, von Papp- und Holzarbeiten begleitet sein lassen. Nur da, wo sich manuelle Tätigkeit ungezwungen ergibt (Ehanukkahleuchter), ist sie nm Platze. i Das Wesen der Arbeitsfchuje besteht darin, das; der Schüler mehr aktiv ist als der Lehrer. Er fühlt sich, unter kaum sichtbarer Leitung des Lehrers, in die Begebenheit ein. Hieraus und aus der Selbstanwendung der biblischen Lehren aufs eigne persönliche Leben entspringt das Verlangen nach sittlichem Wollen und religiöser Betätigung. So sehr die moderne Schule den Arbeitswillen stärkt, so ist doch Auswendiglernen von Vibelstellen und Gebeten nach-Möglichkeit zu vermeiden." In der Diskussion, an der sich viele Mitglieder beteiligen, redet u. a. Rabbiner Dr. Mainzer auch dem Vorzeigen biblischer Bilder das Wort. Solange die Kinder iroch nicht hebräisch zu lesen und zu verstehen vermöchten, rate er, den Passus „Gebete" im Lehrplan zu streichen. Was die „Agada-Sammlung" von Eottschalk anbetreffe, so scheine sie ihm. in bezug auf Auswahl und Wiedergabe. nicht in allen Teilen gelungen und zum Vorlesen vielfach nicht geeignet. Der Schriftführer bemerkt, er besitze ein ganzes Albuin voll biblischer Bilder, die jeweils nach Durchnahme des biblischen Stoffes bei deir Kindern das grünte Interesse auslösten. Beim Quintapensum vermisse er den erzählenden Teil der Hiobgeschichte und den Psalmen 121, dessen Besprechung ihm in Obertertia zu spät erscheine. — Jede hebräische Stunde leite er mit einem gemeinschaftlichen hebräischen Gesang ein. wodurch er die Kinder für den Gottesdienst und die.religiöse Familienfeier zu schulen suche. — Er macht ferner auf folgende Einrichtung aufmerksam, die Studiendirektor Dr. Driesen fürs Philanthropin getroffen hat. Um die Schülerschar (von Sexta an) zum selbsttätigen Rachdenken über religiös-sittliche Dinge und zur Lektüre unseres Schrifttums anzuspornen. trägt ein Schüler oder eine Schülerin vor jeder Neligionsftunde einen Spruch (möglichst auch in hebräischer Sprache) aus der biblischen oder nachbiblischen (evtl, auch einmal aus der allgemeinen) Literatur vor, der kurz besprochen und von einem dazu bestimmten Schüler in ein jeder Klasse zugehöriges ..Spruchbuch" eingetragen wird, und zwar unter Quellenangabe und Nennung des- oder derjenigen, die den Spruch gefunden. Auch das Datum der Eintragung wird hinzugefügt. Am Wochenende gelangen dann sämtliche Spruchbücher, zugleich mit den Klassenbüchern. in die Hände des Schulleiters, der alle Sprüche einer Durchsicht und die ihm besonders geeignet erscheinenden bei Gelegenheit im „Gesamtunterricht" einer gemeinsamen Besprechung unterzieht. Auf die Bemerkung von Rabbiner Dr. Seligmann, wenn im Kinde von s e l b st ein künstlerisches Erleben erwache, so sei das etwas ganz anderes, als wenn Kunst und Bild an das Kind heran gebracht werde, erwidert der Vortragende in seinem Schiunwort. das könne sich nur auf Kinder beziehen, die aus jüdischer Sphäre kämen: solchen aber, die Häusern entstammten, wo jedes religiöse Fühlen, ja fast jeder religiöse brauch fehle, müsse man, so vieles als nur angängig, doch wenigstens bildhaft nahebringeu. Er wünsche auch ein Gesangbuch speziell für jüdische Schulen. — Wenn man glaube, im :i. Grundschuljahre eines biblischen Geschichtsbuches für die Hand der Schüler zu benötigen, so möge man ein anderes (etwa Flehinger. Plaut oder Müller) als das von Sexta an eingeführte nehmen, weil stmst das Interesse der Sextaner und Quintaner an dem Buche erlahme. Dr. H a r t m a n n. Literarisches. Irma Singer. Das verschlossene Buch. Indische ’ Märchen. Auflage. Mit Nachwort von Max Brod. Wien und Leipzig. R. Löwit. , Ein wundervoll ansgestattetes Buch, von dessen Verfasserin uns Max