KC-Mitteilungen
- Journal
- KC-Mitteilungen
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 4 (15.5.1924)
- Date
- 1924-05-15
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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K. E. nicht mehr in gleichem Maße wie früher, nicht etwa die unbedingte Vorherrschaft, wohl aber doch auch in den Kreisen der ihm Fernstehenden die unbedingte Anhängerschaft findet, - und die Gegenfrage, ob überhaupt die Betätigung außerhalb der Studentenschaft zu den Wesensaufgaben unseres Verbandes gehört. Die Arsache für die unbestreitbare Tatsache, daß der K. C. nicht mehr überall in der vordersten Linie steht, liegt einmal darin, daß die Revolution von 1918 durch die folgenden wirtschaftlichen Ereignisse in viel stärkerem Amfange eine soziologische als eine politische Revolution gewesen ist und daß die Akademikerschaft als ganzes die Bedeutung verloren hat, die ihr vor dem Kriege freiwillig eingeräumt wurde. Der Idealismus der Studentenschaft, der in der Zugend des K.C. genau wie in der des ganzen deutschen Volkes seine Leimat hatte, die Sorglosigkeit des Lebens der Studentenschaft hatte stets zur Folge, daß der K. C.er, der frei von Brotsorgen seine Studentenzeit verbrachte, willens war, Fragen, die ihn persönlich an sich nicht mehr angingen als irgend einen anderen, zum Angelpunkt seiner Betätigung zu machen, daß er sich einsetzen konnte und einsetzte für die Interessen der Allgemeinheit. Diese soziologische Revolution hat zwei Stände völlig vernichtet, zwei Berufsklassen, die in dieser Beziehung die gleichen Ziele hatten, den Rentner des Mittelstandes und den deutschen Akademiker. Beiden wurden die Voraussetzungen genommen, auf denen ihre Tätigkeit für die Allgemeinheit beruhen könnte. Für den K.C.er ttitt zu dieser Amwälzung aber, eine weitere hinzu: die Stellung verdeutschen Akademikerschaft in der antisemitischen Bewegung wurde eine andere, die Führerkrise führte zur Ausschaltung der Führung durch die Akademikerschast. Die völkische Bewegung hat auch ihre Führerkrise durchgemacht, und in wie starkem Amfange die deutsche Studentenschaft sich auch völkisch einstellte, sie hat die Führerrolle in dieser Bewegung zwar beansprucht, aber sprechen wir es ruhig aus, sie hat die Führerschaft zu erlangen nirgends verstanden. Die Führer der völkischen Bewegung, ihre Vorkämpfer in grundsätzlicher und politischer Beziehung sind nirgends die Männer des Lochschulrings, sie sind nur die Gefolgsmänner der Litler, Ludendorff, Ehrhardt, Gräfe usw. Damit ist unser Kampf nicht mehr ein Kampf allein in der Akademikerschast, sondern ein Kampf in der Volksgemeinschaft geworden. Aus dem Einzelkamps ist heute ein Massenkampf geworden. Ein jeder unter unseren Glaubens- und Gesinnungsgenossen hat ihn zu führen, mag er nun Akademiker sein oder irgend einem anderen Stande des Volkes angehören. . Diese Aenderung in der soziologischen Sttuktur unserer Gegenbewegung mußte ganz ' unabhängig von der Frage der geistigen Einstellung der Jugend, unabhängig von der Frage? der Amstellung korporativer Gedanken und Formen die Bedeutung des K. C. in der politischen Bewegung zurücktreten lassen. Der K. C.er wurde einer unter vielen. Dadurch allein konnte der Eindruck entstehen, als sei in der Zugend des K. C., ja sogar in seiner Ältherrenschast das Bewußtsein für die Verpflichtung zur Führerschaft geschwunden. Ist aber nicht vielleicht doch etwas wahres daran, daß der junge K. E. er glaubt, sich» auf die studentische Bestätigung beschränken zu dürfen? Wie liegen diese Zusammenhänge tatsächlich? Festgestellt muß werden, daß beide Teile, die sich über diese Frage den Kopf erwärmen, häufig die Dinge verkennen. Es kann die Aufgabe des K. C. nach seiner inneren Sttuktur und seiner Größe nicht sein, an jeder Stelle jeden Posten aussülley zu können. Dazu sind wir unserer zu wenig und dadurch würden wir uns auch unserem eigentlichen Aufgabenkreis entziehen. Allzu oft wird auch verkannt, wieviel weniger der Student von heute in der Lage ist durch wirtschaftliche Sorgen, durch ungleich größeren Arbeitsdrang so viel Zeit für allgemeine Dinge zu opfern, wie einst. Aber der K. C. darf auch nicht die Schlußfolgerung ziehen, daß für den Kamps in der Allgemeinheit, der so wenig schön und so wenig befriedigend ist, jetzt genug Kämpfer zur Stelle sind und er sich beschränken kann auf alte romantische Zdeale der Studentenschaft. Auch heute noch sind wir die Vorkämpfer für das deutsche Judentum, auch heute kämpfen wir den Kampf, der, wenn er vergeblich ist, bald der Kampf der Allgemeinheit sein wird, kämpfen ihn gegen eine Aeberzahl von Feinden. Wenn wir auch, zu schwach sind, um allein diese Feinde zu besiegen, so müssen wir doch das Recht- und die Verpflichtung für uns anerkennen, die Massen, die hinter uns stehen und die auch heute nach uns schauen, mit heranzusühren zum Kampf an den Gegner. Die Sorgen und den Kampf, den das deutsche Judentum in den letzten Wochen um seine verfassungsmäßige Gleichberechtigung gekämpft hat, wir kämpfen ihn seit Jahren.' Den Kampf gegen eine Mehrheit der Völkischen in den Parlamenten hat man in den Kreisen der Akademikerschast' schon kennen gelernt lange, ehe in den Köpfen der Allgemeinheit ein Verständnis für den Ernst dieses Problems vorhanden war. Darum ist es falsch, wenn von unseren Gegnern im eigenen Lager uns der Vorwurf gemacht wird, daß wir unsere Pflicht nicht erfüllt haben. Sie verkennen, daß der deutsch jüdische Akademiker neben