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Unsere Tribüne · 1926-09-09 · 10 (09.09.1926) · page 1

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Journal
Unsere Tribüne
Volume
3 (1926)
Issue
10 (09.09.1926)
Date
1926-09-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
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V. b. b. Vi WM ' wl Organ der jüdischen sozialdemokratischen Arbeiterorganisation Poale Zion, Wien Erscheint zweimal monatlich Redaktion und Administration: Wien, iL, Blunauergasse 1/11 Postscheckkonto Mr. 38.042 Bezugspreis: vierkHShrig. S 1,20 halbjährig . . , 2.40 Einzeihe Nummer 20 Groschen Nr. 10. Wien, 9. September 1926. 3. Jahrgang. An die Arbeit, Genossen! Die Lditun'gi unserer Organisatiotn trifft bereits Vorbereitungen für die Herbst- und Wintertätigkeit. Die Abendkurse werden im nächsten Monat eröffnet werden. Eine würdige Feier anläßlich des 20jährigen Bestandes unserer Bewegung wird vorbereitet. Eine breite Werbetätigkeit für Organisation und Presse soll aus diesem .Anlasse entfaltet werden. Unsere Generalversammlung, die im Monate November stattfinden soll, wird zu wichtigen Problemen des1 jüdischen ' Lebens in Wien Stellung nehmen müssen. Um diesen Aufgaben gerecht zu werden, bedürfen wir der Mitarbeit aller Genossen. i W^i' r f o r d e r 11 e u c h d e S h a 1 b a u f, s i c h u n s g u r Ve r f ü gu n g zu s t e 11 e n. Das Sekretariat amtiert in der Zeit Dienstag und Donnerstag von 7—9 Uhr abends. ' Das Sekretariat. Das Judentum des Skandals. Es; Ist das natürliche Los eines über die ganze -Welt verstreuten Volkes', daß seine einzelnen Glieder nicht überall gleich stark, im nationalen Wesen" verankert sind. Dazu kommt noch für uns Juden die unbestreitbare Tatsache, daß wir immer so sind wie die Umgebung, genauer gesprochen, daß der kulturelle Charakter einer jüdischen Massensiedlung von der nichtjüdis'chen Umgebung wichtige Züge übernommen hat. Wir ■ Wiener Juden leben in einer Sphäre ge^ schwächten, geminderten Volkslebens. Die kulturellen und sozialen Bindungen ans Judentum sind in-.Wien »nicht so stark, um jeden einzelnen Juden in seinem täglichen Leben festzuhalten, das jüdische Volksleben in Seiner Gesamtheit für alle Juden zu vertiefen. Auch die stärksten Anstrengungen jüdischer Parteien und ihre gewiß möglichen großen Erfolge müssen mit diesen Tatsachen rechnen. Aber noch zu wenig» erkannt ist die Eigenheit solcher geschwächter Zentren, ein negatives1 Leben führen zu wollen. )Wir nennen diese Welt das Judentum des Skandals. Und jeder Wiener Jude wird uns verstehen, wenn: wir ihm erklären, daß es heute 'tausende und abertaiisende Juden in Wien gibt, die eine jüdi'ische Sache nur dann interessiert, wenn sie nach einem Skandal aussieht. Die an den tagtäglichen Leiden und Freuden; den Leistungen und Mißerfolgen der jüdischen Bevölkerung Wiens gar keinen 4 An teil nehmen, sich aber um keinen Preis der Welt einen Skandal' nehbien lassen, den sie in irgend einer Angelegenheit jein blicken zu können glauben. Und wie der Appetit beim Essen kommt, so bleibt es nic'ht bei der Freude am Skandal allein. Der Skandal wird gemacht, ium sieh und anderen Freude zu bereiten. Und da jede Angelegenheit, also auch ein Skandal, eine bestimmte! Zeit lang dauert, So entwickelt sich eben für eine bestimmte Zeit lang jenes jüdische negative Leben mit seinem einzigen Inhalt: dem selbstgeschaffenen Skandal. Ist" die Geschichte aber dann einmal: fcu Ende, kann man noch immer etwas neues anstellen.' 'Und dieses Judentum wird auch dann weiterleben. Das zweite: Wien, unsere Heimatstadtt ist bekannt dafür, daß es nie ohne einen Spektakel hat leben, können. Und die Wiener Juden sind so wie ihre Umgebung. Ein Judentum ohne Spektakel müßte Verödung hervorrufen, ein einziger jüdischer Skandal kann aber Kaffeehäuser füllen. Und so gelangen wir über die tatsächlichen Voraussetzungen unseres Wiener jüdischen Kulturlebens direkt zu der Aktion des Herrn Metzger und seiner Kaffeehaushintermänner. . •Mag sein, daß sich mehrere Kaffeehäuser samt ihren Cliquen gegenseitig die Ehre absprechen, die (Erfinder dieses Projektes gewesen zu sein, mag auch sein, daß die besten Köpfe mehrerer Kaffeehäuser die Eingabe des Herrn Metzger zusammengebracht haben — für uns: ist Herr; Metzger mit den Seinen nur ein Exponent jener jüdischen Kaffeehaustin terwelt, die wieder etwas braucht, um frische Luft in die Kaffeehäuser zu bringen. Mit der moralischen Seite seiner Tat werden wir 'bald fertig sein. Wenn Herr