Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 3 (1929-1930)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 113)
- Language
- German
- Belongs to
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Reihe der Päpste reichen wird his in die Zeit, in der nur noch der Kern des Mondes übrig ist und in der sich alles wiederholt, was bei der Zertrümmerung des vorigen Mondes geschah: Erdbeben, Sintflut, Feuerbrand, unendliche Not und Untergang des Menschengeschlechts, daß Gott den Mond nicht mehr am Himmel stehen und eine stille Welt besehen lassen wird. Es haben also die Schlußzeilen unseres Abendgebets wohl denselben Sinn wie die Strophe des Matthias Claudius: „Verschon uns, Gott, mit Strafen und laß uns ruhig schlafen!44 - aber in innigster Verbundenheit mit dem Wesen und Schicksal der Erde wurde Luise Hensel zur Prophetin und sagte etwas von dem, was auch Wolfgang Goethe wohl fühlte, aber nicht sagen konnte — er deutet es in seinem Liede auch an den Mond an: Was, von Menschen nicht gewußt oder nicht bedacht, durch das Labvrinth der Brust j wandelt in der Nacht. Es wird wieder einmal eine Sintflut kommen; wieder einmal wird ein Ende der Menschheit kommen. Gott hat uns noch keinen?soe gesandt, der eine Arche baut, so daß wir uns darin bergen könnten. Aber er hat uns die Dichterin Luise Hensel geschenkt, die das kleine Abendlied gedichtet hat. Gottes Wege und Mittel sind immer andere und neue. Er wird diesmal keine Arche bauen lassen. Diesmal sollen wir einem kleinen Liede glauben. Mir ist es immer, als nehme ich einen wunderbaren Sehutzmantel um meine Schultern, wenn ich vor dem Schlafengehen das Abendgebet der Luise Hensel um mich tue. 249