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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 2 · page 42

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 2
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 42)
Language
German
Belongs to
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drücklich geordnet werden muß, während es bisher selbstverständlich war. Heute bleibt die Arbeit nicht mehr unter der Hand des Berufes, sie sagt: Ich bin da, auch dort, wo nicht Beruf oder Dienst ist; dann bin ich berufslose, treulose, nackte Arbeit. In Deutschland droht uns, daß die Berufe alle vernichtet werden und wir ein Volk der Knechtsarbeit für die Herrenvölker werden. Denn überall dort ist reine, nackte, bloß stumpfsinnige seelenlose Arbeit, wo der Knecht im Menschen, der Untermensch da ist, der berufslose Mensch. Es ist nicht zufällig, daß der Student die Arbeit als derartig unter der Hand geschehend ansehen will, daß er sie mit „Ochsen" und „Büffeln44 bezeichnet. Das heißt, die Arbeit gehört der kreatürlichen Sphäre an, der unbewußten animalischen tierischen. Wir akademischen Menschen sind alle dienstwillig, diensteifrig, berufseifrig und eben deswegen so maßlos arbeitsam, weil die Arbeit uns nichts ist, was an sich selbst irgend etwas bedeutet, sondern gebunden ist sie an unsere Berufstreue. Da ist es gleich, ob es sich handelt um den preußischen Beamten, der ohne weiteres die Dienstzeit verlängert, um seine Aufgaben zu erfüllen, oder ob es sich handelt um die Theologen mit ihrer Entheiligung des Sonntags in der Studierstube. Bei uns ist eben immer die Arbeit an den Beruf gebunden. Sie wird unter der Hand getan, weil wir noch einen Wirkungskreis haben, einen Berufsauftrag, in dem sich unsere Sittlichkeit, unser freies Gewissen bewähren kann. Unser „Esel", wie Franziskus sagt, unser körperlicher Mensch, unser „Bruder Esel" wird nicht lange gefragt, mit dem wird nicht viel verhandelt; auf unsere Maschinerie, auf die Fabrik in uns selbst, wird keine große Rücksicht genommen. Da gibt es daher keinen Achtstundentag. Der Körper wird eingesetzt, weil er einen geistigen Auftrag hat. Der Geist baut sich nicht nur den Körper, sondern er hat auch das Recht, über den Körper zu verfügen. Solange der Mensch noch Aufträge hat, bleibt der Körper auch im Alter noch gefügig. Die Arbeit zerstört ihn nicht, auch die löstündige Arbeit nicht, wenn er einen solchen Wirkungskreis ausfüllen kann. Er hat die Fähigkeit, sich zu erneuern aus der geistigen Berufung heraus. Das ändert sich alles grundweg in dem Augenblick, wo die Arbeit nicht mehr im Dienst des geistigen Berufes steht, wo der körperliche Mensch nicht mehr an einen geistigen Auftrag gebunden arbeiten muß. Im großen gesehen ist in der modernen Gesellschaft darüber kein Streit: für eine 164

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