Metzger sich stark genug fühlen würde, an seine Mitjuden zu appellieren, So hätte er ein Tänzchen gewagt. In allen Parteien^gibt es willfährige Oppositionen, hinter die man sich/ stecken kann, eine unzufriedene jüdische GeHenÄhkeitist auch immer da, also warum eine Denunziation an Aufsichtsbehörden statt offener Kampf um die Aufklärung der jüoc^aoaraacsataaKara«^ * be&ensversidieFungssGesellsdiaft Phönix Wien, I., Riemergasse 2 Telephon 79=5:65 Sepie Telephon 79=5:65 Serie Aktien-Kapital S 4,000.000. — Versicherungsstand am 1. Jänner 1926 über 600 Millionen Schilling. sämtliche Arten uon fiebenss und Rentenuemdierungen, Unfalls, fluto: und HaftpHidifuersitiienmgen* i Heimprämien- Versicherung ohne ärztliche Untersuchung Tagesprämie: 20 Groschen bei 20jähriger Uersifherungsöauer, 30 Grosdien bei 15jähriger VersidierungsOauer. Leistungen der Gesellschaft: Im Rblebensfalle sofort nach dem Tode: 1000 S oder 5 Uiertel (125 Prozent) der insgesamt entrichteten Prämien, je nachdem, weither Betrag höher ist. im Erlebensfalle: 1750 S bei 2QjährIger Dauer, 1850 S bei 15jährigqr Dauer. Kostenloser Einschluß der Prämienbefreiung ■ im Invaliditätsfalle. Kostenlose Unfallversicherung auf die doppelte Todesfallssumme. Kostenlose Ausfolgung einer Heimsparkasse! Prospekte und nähere Husiilinfte Hei Oer Direbtion oder bei jeder Geschäftsstelle. disChen Bevölkerung, aus deren Gemeindemitteln die Palästinagabe bewilligt wurde? Herr Meteger weiß aber, warum er denunziert. Der einstimmige Beschluß aller Parteien des Kultusvorstandes hat die gesamte jüdische Bevölkerung: hinter sich, in seinen eigienen Kaffeehäusern würde Meteger jede Schlacht verlieren, darum traut er sich gar nic'ht auf die jüdische Gasse, darum stellt er sich' nicht der jüdischen Oeffentlichkeit. Könnte Herr Meteger jüdische Fragen beank worten, so würden wir ihm einige .stellen, aus denen' die selbstgefällige Eitelkeit seines Schrittes ebensoi wie seine Unwissenheit in der m Betracht kommenden Frage gleich ersichtlich wird. Wir werden aber nic'ht ihn aufklären, sfomdern die jüdische Oeffentlichkeit. Eine jüdische Gemeinde •ohne Palästinahilfe, ohne praktische Hilfe für das Judentum der ganzen Welt hat es nie gegeben und kann es auch nicht geben, weil durch' Sie Lebens^ grundlagen des religiösen und des weltlichen Judentums in gleicher Weise zerstört werden. In den schlimmsten Zeiten vergangener Jahrhunderte haben jüdische Gemeinden sich dieses Recht, den Juden in aller .Welt zti helfen, flicht neih'menl lassen,' nicht einmal durch die Geldgier der;* staatlichen Mächte, die in der jüdischen Fürsorge für auswärtiges Judentum immer eine Schmälerung ihres! -Einkommens von den Juden erblitikt haben. Die historischen Zeugnisse sind uns erhalten. Sie überliefern uns stolze Worte, mit denen das Judentum seinen Lebensqueli, die Welthilfe für seine Brüder an allen Orten erfolgreich erhalten hat. Es geht hier nicht um Palästina allein. Mehr als je erfordert die Lage des1 jüdischen Volkes aliweltliche Zusammenarbeit aller jüdischen Gemeinden. Jüdische Emigration, Gesundheitswesen, Schul- und Bildungswesen, jüdische Wissenschaft und Forschung, sie verlangen eine gemeinsame Arbeit aller jüdischen (Gemeinden durch die berufenen Männer, Die jüdische Arbeiterschaft der gan'zen Welt wird sich ihr Recht nicht rauben lassen, gjemeinsame Nöte des ganzen jüdischen Volkes' in allen jüdischen Gemeinden der.Welt zur Sprache zu bringen und| gemeinsame Abhilfe zu fordern. " Der Herr Fürsorgerat mag unterdessen weiten für einen jüdischen Skandal sorgen. Wir aber, die wir die Wiener Juden und ihre Jugend nicht in 'den Kaffeehäusern krepieren lassen wollen, werden weiter Aufklärnug verbreiten unter der jüdischen Arbeiterschaft Wiens und dem Judentum des Skandals ein Ende bereiten. \! . R. G. Die Sitzung des zionistischen A.K. Die letzte Sitzung #es zionistischen Aktionskomitees, die Ende Juli in London getagt hat, trug einen "sehr ernsten Charakter. Es sei festgestellt, daß zum ersten 'Male die zionistische Leitung die Mandatarmacht öffentlich an die Erfüllung ihrer Pflicht gemahnt hat. Bei Festsetzung des Budgets hat sich ein Entfgegenkommen den Forderungen der Arbeiterschaft gegenüber bemerkbar gemacht Trotz der schwier igen wirtschaftlichen Lage in , Palästina, war die Tagung von Zuversicht und Hoffnung auf eine baldige Besserung erfüllt. \ Sensationelle Herbstangebote Brüder SdliffmaiM II.JaborstraftH8 Telephon-Nr. 47.171 En gros - En Mail

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