Unsere Tribüne
- Journal
- Unsere Tribüne
- Volume
- 3 (1926)
- Issue
- 15 (22.12.1926)
- Date
- 1926-12-22
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Zylpf::*rt}r<'-:'^ $^Sftft^Vvl tfWZ^&^'ji )rgan der jüdischen sozialdemokratischen Arbeiterorganisation Poale Zion, Wien Erscheint zweimal monatlich Redaktion und Administration: Wien, IL, Blumatiefgafise l/II Postscheckkonto Nr. 38.042 Bezugspreis: vlertellährig. S 1.20 halbjährig . . „ 2.40 Einzelne Nummer 20 Groschen Nr. 15. Wien, 22. Dezember 1926. 3. Jahrgang. Ber Borochow anläßlich seines neunten Todestages. Es sind nunmehr neun Jahre bereite verstrichen, seit unser großer Führer und treuer- Genosse. Ber Borochow, von uns ging. Die Wunde, die sein Tod unserer Bewegung ■geschJagen hat, ist noch nicht vernarbt. "Inschwierigen Momenten in unserer Bewegung entreißt sich ^unserem Herzen so oft der Stoßseufzer: Wenn noch Borochow bei uns wäre! Ueberall, in allen Situationen vermissen .wir sein klares Denken, seinen hell sehenden Blick. Als Borochow .die Anomalien des Wirtschaftslebens der Juden zu ergründen begann; als er den konstruktiven maximalistischen jüdischen Sozialismus den Poalezionismus, als die einzige radikale Lösung der Judenfrage vom Gesichtspunkte des Sozialismus vcrkütidete," Jächelten die siebenmal Gescheiten von rechts; und, links. Borochow war ihnenein weltfremder Pilpulist, der nicht die jüdische Wirklichkeit zu deuten, sondern seine. Illusionen in sie hineinzudeuten versucht. Die an der Oberfläche haftenden konnten seinem tief eindringenden Seherblick nicht folgen.. Seine tief schürfenden Erkenntnisse konnten ^sie .nicht erfassen. ___ rv'^^bie^-jü^ ' Pünktlichkeit seine Feststellungen und Prognosen bestätigt. Wie heftig wurde z. B. seine These von der Wechselwirkung zwischen dem Aufstiege der arbeitenden jüdischen Massen im Golus und der Entwicklung der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina bekämpft. Die beschränkten Führer der jüdischen Minimalisten aus der Schule des „Bund" konnten •<äTO»QBPO<»J^»c>*^tte»» CebensversIdiepungssGesellsAaff Phönix Wien, I., Riemergasse 2 Telephon 79:5=65 Serie Telephon 79s5«65 Serie Aktien-Kapital S 4,000.000. — Versicherungsstand am ). Jänner. 1926 Ober 600 Millionen Schilling. Sämilidi« Arten uon fcoens: und ggRtenugPsidiepungen, Unfall:, fluto: und tiafipfiiäitoersidiefunsen. Heimprimien- Versicherung ohne ärztliche Untersuchung Tagesprämie: 20 6rosdien bei 20j8hPiger Uersidiepungsdausp, 30 6rosdien bei ISjshriger Uershherungsflaiier. Leistungen der Gesellschaft: Im flblebtoisfalls sofort natfi dem Tode: 1000 S oder 5 Viertel (125 Prozent) der insgesamt entriititeten Prämien, Je nadidem, uelme? Betrag höher ist. Im Erlebensfälle: 1750 S bei 20jähriger Dauer, 1850 S bei lSjahriger Dauer. Kostenloser Einschluß der Prämienbefreiung im Invaliditätsfalle. Kostenlose Unfallversicherung auf die doppelte Todesfallssumme. Kostenlose Ausfolgung einer Heimsparkasse! Prospekte unö nähere Husftünfle beider Direhtion oder bei jeJep GüsdiäHsstelle. 5 QMa9<MamGM99<m&*om®mi&e+^VQeB$mQMi>*GM9i> nicht begreifen, daß eine aufsteigende jüdische Arbeiterschaft in . den" Golusländern erst das richtige Verständnis :der großen Idee (der Regeneration, der Schaffung-eines arbeitenden jüdischen Volkes in Palästina entgegenbringen wird. Noch weniger konnten sie einsehen, daß die Existenz einer im Boden und in den. wichtigsten Zweigen der Produktion verankerten jüdischen Arbeiterschaft in Palästina die jüdische Arbeiterschaft;, befruchten und beleben wird. Nun kam die, Wirklichkeit und bewies die Richtigkeit dieser These , voll und>■ganz. Die jüdische Arbdterschaft in Osteuropa hat sich in den letzten Jahren zu einem bedeutenden; Machtfaktor entwickelt und in Tausenden sind die jungen arbeitenden Juden in den letzten Jahren nach Palästina gegangen, um am Aufbaue des arbeitenden Palästina rnitzutun. Tausende" harren der Möglichkeit, um nach Palästina einwandern zu können und am Aufbaue des Landes teilzunehmen. Die Zahl der jüdischen Arbeiter, die sich unserer Bewegung anschließen, steigt unaufhörlich.. Und obwohl die jüdische Arbeiterschaft in Palästina ihr Jugendalter erst durchmacht, können wir die Rückwirkung ihrer Errungenschaften auf die jü- -ndfech-ernftTbeltei^^ bereits feststellen. Das