Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 3 (1929-1930)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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antwortete ihm und sprach: ,Fürchtet wohl Job Gott ganz selbstlos? Hast du nicht ihn und sein Haus und alle seine Habe ringsum mit einem Walle umgeben? Hast du nicht die Werke seiner Hände gesegnet, und hat sein Besitztum nicht zugenommen im Lande? Aber strecke nur einmal deine Hand ein wenig aus und taste alles an, was er hat! Ob er dich dann nicht ins Angesicht lästert?4 Da sprach der Herr zu dem Satan: ,Siehe, alles, was er hat, sei in deiner Hand! Nur gegen ihn selbst strecke deine Hand nicht aus!4 Da ging der Satan hinweg vom Angewehte des Herrn/4 So heißt es im zweiten Kapitel des Buches Job. Im dritten Kapitel erscheint der Satan wiederum unter den Söhnen Gottes vor dem Herrn. Die erste Versuchung Jobs ist ihm nicht gelungen: „„Haut um Haut, und alles, was der Mensch hat, wird er um sein Leben geben!" Da gibt ihm der Herr die Erlaubnis, auch Gebein und Fleisch des Getreuen anzutasten. ,,Doch seines Lebens schone!" Ich weiß sehr wohl, wie man über diese Offenbarung hinwegzukommen versucht. Man nimmt die Gestalt des Satans, der hier unter den Söhnen Gottes erscheint wie ein von Gott approbierter Prüfungskommissar, nicht ernst. Man denkt etwa an den ,,Advocatus diaboli" in den romischen Heiligsprechungsprozessen, also an den geistlichen Beamten, der die Pflicht hat, alles, was irgendwie gegen die Heiligsprechung sprechen könnte, aufzudecken und vorzubringen, und der sein Amt manchmal vielleicht mit wirklich diabolischer Schlauheit versieht, obwohl er in seinem privaten Leben44 ein richtiger Engel sein kann. Aber ich muß gestehen, daß für mich die Offenbarung Gottes unvollständig wäre, wenn diese Kapitel des Buches Job nicht in der Schrift ständen. Ich traue dem Geist nicht, der diese Kapitel zu unterschlagen oder zu überschlagen versucht. Der Satan darin ist ihm zu wenig schreckhaft, zu wenig verflucht. r? r» Jener Geist will mehr Schreck und Fluch! Aber es ist ein Geist, der Schulbibeln schreibt und ganz gewiß zu den frommen kirchlichen Geistern zählen will. Seit mehr als einem Jahrhundert gilt es als höchster Ruhm in Welt und Kirche, ganz und gar ein Mann des Geistes zu sein, geistiges Leben und geistige Kultur zu fördern und zu verbreiten. Selbst die Kirche, die sich den einzigen Hort des Glaubens nennt, verteilt ihre Amter und Würden nach den geistigen Qualitäten, nicht nach dem Maße des Glaubens, wie er einem jeden gegeben ist. W as gilt Gott? Was gilt der Glaube? 13