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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 4 · page 77

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 4
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 77)
Language
German
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Spitze; alles ist lebendige, dramatisierte Handlung, einerlei ob er spielt, erzählt, zeichnet oder Aufsätze schreibt. Beim Zeichnen will er nur Lebendiges" malen; seine Bilder sind eigentlich Erzählungen, weshalb er auch Vorgänge schildert in Bilderfolgen, z. B. das Bild ,,Ein Sturm" besteht aus diesen Einzelbildern: das Schiff fährt ruhig - es wird trüb - der Sturm ist da - das Schiff geht unter - die Rettungsboote auch - das einzige Rettungsboot kommt an Land, (Man beachte die Abwandlung desselben Themas bei seinem Bruder Peter.) Diese Benennungen w ären überflüssig, an den Linien und Farben ist alles abzulesen. In dem Bild „November" schildert er in dreißig kleinen Einzelbildern die Ereignisse eines jeden Tages. Da seine Phantasie heftig bewegt ist und das Bild sich ihm während der Darstellung verwandelt, ist die Zeichnung nur flüchtig und die Farbe flott hingesetzt; wenn die Spannung und das Geschebnis nicht vollständig in dem Bilde dargestellt werden können, erzählt und erklärt er gestikulierend immerzu. Seine Farben, die symbolisch, nicht realistisch zu verstehen sind, steigern die Stimmung; dunkle, leidenschaftliche Farben kämpfen gegen hereinbrechende hellere Farben. Das Doppelbild ..Hagen und Gunter werden bezwungen-Hagens und Gunters Tod" i>t von unheimlicher Schwüle und dumpfer Schwere. In dem „Kampf zwischen Negern und Türken66 wird keine Partei begünstigt. Nur wer die Linien und Farben zu lesen versteht, erfährt von dem Ausgang der Schlacht. Die Zelte der Türken brennen, aber über ihrem Lager steht senkrecht stark eine Wolke, schwarzschweflig, daraus fährt ein Blitz und wird die Neger vernichten, über den Zelten der Neger lagert schwer eine dunklet olke. In dem „Kampf zwischen Heiden und Christen" verfinstert sich der Himmel über den Heiden. Zu der Sonne im Schilde und auf dem Hauptmannszelt der Heiden sagt Werner: „Die Sonne ist gut, aber sie kann auch bös sein, sie kann die Menschen entzünden und die Zelte verbrennen und kann sie wegfressen wie ein böser Drache." Die Christen tragen eine senkrecht gestreifte Fahne : Gelb, Rot, Schwarz, mit einem Kreuz auf dem roten Felde. Ich frage ihn nach der Bedeutung der Farben und Werner erklärt mir: „Gelb ist Licht, Schwarz ist Finsternis, Rot ist Blut. Die Christen sind im Licht, die Heiden in der Finsternis, Blut haben Christen und Heiden. Durch das Blut können die Heiden ins Licht kommen und die Christen in die Finsternis; was das Licht und die Finsternis verbindet, ist die Liebe, drum muß auf dem Rot und dem Blut ein Kreuz sein, denn das Kreuz bedeutet Liebe.** U3

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