Werk der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina zwingt bereits heutzutage die nichtjüdische Welt und — was für uns von besonderer-Bedeutung ist —- insbesondere das Weltproletariat zu Achtung und Anerkennung für die jüdische Arbeiterschaft überhaupt. Oder kann man ernst bestreiten, daß in der gegenwärtigen Weltwirtschaftskrise das Entstehen des arbeitenden Palästina den einzigen Lichtpunkt in unserem Leben darstellt? Nicht weniger als diese Voraussage haben sich die meisten wichtigen Prognosen Ber Borochows bewahrheitet. ' Wehmut beschleicht uns, daß es ihm versagt blieb, die Bestätigung seiner Thesen durch die Wirklichkeit zu erleben. Das Schicksal mancher wirklich Großen hat auch Ber Borochow ereilt. Der Geist Borochows aber lebt nicht nur in seinen Werken, sondern auch in unserer Bewegung fort. In allen größeren und kleineren jüdischen Städten tragen die Heime, die Kulturstätten der jüdischen Arbeiter den Namen Ber Borochows, die erste große städtische Siedlung der jüdischen Arbeiter in der Nähe von Tel-Aviv heißt: S c h c h u n a t h Borochow. Ein unvergängliches Denkmal hat sich Borochow durch sein Wirken und Kämpfen in der jüdischen Arbeiterschaft gesichert. Oer Unionskandal vor dem Gemeindebund. Immer deutlicher werden! die Umrisse des ganzen Skandals der Vereitlung des Gemeindeblindes durch die Union. Es ist bekannt, daß aus früherer Zeit ein formeller Gemeindeschluß, in den-Bund einzutreten, von Seiten der Wiener jüdischen Gemeinde schon vorlag. Die Proviuzgemeindeu haben in unermüdlicher Arbeit der Idee des Gemeindebundes überall zum Sieg verholten. Der Eintritt der Wiener sollte das Werk vollenden. Da hintertrieb der liberal-agudistische Geldsackklüngel im letzten Moment die Sache. Der Skandal war so groß, daß die für den 12. Dezember nach Wien zusammengerufenen Delegierten der österreichischen Judengemeinden gar nicht mehr in Kenntnis geselzt werden konnten^ sondern ahnungslos nach Wien kamen, ohne zu wissen, daÖ 48 Stunden vorher die Union den Gemeindebund ge-; sprengt hatte. Die Scham überkommt jeden Juden, der es mitangesehen hat, wie aus allen Teilen der Republik Gemeindevertreter kamen, die Mühe und Opfer nicht scheuten, um das Werk des Gemeindebundes zum Abschluß zu bringen und von der Union nun so unerwartet düpiert wurden. Und die Entrüstung der Erschienenen gegen die Union und die Agudah war durch keinerlei Beschwichtigungsversuche der Herren Dr. Pick und Dr. Ornstein einzudämmen. Die Leitung der Gemeindebundstagung hat zu-; nächst aus Gründen des Taktes es überhaupt abge- - lehnt; im Sitzungssaal der Wiener Gemeinde zu. tagen mit der vom Vorsitzenden ausgesprochenen Begründung, es gehe nicht an, im Sitzungssaale einer Ge- ... meinde zu tagen, die durch ihr Verhalten strengste Kritik und Tadel der jüdischen Provinzvertreter hervorrufen müssen. Im „Continental" waren auch die Vertreter der Wiener jüdischen Gemeindefraktionen erschienen. Die feigen Drahtzieher des Unionbeschlusses hatten es aber vorgezogen, nicht selbst zu erschenien, sondern sich hinter dem Präsidium der Wiener Gemeinde..zu... verstecken. So waren zwei so -'-hochachtbare" Männer wie Pro?; Pick "und Dr.~OfnsteTirrvon ihren rücksichtslosen Genossen dazu verurteilt,' die ganze Kritik aufzufangen, die den unverantwortlichen Drahtziehern dieses erbärmlichen Beschlusses galt. Dr. Ornstein versuchte wenigstens die Angriffe gegen die Union abzuschwächen, indem er diese Organisation als nicht verantwortlich für die Beschlüsse ihrer Gemeindevertreter erklärte und irgend etwas sagte, das wie „Unterstützung", ^Förderung" des Gemeindebundes klang. Er wurde aber von den Provinzvertretern in scharfen, klaren Worten darauf, verwiesen, daß es auf ein, paar Redensarten -mehr . oder weniger nicht ankomme, wo die Union durch ihre Tat den Beitritt der Wiener Gemeinde verhindert habe. Im Namen der Vereinigung für soziale Tätigkeit begrüßte Genosse Dr. Bader die Tagung und kenn- Arbeiter und Angestellte versichern ausschließlich bei der Gemeinde Wien Feuer- und Einbruchversicherungf ürWohnungen — Unfall- und Haftpflichtversicherung - Glasbruchversicherung — Lebensversicherung ohne flrztl. Untersuchung bis zu 4000 Schilling oder in jeder gewünschten Währung . Direktion: Wien, I., Tuchlauben 8 Telephon 67-5-40 Serie