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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 2 · page 49

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 2
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 49)
Language
German
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für alle ägyptische Weisheit und alle ägyptischen Weihen. Sie haben, w ie Moses, von dieser Weisheit und von diesen Weihen gekostet und möchten alles vergessen. Ägypten ist Ihnen verhaßt - die mumienhafte Kultur** mit ihrer Ihren Durst nicht löschenden W eisheit zum Ekel geworden. Welch ein Unterschied ist zwischen Ihnen und Nietzsche, dessen Bürde - die für Sie ebenso fremdartig ist wie das ganze Ägypten - Sie folgerichtig Ihren Schultern nicht aufzuladen versuchten, die auch ohnedies von der Traglast geistiger Werte und Denkwürdigkeiten übermäßig beschwert sind. Wozu brauchten Sie Hand in Hand mit ihm Ö die gefahrvolle Pilgerschaft in die Schlucht der Sphinx zu unternehmen, deren singendes Rätsel („Wer bist du und was bist du, Ankömmling .'*" - Odipus antwortete: „Ein Mensch44 . . .) für jeden vor ihr stehenden als eigenartige Melodie ertönt. Schließlich aber ist Nietzsches Problem Ihr Problem: Kultur und Persönlichkeit, Wert, Verfall und Gesundheit - besonders Gesundheit. Und schwerlich kann sich eine Initiation der Persönlichkeit in der zeitgenössischen Kultur vollziehen, ohne daß der „Geweihte" (wie dieTheosophen sagen) ihm als dem „Hüter der Schwelle" begegne. Nietzsche hat gesagt: „Der Mensch ist etwas, das überwunden werden muß44 und er hat damit nochmals bezeugt, daß der Weg der Be- O n freiung der Persönlichkeit ein Weg aufwärts und in die Tiefe, eine Bewegung in der Vertikale ist. Wieder ein Obelisk, wieder eine Pyramide I „Das kann sein, das kann sehr wohl sein44, wehren Sie hastig ab, denn Ihre Lenden sind umgürtet und der brennende Blick mißt die Horizonte der Wüste: „vor allem aber nur fort von hier, fort aus Ägvpten!" Wären Sie eine Zeitlang und in gewissem Maße Nietzschearier gewesen, so fühlten Sie unmittelbar, wie bei dem Menschen, dem Lasttier der Kultur, das die Formen des Kamels zeigt (der Vergleich ist von N ietzsche gefunden, das Pathos ist sein — das Ihrige) Löwenklauen zum \ orschein kommen; Sie empfänden, wie in ihm der elementare Wüstenhunger des Raubtiers erwacht, der ihn zwingt etwas Lebendiges zu zerreißen, was er bis dahin fürchtete, und dessen Blut zu kosten. Dieses Lebendige und Bluterfüllte wird in der abstrakten Sprache des neuen Ägyptens, in seinen priesterlichen Büchern „Werte44 genannt: denn sie sind wunderbar langlebig und lebendig, weil, wie Sie sagen, die Menschheit sie mit ihrem lebendigen Blute tränkte, ihnen ihre feurige Seele einblies, obgleich sie sich auf ihren Thronen unbeweglich niederließen als „Bildnisse und irgendwelche 183

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