Brod erzählt: Im Kinderheinl, das für vstjndische Waisen in Prag errichtet wurde, hat sie Irma Singer erdichtet. Erdichtet, so müssen wir sagen, denn wenn sie auch lneder ans den Namen einer Dichterin noch einer Schriftstellerin Anspruch erhebt, so ist sie dennoch mit diesem Buche beides geworden. Man gebe die Märchen Nummer 2 unseren 10—1'1jährigen Kindern in die Hand, und aus der stillen Ergriffenheit, die sie beim Lesen nberkomrnt, wer'xn Eltern und Lehrer erkennen, das; hier Töne erklingen, die die Herzen der Kinder gar wann berühren. Will der Lehrer Kindern das Ghetto lebendig schildern, so lese er die Erzählung von Josefs Reise. Und wer dartnn will, wie ein seiner Scholle entrissenes Volk ungelenk und „bücherwnrmig" wivd, der lese die Geschichte vom erdhaften Golem, der hls Erde Erez Israels sich immer wieder neu regt, um „Ehajim", frische, junge Erdkrast zu spenden. Ja, ans dem Buche je bst kommt uns ein solcher frischer Erdhauch entgegen; wir freuen uns der sprechenden, farbenreichen Blumen; wir hören die Vögel aus grünen Zweigen singen, wir atmen den Tust frischer Tannen. Wir danken Dir von Herzen, liebe Erzählerin, uub freuen uns schon ans das, was Du uns noch zu erzählen hast. B. M. Rabbiner Dr. Kaatz. Talmudisch-rabbinische Sähe über Rechtsbeziehnngen zu Nlchtjn'dem Berlin. Philo-Verlag. Ein nicht genug zu rühmendes Schristchen, ein Kenner, der den Mut hat, zu zeigen, wie Rcchtsanschannngen.der Thora sich wandeln, aus Vernunftgründen von den Tanairen umgeforrnt werdc'n und die Rechtsanffassnng der Umgebung bei Entscheidungen berücksichtigt wird. Es wird nachgewiesen, wie das Rechtsbewußtsein, das als Allgemeingebor der Thora entquillt, stark genug ist, die Wandlung der Einzelvvrschriften da, wo sie sich auf das TKwhältnis zu Nichtjnden beziehen, zuzulassen und so eine wahrhaft ethischreligiöse Entwickelung zu ermöglichen, — was im allgemeinen die christliche Theologie sicherlich aus Mangel. au talmndischem Wissen nicht zu erkennen vermochte. Es li.-ste sich über manche Einzelanffassnng des Referenten diskutieren. Es wäre besonders über den „G>ec" Gegenteiliges -und anderes zu sagen. Doch das sind Nebenbetrachtnirgeu im Referat. Diese kleine Arbeit ist nur zu loben, denn derartige Arbeiten von Männern, von der Jähigkeir des Referenten unternommen, könnten jene Erneuerung des jüdischen Lebens herbeiführen, die einst Mainwnides erstrebte, die durch das Elend der Jahrhunderte, aber auch d.rrch die Fixierung des Lebens im Schulchan Aruch ebenso retardiert, wie sie durch die unjüdische Reform des 10. Jahrhunderts ans der graden Linie hernnsgebogen wurde. In dem Referenten lebt der Geist der kühnen Tanaiten, chasak. chasakl B. M. Bei -er Schristleitung eingegangene Bücher. Landauer, Georg: Atlas über Palästina. 300 Bilder. Einleitung von Sven Hedin. München. 1025. Meyer & Jessen. Preis: 20 ,M. Wölbe. Eugen:'Spaziergänge im Reich des Autographen. Berlin 1025. Mit einer Titelzeichnung von Hans Thoma. Berlin. 1025. Richard Carl Schmidt ü: Eo. Rudolf von Ihering: Der Kampf nms Recht. Mit einem Vorwort von Rudolf Wassermann. Berlin 1925. Philo- Verlag. Professor Dr. Mor. Lazarus: Was hernt national? Mit einem Vorwort von Dr. Ifid. Levy. Berlin 1025. Philo-Verlag. Elbogen: T. Die Wissenschaft des Judentums. Festrede. Berlin 1025. Philo-Verlag. Anklagerede der Staatsanwaltschaft in Luxemburg wegen Beleidigung der jüdischen Religion. Mit einem Vorwort von Dr. Foerder. Berlin 1925. Philo-Verlag. Rosenfelde-r. Lehrer in Ladenburg a. N.: Merkbuch für den israelitischen Religionsunterricht. 1025. Selbstverlag des Herausgebers. , Kollegen, werbt für die Verbreitung der „Jüdischen Zchulzeitung"! Jüdische Schulzeitung.